Zum 1. Juli 2021 sind Veränderungen des seit 2012 gültigen Glücksspielstaatsvertrages in Kraft getreten. Foto: Unsplash.com, © Joachim Schnürle, CC0 1.0

Glücksspiel ist nicht nur Glückssache, sondern in vielerlei Hinsicht reguliert. Natürlich bedeutet das nicht, dass staatliche Stellen Ihr ganz persönliches Glück an dieser Stelle beeinflussen würden. Der Glücksspielstaatsvertrag gibt allerdings genau an, was in Bezug auf Glücksspiele erlaubt ist – und welche Steuern an staatliche Stellen abgeführt werden müssen.

Zum 1. Juli 2021 sind Veränderungen des seit 2012 gültigen Glücksspielstaatsvertrages in Kraft getreten. Vor allem Anbieter von Online-Glücksspielen haben sehnlichst auf diesen Tag gewartet.

Welche Änderungen sind in Bezug auf Online-Casinos in Kraft getreten?

In der Frühzeit des Internets gab es bereits verschiedene Angebote von Online-Casinos. Es dauerte einige Jahre, bis die vorläufige Haltung des Staates hierzu in einem Staatsvertrag geregelt wurde. In der ab dem 1. Juli 2012 geltenden Fassung des Glücksspielstaatsvertrages wurde das Spiel in Online-Casinos generell verboten. Eine Ausnahme stellte das nördlichste Bundesland dar, denn in Schleswig-Holstein durfte auch seither ganz offiziell online gezockt werden. Sicher erinnern Sie sich noch an die Hinweise in der Werbung für Online-Casinos, die noch im Frühsommer 2021 verpflichtend waren: „Das Angebot gilt nur für Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthaltsort in Schleswig-Holstein“.
Seit dem 1. Juli hat sich einiges verändert, wie in diesem Beitrag zusammengefasst wurde. Um die Quintessenz hier kurz und knapp zu benennen: Seit diesem Datum ist es auch für Menschen in den anderen Bundesländern erlaubt, sich im Online-Glücksspiel zu versuchen. Die Neufassung des Glücksspielstaatsvertrages macht es möglich. In dieser wird genau festgelegt, welcher Voraussetzungen Online-Casinos erfüllen müssen und welche Steuern der Staat für die getätigten Wetteinsätze kassiert. Pro eingesetztem Euro gehen seither 5,3% an den Staat.
Damit hat der Staat zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Denn de facto haben sich zahllose Menschen zuvor über das staatliche Verbot hinweggesetzt: Online-Casinos, die aus dem Ausland betrieben werden, können schließlich auch über deutsche Internetzugänge erreicht werden. Gleichzeitig sind dem Staat mögliche Steuern entgangen, die nun eingetrieben werden.

Ist die Auszahlungsquote bei Online-Casinos niedriger?

Seit Beginn des Online-Glücksspiels hält sich ein hartnäckiges Gerücht: Auch wenn Online-Casinos mit hohen Auszahlungsquoten und Willkommens-Boni lockten, wäre die tatsächliche Auszahlung im Gewinnfall ebenfalls reine Glückssache. 
Martin Waldinger von der Universität Hohenheim ist dieser Frage im Jahr 2016 nachgegangen und kam zu folgendem Schluss: Die Auszahlungsquoten im „echten“ Casino liegen zum Beispiel beim Roulette bei etwa 98%. Im gleichen Beitrag wird für „Internet-Casinospiele“ (am Beispiel bwin.com) ein Wert von 97,09% genannt. 
Das bedeutet: Tatsächlich scheinen die Auszahlungsquoten im Online-Casino geringer zu sein. Allerdings ist der Unterschied marginal. Leider geht der veröffentliche Beitrag nicht näher darauf ein, welche Unterschiede zwischen den verschiedenen Online-Casinospielen möglicherweise erkennbar sind. 
Mit am niedrigsten sind die Quoten übrigens beim Lotto.

Wer reguliert die Online-Casinos?

Die Neuauflage des Glücksspielstaatsvertrages bringt dem Staat nicht nur zusätzliche Steuern, sondern soll auch die Glücksspieler besser schützen. Legal ist ein Online-Casino in Deutschland nur unter bestimmten Voraussetzungen. So braucht jeder Spieler ein Spielerkonto, auf das er monatlich nicht mehr als 1.000 Euro einzahlen darf. Dieses Limit gilt auf alle Anbieter übergreifend: Wenn Sie also bei einem Anbieter 600 Euro eingezahlt haben, können Sie bei einem anderen nur noch 400 Euro auf Ihr Spielerkonto legen. 
Wenn Sie ein Spieler-Konto eröffnen wollen, müssen Sie sich namentlich und mit allen Angaben zur Person registrieren. Die Online-Casinos sind verpflichtet, die Angaben auf ihre Echtheit zu überprüfen. Kinder, Jugendliche und Fakes fallen bei dieser Prüfung durch das Raster. So soll gesichert werden, dass kein 14jähriger Zugriff auf das Online-Casino bekommt – und die Biene Maja ebenfalls nicht. 
Ähnlich wurde es bereits in der Vergangenheit durch das Land Schleswig-Holstein praktiziert, in dem Online-Glücksspiel zuvor bereits legal war. In der Zukunft wird die bundesweite Regulierung des Online-Glücksspiels aber durch Behörden erfolgen, die in Sachsen-Anhalt angesiedelt sind oder werden. 
Bereits jetzt sind Stellen des Landes Sachsen-Anhalt für die Neuregistrierung von Angeboten im Bereich Online-Glücksspiel zuständig. Ab Januar 2023 wird eine zentrale Glücksspielbehörde in Halle mit ihrer Arbeit beginnen.

Ist der Schwarzmarkt damit Geschichte?

Es wäre naiv, dies anzunehmen. Denn selbstverständlich haben nicht alle Betreiber von Online-Casinos aus Übersee Interesse daran, die Taschen des deutschen Finanzministers weiter zu füllen. Und die Hebel der deutschen Behörden reichen nicht so weit, diesen Anbietern das Handwerk zu legen.
Als Spieler*in müssen Sie sich allerdings im Klaren darüber sein, dass steuerfreie Angebote von Online-Casinos als Angebote zur Steuerhinterziehung zu verstehen sind. Und eine solche wird hierzulande nicht als Kavaliersdelikt behandelt.

Es gibt aber auch weitere Gründe, nur Angebote von legalen Online-Casinos wahrzunehmen. Denn diese Anbieter unterliegen einer staatlichen Kontrolle. Illegale Machenschaften kann man sich dort also nicht erlauben. Die Auszahlungsquoten sind daher von staatlicher Seite genau überprüfbar. Auch können Sie sich als Spieler*in im Bedarfsfall an staatliche Stellen wenden, wenn Ihnen zum Beispiel die Auszahlung Ihres erreichten Gewinns verweigert wird. Wurden Sie hingegen durch ein illegales Online-Casino um Ihren Gewinn geprellt, so bleiben Sie auf dem Verlust sitzen. Dies gilt auch im Fall einer Selbstanzeige.
Inwiefern sich die legalen Angebote von Online-Casinos durchsetzen werden, wird sich wohl erst in der Retrospektive beantworten lassen. Die Grundstrukturen dafür wurden jedenfalls bereits geschaffen. 

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