Eine Luftaufnahme aus den dreißiger Jahren von Bad Cannstatt. Foto: Pro Alt-Cannstatt

Pro Alt-Cannstatt hat wieder einen historischen Kalender über Bad Cannstatt hergestellt mit vielen spannenden Aufnahmen aus der Geschichte von Stuttgarts größtem Stadtbezirk.

Bad Cannstatt - Viele erwarten ihn vielleicht schon sehnsüchtig, den neuen historischen Kalender von Pro Alt-Cannstatt, der dieses Jahr Hans Betsch gewidmet ist, dem langjährigen Vorsitzenden und jetzigen Ehrenvorsitzenden des Vereins Pro Alt-Cannstatt, der ein Jahrzehnt lang bei der Konzeption des historischen Kalenders mitgearbeitet und stets die meisten der aktuellen Vergleichsbilder im Ehrenamt fotografiert hat.

Zusammengestellt haben den aktuellen Kalender der Vereinsvorsitzende von Pro Alt-Cannstatt Olaf Schulze und Matthias Busch. Seit zehn Jahren gibt der Verein den historischen Kalender heraus. Der Vorstand von Pro Alt-Cannstatt hat sich nun entschlossen, Konzeption und Format zu verändern. Dadurch konnten Aufwand, Produktionskosten und Verkaufspreis reduziert werden. Zudem können so auch andere Vorlagen verwendet werden wie zum Beispiel Luftaufnahmen, erklärt der Vorstand. Diese wären für ein Vergleichsfoto nur mit unverhältnismäßigen Ausgaben möglich. Das Titelbild auf dem Kalender ist „Bad Cannstatt – ein Blick zurück“ führt in das Bad Cannstatt um 1910, als noch eine Straßenbahn durch die Marktstraße fuhr. Zu sehen ist eine Ansichtskarte mit dem Namen „Partie an der Neckarbrücke“.

Fast alle der Gebäude auf der Karte sind bis heute noch erhalten. Die Wilhelmsbrücke ist zu sehen und die Stadtkirche. Und die Straßenbahn, die seit dem 20. Juli 1900 vom Cannstatter Bahnhof über die Wilhelmsbrücke bis zur Neckarvorstadt fuhr, über weite Strecken eingleisig.

Höchst anregend geht der historische Bilder-Spaziergang weiter. Da gibt es eine Ansicht von 1912 in die Freiligrath-Straße mit ihren villenartigen Häusern, die 1895 angelegt wurde und in der Automobilkonstrukteur Wilhelm Maybach wohnte, zu sehen von der heutigen Wiesbadener Straße aus. Der Zugang zum Oberen Kurpark ist mit einem kleinen Kassen- und Wärterhäuschen im Bildvordergrund.

Wer wissen will, wie das erste Em­pfangsgebäude am Cannstatter Bahnhof aussah, findet es im Kalender. Das Gebäude war 1846 fertiggestellt und musste 1863/64 und 1886 erweitert werden. Die abgebildete Postkarte stammt von 1918, die bereits die neuen erhöhten Bahnsteige zeigt sowie die Kuppel des Königlichen Postamts und die Türme der Luther- und Liebfrauenkirche.

Sehr interessant ist auch der Blick auf die Altenburg-Kolonie. Die Postkarte von 1929 zeigt das Stadtquartier, welches ab 1921 neu entstanden ist. Häuser aus Holz und Stein und das allererste Doppelhaus westlich der Altenburgschule in kompletter Holzbauweise sind abgebildet.

Koloriert ist die Sicht „Partie an der Kanal-Straße“, der heutigen Überkinger Straße. Sie zeigt eine Abendstimmung am alten Neckar-Seitenarm mit Blick auf die „Schreinerei“ in der Zaisgasse. Auch die Stadtmühle, die 1881/82 gebaut wurde, ist zu sehen.

Die Pracht der Brunnen präsentiert eine kolorierte Ansichtskarte von 1912 aus den oberen Anlagen des Kurparks. Zu sehen ist auf Höhe des Sulzerrains ein prächtiger Brunnen mit sechs Wasser speienden Drachen vor bunter Bepflanzung. Im Hintergrund viele Parkbänke und eine grüne Allee sowie viele hohe Bäume. Die Wasserstrahlen münden in einer zentralen Brunnenschale mit fünf Hauptfontänen. Im Kalender ist zu erfahren, warum der Brunnenverein 1881 mit Zustimmung der Stadt Cannstatt die Oberen Kursaalanlagen samt Großem Kursaal damals umzäunte.

Apropos Kursaal: Der Brunnenhof hinter dem Großen Kursaal ist ebenfalls auf einer Ansichtskarte dargestellt, um 1955 mit Besuchern, die das Mineralwasser trinken, welches in Gläser ausgeschenkt wurde. Und Überblicksaufnahmen, wie die erste Rosensteinbrücke, gibt es auf einer Postkarte von 1915, sie beeindrucken ebenso wie Bad Cannstatt vom Flugzeug aus, nach 1930 mit dem kanalisierten Neckar und den neuen Brückenbauten, der Rosensteinbrücke und der Wilhelmsbrücke.

Matthias Busch weiß, dass der historische Kalender längst auch Fans außerhalb der Sauerwasserstadt hat. So gebe es regelmäßig Bestellungen von "Exil-Schwaben“, die in Italien, der Schweiz, den USA und in Baden wohnen.

Den Kalender gibt es bei Osiander in der Marktstraße 33A+B für 12 Euro oder bei der Pro Alt-Cannstatt Geschäftsstelle unter www.proaltcannstatt.de.