Olaf Schulze, Vorsitzender von Pro Alt-Cannstatt, begrüßt die neue Leiterin des Stadtmuseums Christina Vollmer und überreicht ihr ein Cannstatt-Buch. Foto: Iris Frey

Das Cannstatter Stadtmuseum hat eine neue Leiterin: Christina Vollmer. Sie hat schon Kontakt zu Pro Alt-Cannstatt aufgenommen und freut sich auf die neuen Aufgaben.

Bad Cannstatt - Beim Stadtmuseum Bad Cannstatt hat es einen Leitungswechsel gegeben. Nach dem Weggang von Christiane Sutter nach Karlsruhe gibt es mit Christina Vollmer eine neue Chefin für die Museumsfamilie. Der Vorsitzende von Pro Alt-Cannstatt, Olaf Schulze, hat auch schon mit ihr gesprochen und sie getroffen. Dabei erhielt sie von ihm das Cannstatt-Buch von Jürgen Hagel, was sie sehr freute. „Wir sind sehr froh darüber, dass es weitergeht“, erklärte Schulze. Er habe ein sehr gutes Gespräch mit Vollmer gehabt. Im Herbst werde es eine Sitzung mit Pro Alt-Cannstatt geben, zu der Vollmer eingeladen sei.

Zuletzt Comic-Ausstellung eröffnet

Vollmer freut sich über ihre neuen Aufgaben, die sie mit der Museumsfamilie hat: Sie ist ja nicht nur für das Stadtmuseum Bad Cannstatt, sondern auch für das Hegel-Haus und das Lapidarium zuständig. „Mich hat die Ausschreibung für die Museumsfamilie gereizt mit ihren unterschiedlichen Häusern, die dazu gehören“, sagt sie. Die Stelle biete viel Abwechslung, auch viel Arbeit. Zuletzt war sie im Stadtmuseum Gerlingen zwei Jahre lang tätig. Sie hat dort auch das Museum der Deutschen aus Ungarn betreut. Und dann ging es schnell. „Sonntags habe ich in Gerlingen noch eine Ausstellung eröffnet und montags in Stuttgart angefangen“, erzählt sie. Zuvor war sie sieben Jahre lang Leiterin des Heimatmuseums Benningen im Adler, einem Ort, der rund 6500 Einwohner zählt. „In Benningen war ich Einzelkämpferin.“ In Gerlingen hatte sie ein kleines Team um sich, indem sie die wissenschaftliche Kraft war.

Schon früh vom Museumsvirus infiziert

Studiert hat Vollmer in Tübingen Empirische Kulturwissenschaften im Hauptstudium mit dem Thema Museum als Schwerpunkt und in den Nebenfächern Betriebswirtschaftslehre und Politik. „Ich war schon früh vom Museumsvirus infiziert“, sagt sie. Sie beschäftigt sich gerne mit der Alltagskultur, dem Brauchtum, der Tradition, wie sich Dinge verändern. Sie ist interessiert, wie sich die Gesellschaft verändert und der Alltag, auch Themen in den Museen. Und da seien auch Vereine mit eingebunden. Wie im Cannstatter Stadtmuseum, sich Pro Alt-Cannstatt, viel mit einbringt. Vollmer ist immer wieder fasziniert, wie facettenreich die Ortsgeschichte ist. Das sieht sie nun auch im Cannstatter Stadtmuseum.

Bei ihrer letzten Ausstellung, die sie in Gerlingen eröffnet hat, ging es um Comics. Auslöser für die Ausstellung war der bereits verstorbene Adolf Kabatek (1931-1997), der 1950 nach Gerlingen kam und Geschäftsführer des Ehapa-Verlags war und die deutschen Bände von Donald Duck und Asterix herausgegeben hatte. „Er wäre jetzt 90 Jahre alt geworden“, sagt Vollmer. Der Sohn habe Original-Manuskripte von Asterix-Filmen zur Verfügung gestellt. So könne hier eine Größe der Comic-Geschichte vorgestellt werden. Kabatek habe bis zu seinem Tod in Gerlingen gelebt.

Thema Neckar und Römer schon bearbeitet

Weitere Themen, mit denen sich Vollmer in den Museen beschäftigt habe, waren unter anderem Strafen, Fußball, das Volksfest, verschwundene Alltagsdinge und der Neckar. Und da Benningen das nächst liegende Römerkastell nach Cannstatt hatte, sei auch der Bezug zur Sauerwasserstadt schon dagewesen. Auch das Thema Heimat hat sie immer wieder interessiert, auch durch das Museum für die Deutschen aus Ungarn. „Migration war immer da. Unsere Gesellschaft sie sie immer bewegt und entwickelt“, sagt Vollmer. Heimatvertriebene und Gastarbeiter, alle hätten etwas mitgebracht. Es finde eine Suche nach Identität und ein Ausloten des Eigenen und Fremden statt.

Durch ihre Tätigkeit in den kleineren Museen hat Vollmer viele Erfahrungen rund um die Museumsarbeit quasi von der Pike auf gesammelt. Deshalb ist nun die Arbeit für die Museumsfamilie ein besonderer Reiz für sie. Vollmer ist in Frankfurt geboren und in Remseck aufgewachsen. Bad Cannstatt kennt sie noch nicht vertieft. Vollmer wohnt in Marbach und fühlt sich in der Region verwurzelt. Sie freut sich darauf, die Sauerwasserstadt kennenzulernen. Das Cannstatter Stadtmuseum gefällt ihr sehr gut, zu Recht habe es 2017 auch die Auszeichnung bekommen, sagt sie. Es sei ein „kleines, aber feines Haus“, in dem man viel entdecken könne. Sie freut sich, dass sie mit Pro Alt-Cannstatt die nächste Ausstellung im Herbst vorbereiten kann. Es wird um 200 Jahre Kurpark und 200 Jahre Brunnenverein gehen. „Ich übernehme keine große Baustelle“, sagt Vollmer, deshalb könne sie sich inhaltlich konzentrieren. Bis zum 3. Oktober ist noch die Eisenbahnausstellung im Stadtmuseum zu sehen.

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