Aus besonderem Anlass wird die Grabkapelle heute Abend farbig angestrahlt. Foto: SSG/Esther Janies

Am 29. Mai 1820 wurde der Grundstein für die Grabkapelle auf dem Württemberg gelegt – gut eine Woche nach dem Geburtstag der im Jahr zuvor verstorbenen Württembergischen Königin Katharina. Ihr Gemahl war zum ursprünglich geplanten Termin unpässlich.

Rotenberg - D er 29. Mai ist ein besonderer Tag für die Geschichte der Grabkapelle: Es ist der Tag, an dem genau vor 200 Jahren der Grundstein zu dem weithin sichtbaren Bauwerk gelegt wurde. Für die Staatlichen Schlösser und Gärten (SSG) Baden-Württemberg ist das Datum Anlass für eine Illumination: Heute abend, von 21 Uhr bis Mitternacht, wird das Mausoleum farbig leuchten. Für das Publikum ist die Anlage dann zwar geschlossen, doch von den Höhenzügen des Neckartals bieten sich eindrucksvolle Blicke auf das Mausoleum, das von Anfang an auf Fernwirkung ausgelegt war.

Stammburg abgetragen

Errichtet wurde es im Auftrag von König Wilhelm I. von Württemberg, nachdem seine Frau Königin Katharina von Württemberg im Alter von nur 30 Jahren 1819 an einer Lungenentzündung gestorben war. Sie wurde zunächst in der Stuttgarter Stiftskirche beerdigt. Es soll aber ihr ausdrücklicher Wunsch gewesen sein, auf dem Wirtemberg, einem ihrer Lieblingsorte, begraben zu sein. Nicht zuletzt dank der Spenden aus der Bevölkerung begann die Grabkapelle auf dem Berggipfel konkret zu werden. Hier stand seit dem 11. Jahrhundert die Stammburg der Württemberger, die einst die strategisch günstige Position für sich genutzt hatten. Der trauernde Witwer ließ kurzerhand die verfallene Burg seiner Vorfahren vollständig abtragen. Der Grundstein für das Mausoleum sollte am 21. Mai, dem Geburtstag der verstorbenen Königin, gelegt werden – allerdings war der König an diesem Tag unpässlich, sodass die Zeremonie auf den 29. Mai 1820 verschoben wurde.

Wettbewerb initiiert

Für den Bau der Grabkapelle wurde 1 819 ein Wettbewerb ausgeschrieben. Wilhelm I. favorisierte anfänglich einen Bau im neogotischen Stil und forderte entsprechende Pläne von prominenten Architekten wie Leo von Klenze und Joseph Türmer. Hofbaumeister Giovanni Battista Salucci reichte seine Pläne unaufgefordert ein – und erhielt den Auftrag. Der Italiener legte dem König mindestens drei Entwürfe vor, die sich durch den Umfang ihrer Ausstattung unterschieden. Neben einem bescheidenen Entwurf gab es ein sehr aufwendiges Konzept, mit rundumlaufenden Kolonnaden und einem imposanten Unterbau. Zur Ausführung kam schließlich ein Kompromiss der beiden ersten Entwürfe.

Klassizistischer Rundbau

Was Salucci auf dem 411 Meter hohen Württemberg errichtete, war ein klassizistischer Kuppelbau voller Anmut und Schönheit. Antike Bauten wie das römische Pantheon oder Renaissance-Bauten wie Andrea Palladios Villa Rotonda in Vicenza dienten dem Architekten als Vorbilder. Die Grabkapelle ist ein frei stehender Rundbau mit drei von Säulen getragenen Vorhallen und vier vorgelagerten Freitreppen. Wie ein Tempel ist die Grabkapelle mit antiken Elementen ausgestattet. Dazu gehören ionische und korinthische Säulen und Pfeiler, eine kassettierte Kuppel und antikisierendes Gebälk. Auch die gusseisernen Dreifüße und Opferschalen im Außenbereich sind antiken Vorbildern nachempfunden.

Seit 1907 zugänglich

Der König trieb den Bau energisch voran, sodass 1821 mit der Ausgestaltung des Inneren begonnen werden konnte. Mit der Anbringung der Inschrift „Die Liebe höret nimmer auf“, einem Bibelzitat aus der Leichenpredigt der Königin, wurden im Frühjahr 1824 alle Arbeiten am Bau beendet. Die Königin wurde am 5. Juni des gleichen Jahres in der Grabkapelle beigesetzt. In einem Doppelsarkophag fand sie in der Gruft unter dem Rundbau ihre letzte Ruhestätte. 1864 starb König Wilhelm I. Seine Beisetzung an der Seite seiner Gemahlin erfolgte in aller Stille. In seinem Testament hatte er verfügt, dass sein Leichnam nachts in die Grabkapelle überführt werden sollte. Er wünschte sich, dass der Leichenwagen mit dem ersten Sonnenstrahl auf dem Württemberg ankäme – so geschah es am 30. Juni. 1887 wurde in der Gruft auch die gemeinsame Tochter Marie Friederike Charlotte von Württemberg bestattet. Seit 1907 ist die Grabkapelle für die Öffentlichkeit zugänglich.

Themenjahr „Monumente der Ewigkeit“

Der Inschrift am Hauptportal verdankt das Mausoleum den Ruf als „romantischster Ort Stuttgarts“. Viele Menschen besuchen heute den Württemberg wegen der spektakulären Aussicht – vor allem aber auch wegen seiner anrührenden Geschichte. Diese macht die Grabkapelle zu einem der zentralen Monumente im aktuellen Themenjahr bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg. Das Motto lautet „Unendlich schön – Monumente für die Ewigkeit“ und widmet sich dem Tod und der Vergänglichkeit. Durch den Ausbruch der Corona-Epidemie wurde der Start ins Themenjahr verhindert. Mit der Beleuchtung der Grabkapelle wird er nun nachgeholt.

Infos zum Themenjahr und zu den Veranstaltungen unter www.schloesser-und-gaerten.de.

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