Ein Arzt hält eine Spritze mit einer Grippeimpfung in der Hand. Foto: dpa/Jens Kalaene

Vergangenen Winter wurden kaum Grippe-Fälle registriert. Großen Anteil daran hatten die Corona-Schutzmaßnahmen. Darauf, dass die Welle diese Saison erneut ausbleibt, sollte man sich nicht verlassen. Eine Grippeimpfung ist deshalb der beste Schutz.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Pandemie kommt der Grippeschutzimpfung in diesem Herbst eine besondere Bedeutung zu. „Da es durch die Hygienemaßnahmen der letzten zwei Jahre zur Bekämpfung der Corona-Pandemie weniger Influenza-Infektionen gab und damit der natürliche Booster in der Bevölkerung ausblieb, ist in der aktuellen Saison ab Oktober 2022 die Influenza-Impfung von großer Bedeutung“, schreibt beispielsweise das hessische Sozialministerium.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Impfung?

Empfohlen wird, sich vor Beginn der Grippesaison ab Herbst impfen zu lassen. Die Grippesaison beginnt im Oktober und hält bis ins Frühjahr an. Ihren Höhepunkt erreicht sie üblicherweise im Februar und März.

Gut geplant ist die Impfung zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember. Das hat damit zu tun, dass die optimale Schutzwirkung rund zwei Wochen danach beginnt und nach drei Monaten langsam nachlässt. Die Grippewelle rollt meist vor allem zwischen Januar und März.

Da jede Saison andere Influenzaviren im Umlauf sind, wird auch der Impfstoff ständig daran angepasst. Auch deshalb sollte man sich jedes Jahr aufs Neue impfen lassen.

Wer darf impfen?

Natürlich sind dies Ärzte. Seit Mai dürfen aber auch Apotheken neben der Coronaimpfung eine Impfung gegen Grippe durchführen, wenn das Personal dafür entsprechend geschult wurde.

Für wen ist die Impfung empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt sie unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, Vor-und Immunerkrankten sowie medizinischem Personal. Die Stiko empfiehlt Älteren zudem eine Impfung mit einem sogenannten Hochdosis-Impfstoff.

Für gesunde Unter-60-Jährige und Kinder gibt es keine explizite Empfehlung. Die Stiko rät aber auch nicht davon ab.

Wenn die Impfung durch die Stiko empfohlen ist, übernehmen die Krankenkassen die Kosten in aller Regel. Viele Firmen bieten Mitarbeitern kostenlose Impfungen an.

Senkt eine Impfung das Risiko für schwere Verläufe?

Ja. Bei der Abwägung von Für und Wider einbeziehen sollte man auch die Tatsache, dass die Impfung das Risiko eines schweren Grippeverlaufs im Fall einer Ansteckung senkt – so wie es bei den Impfstoffen gegen Covid-19 der Fall ist.

Außerdem reduziert man durch die Influenza-Impfung auch das Risiko, andere Menschen anzustecken. Deshalb wird sie etwa Menschen empfohlen, die mit Risikopersonen zusammenleben.

Kann man sich gleichzeitig gegen Grippe und Corona impfen lassen?

Nur einmal den Weg in die Arztpraxis auf sich nehmen und sich gleichzeitig den Schutz gegen Grippe und Corona abholen? Das ist laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) möglich.

Die Injektionen sollten an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen – also am rechten und linken Arm zum Beispiel. Bei einer gleichzeitigen Anwendung der Impfstoffe könnten häufiger Impfreaktionen auftreten als bei der zeitlich getrennten Gabe.

Warum sollten sich Risikogruppen in der Pandemie gegen Grippe impfen lassen?

Die Gruppen, die einen schweren Krankheitsverlauf zu befürchten haben, sind bei Influenza und Covid-19 sehr ähnlich. Es besteht sogar die Möglichkeit, sich mit beidem zu infizieren und dadurch die Krankheitsschwere zu potenzieren.

Wie hoch ist die Wirksamkeit von Grippe-Impfstoffen?

Das kann saisonal sehr unterschiedlich sein. Die Zusammensetzung des Impfstoffes wird zwar jährlich aktualisiert. Es sei trotzdem möglich, dass in der folgenden Saison Influenzaviren nicht so gut mit den im Impfstoff enthaltenden Virusstämmen übereinstimmten, heißt es beim RKI. Grund sei zum Beispiel, dass sich während der Produktionszeit des Vakzins andere Stämme durchgesetzt hätten.

Bei einer sehr guten Übereinstimmung der zirkulierenden Influenzaviren mit dem Impfstoff wurde bei jungen Erwachsenen laut RKI eine Schutzwirkung von bis zu 80 Prozent beobachtet.

Ältere Menschen haben beim Grippeimpfstoff oft eine reduzierte Immunantwort. Dennoch könne sich auch ihr Risiko, an Influenza zu erkranken, durch die Impfung im Durchschnitt etwa halbieren, heißt es beim RKI.

Wie viele Todesfälle durch Grippe gibt es jedes Jahr in Deutschland?

Diese Zahl kann nur geschätzt werden. Denn zum einen wird längst nicht bei jeder Atemwegserkrankung auf Influenza getestet. Zum zweiten sterben viele Menschen nach einer Influenza-Infektion an einer Lungenentzündung als Komplikation. Grippeviren sind dann aber oft schon nicht mehr nachweisbar.

Deshalb wird die Zahl der Toten als Differenz berechnet. Sie ergibt sich, wenn von der Zahl aller Todesfälle während der Influenzawelle die Todesfallzahl abgezogen wird, die es ohne diese Welle gegeben hätte. Das Schätzergebnis wird als „Übersterblichkeit“ (Influenza-Surveillance) bezeichnet. Die Zahl der Toten kann bei Grippewellen in Deutschland stark schwanken, von mehreren Hundert bis über 20 000.

Wie viele Grippe-Pandemien gab es bisher?

Bisher gab es drei Grippe-Pandemien. 1918/19 starben dabei nach RKI-Angaben 426 600 Menschen im damaligen Deutschen Reich. 1957/58 gab es geschätzte 29 100 Todesfälle in Deutschland, zwischen 1968 und 1970 waren es geschätzte 46 900 Grippetote.