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Hofen hat eine lange Fährgeschichte. Darauf verweist nicht nur eine historische Tafel und das Fährhäuschen. Nur der alte Fährbrunnen ist noch nicht saniert. Die Stadt sucht nach einer Lösung.

Hofen - Das Projekt steht schon seit Jahren auf dem Wunschzettel vieler Bürgerinnen und Bürger: Der historische Fährbrunnen in der Scillawaldstraße sollte zum Jubiläum „900 Jahre Hofen“ 2020 saniert werden. Doch daraus ist bekanntlich nichts geworden. Auch das große Ortsjubiläum konnte wegen der Corona-Pandemie nicht gefeiert werden. Damit aber nicht genug: Mit dem historischen Brunnen gibt es nun Probleme – was die geplante und dringend nötige Sanierung betrifft. Darüber informierte Bezirksvorsteher Ralf Bohlmann jüngst den Bezirksbeirat.

„Die Erneuerung des Brunnens steht momentan auf der Kippe“, erklärte dieser den Mitgliedern des Gremiums. Vorangegangen seien intensive Untersuchungen. Das Ergebnis: Es gibt offenbar große Probleme, die Leitungen seien marode. Die vom Bezirksbeirat reservierten 22 000 Euro können nicht eingesetzt werden, der nicht abgeschöpfte Betrag verfalle deshalb. Vertreter des Tiefbauamts machen sich trotzdem Gedanken, wie der Brunnen repariert werden kann. Es werde dann nur erneut wieder ein Antrag gestellt werden müssen, so Bohlmann.

Der Fährbrunnen stand auch schon im Jahr 2002 auf der Antragsliste des Bezirksbeirats Mühlhausen. Grundlage war damals ein Antrag der CDU Mühlhausen. In den Jahren zuvor hatte ein Vereinsmitglied des damaligen Bürgervereins Hofen bereits eine „Wiederbelebung“ gefordert. Als der Brunnen noch lief, hatten Nachbarn zeitweilig – vor allem in den Abendstunden – über viel Lärm geklagt, der von wasserholenden Bürgern stamme. Doch das Problem mit der Lautstärke ließe sich relativ einfach und schnell lösen: mit einer Zeitschaltuhr, die dafür sorgt, dass der Brunnen nicht die ganze Nacht über plätschert.

Die Idee der Wiederbelebung des Brunnens war zuletzt im Bezirksbeirat auf positive Resonanz gestoßen, weshalb die Gelder reserviert worden waren. Wann und ob es zu einer Reparatur des Brunnens kommt, ist allerdings unklar. Der Bezirksbeirat Mühlhausen kann nun überlegen, ob er hier einen Antrag stellen möchte, so Bohlmann. Die Kosten für die Reparatur seien allerdings noch unklar.

Das nahe gelegene Fährhäuschen unterhalb des Brunnens hatte zuletzt eine Aufwertung im Oktober 2017 erfahren, als eine historische Hinweistafel am Neckarufer angebracht wurde, die die Fährgeschichte Hofens und die Bedeutung des Gebäudes aufzeigt. Der Bürgerverein Hofen kümmerte sich um das Zusammentragen der geschichtlichen Fakten mit Unterstützung von Wolfgang Zwinz. Die historische Tafel wurde von Rolf Müller konzipiert. Auch der Bezirksbeirat Mühlhausen hatte das Projekt damals finanziell gefördert.

Am Neckarufer kann die Geschichte des berühmtesten Nutzers der Fähre, des Dichters Ludwig Uhland, nachgelesen werden, der hier im Jahr 1823 das Gedicht „Auf der Überfahrt“ schuf. Das Fährhaus von 1813 in Hofen ist das einzig erhaltene in der Region Stuttgart und erinnert an die Jahrhunderte lange Nutzung der Fähre zwischen Hofen und Mühlhausen. Der Bürgerverein hatte dabei herausgefunden, dass bereits im Jahr 1350 eine Fähre urkundlich belegt ist. Der letzte Fährmann war Adolf Rau, der neun Jahre lang von 1924 bis 1933 Fährmann war. Wegen des Baus des Neckarwehrs wurde der Fährbetrieb eingestellt. Auf der Tafel sind auch die Fährleute zu sehen.

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