Anspruch auf einen Betreuungsplatz haben zurzeit lediglich Kinder, deren Eltern in krisenwichtigen Branchen arbeiten. Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

In Stuttgart sind circa 180 Einrichtungen geöffnet, wo Kinder betreut werden. Rund 450 Plätze sind belegt, auch mehr als 50 in Schulen.

Stuttgart - Aus Gründen der Vorsicht hat die Landesregierung Schulen, Tagespflegestellen und Kitas geschlossen. Für Eltern, die in krisenwichtigen Branchen arbeiten wie im Gesundheitssystem, bei der Polizei, Feuerwehr, Lebensmittelversorgung und weitere haben die Kita- und Schulträger Notfallbetreuungsplätze eingerichtet.

Die Kindertagesstätten

Insgesamt rund 150 Kitakinder werden mittlerweile in städtischen Notfalleinrichtungen versorgt. Wie die Stadt mitteilt, sind die Kinder auf 72 Kitas im gesamten Stadtgebiet verteilt. „Wir mussten 72 Gruppen bilden, und pro Gruppe müssen aus Gründen der Aufsicht etwa zwei Personen anwesend sein“, erläuterte Heike Schmid, die persönliche Referentin von Bürgermeisterin Isabel Fezer, auf Anfrage. „Bei uns haben am Dienstag zwölf Familien einen Antrag gestellt, genehmigt wurden bisher zehn“, sagt Nicole Höfle, die Pressesprecherin der Katholischen Kirche am Dienstag in Stuttgart. Die evangelischen Einrichtungen haben für 60 Kinder eine Notbetreuung organisiert, „verteilt auf 26 Kitas, oft nur ein oder zwei Kinder in einer“, teilt der Abteilungsleiter für Jugend und Soziales, Jörg Schulze-Gronemeyer, mit. „Eine Zusammenlegung ist leider nicht möglich, auch wenn es für die Kinder, die Versorgung und auch ein flexibles Angebot sinnvoll wäre.“

Die Kliniken

In den Kliniken ist der Bedarf der Eltern unterschiedlich: Die Betriebskita des Diakonie-Klinikums hat drei Kinder aufgenommen, „allerdings scheinen viele anderen einen Platz in ihrer Wohnumgebung gefunden zu haben. Wir haben für 14 Mitarbeiter eine Bescheinigung ausgestellt“, sagt Pressesprecher Frank Weber­heinz. Am Robert-Bosch-Krankenhaus war die Nachfrage nach einer Bescheinigung des Arbeitgebers „sehr hoch“, wie Dominik Alscher am Dienstag berichtete, zudem seien alle 50 Plätze in der Betriebskita voll belegt. Das Klinikum Stuttgart hat am Dienstag keine Zahlen bekannt gegeben.

Die Tagespflege und die Schulen

Auch bei Familien, deren Kind in der Kindertagespflege betreut wird, ist Bedarf angemeldet worden. Allerdings bewegt dieser sich im einstelligen Bereich: Nach Angaben der Stadt werden zurzeit vier Kinder bei drei Pflegepersonen betreut. An 57 Stuttgarter Schulen werden derzeit rund 150 Schüler unterrichtet.

Die Arbeitgeber gehen unterschiedlich mit der Krise um. Manche schicken Angestellte ins Homeoffice, andere sollen ihren Mitarbeitern die Krankmeldung empfohlen haben. Wieder andere müssen sich der behördlich verordneten Schließungsanordnung unterwerfen. Der Verband berufstätiger Mütter sieht deshalb nicht allein die zur Aufrechterhaltung der Gesellschaftlichen Ordnung wichtigen Berufsgruppen für unterstützenswert. Der Verband appellierte am Dienstag an die Unternehmen, „Beschäftigte mit familiären Aufgaben wie Kinderbetreuung, Bildungsbegleitung oder Pflege von Angehörigen bei vollem Lohnausgleich vorübergehend von der Arbeit freizustellen“ und forderte von den zuständigen Berliner Ministerien und der Bundeskanzlerin Angela Merkel den Erlass einer entsprechenden Richtlinie. Den Unternehmen sollen dafür „finanzielle Subventionen garantiert“ werden.

Eltern ohne Betreuungsanspruch

Wer keinen Anspruch auf eine Notfallbetreuung hat, fürchtet um sein Einkommen. „Wir müssen entweder jetzt oder später im Jahr noch unbezahlten Urlaub nehmen, um die Betreuungslücken zu schließen. Für wie lange wir uns das leisten können, wissen wir aktuell gar nicht“, legt ein Leser dar, der nicht namentlich genannt werden will. Er sei Vater zweier Kleinkinder, vier und sechs Jahre alt, die beide in eine Kita gehen. „Jeder Firma ist von Vizekanzler Olaf Scholz per ,Bazooka’ unbegrenzte Finanzhilfe zugesagt worden. Wo bleiben die Eltern? Müssen wir sogar Kitagebühren weiterzahlen ohne Gegenleistung?“

Nachlass bei Kita-Gebühren

In den vergangenen Jahren haben die Stadt – und in Anlehnung an diese auch die kirchlichen Träger – den Eltern einen Teil der Kita-Gebühren erstattet, wenn die Erzieherinnen während der Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst gestreikt haben. Ist daran auch gedacht für die Monate März und April? „Dazu kann ich aktuell noch keine Auskunft geben“, sagt Heike Schmid vom Bürgermeisterbüro Isabel Fezers.

Betreuungsplattform

Yoopies, ein gewerbliche Anbieter eines Kinderbetreuungsportals bietet dem Krankenhauspersonal die Vermittlung von freiwillig tätigen Babysittern an. In Frankreich habe man damit großen Erfolg gehabt, teilte das Unternehmen am Dienstag mit, in Deutschland sucht es derzeit noch Freiwillige.

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