Legehennen auf dem Weg in ihr neues Zuhause. Foto: Simon Granville

Der Verein „Rettet das Huhn“ hat am Wochenende 1045 ausgedienten Legehennen ein neues Zuhause vermittelt. Auch in Leonberg nahmen Adoptanten insgesamt 170 Tiere auf.

Am vereinbarten Übergabeort südlich des Leonberger Rappenhofs ist die Aufregung groß, als der Kleintransporter endlich eintrifft. Schon seit einer halben Stunde haben sich am Straßenrand die Adoptanten mit Transportboxen versammelt und hinter den verschlossenen Türen des Transporters ist bereits wildes Gegacker zu hören.

Die Hühner haben eine fünfstündige Autofahrt und oft ein Leben unter schwierigen Bedingungen hinter sich. Manche der Tiere, die der Verein vermittelt, hätten noch nie Tageslicht gesehen und ein tristes Dasein in überfüllten Lagerhallen als Legehennen gefristet, berichtet Andrea Schwegler vom Verein „Rettet das Huhn“. In entsprechend schlechtem Zustand seien viele Tiere dann. Das sei diesmal nicht zu befürchten, da die Hühner von einem Landshuter Betrieb stammen, der auf Freilandhaltung setzt.

Rettung statt Schlachtung

Dort ist das geschehen, was man im Fachjargon Ausstallung nennt. Da Hennen nach etwa 16 bis 18 Monaten nicht mehr in gewohnter Weise regelmäßig Eier legen und ihre Rentabilität nachlässt, ist es für die Betriebe wirtschaftlich sinnvoller, sie durch neue Tiere zu ersetzen. Die ausgedienten Legehennen werden dann im Normalfall an einen Schlachthof transportiert.

Hier setzt die Arbeit von „Rettet das Huhn“ ein. Der deutschlandweit agierende Verein arbeitet mit Legebetrieben zusammen, die ihnen die Tiere kostenlos überlassen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter organisieren den Transport und die Vermittlung an Menschen, die den Tieren ein neues Zuhause bieten können.

Der Verein übernimmt die Ausstallung und überprüft vor Ort den Gesundheitszustand jedes einzelnen Tieres, bevor es zum Transport kommt.

12 000 gerettete Tiere jährlich

Zudem wird im Vorfeld überprüft, ob die Adoptanten auch die nötigen Voraussetzungen erfüllen, um Hühnern eine artgerechte Unterbringung bieten zu können. Etwa 12 000 Tiere rettet der Verein jährlich auf die Weise.

Tierschutz als Kriterium

Hört man sich in Leonberg unter den Adoptanten um, wird schnell klar, dass überwiegend der Tierschutz den Hauptgrund darstellt, den Hühnern ein neues, artgerechtes Leben ermöglichen zu wollen. Viele, so auch ein junger Mann aus Ditzingen, besitzen bereits Hühner. „Es ist einfach schön zu sehen, wie sich die Tiere nach einer langen Leidensgeschichte erholen können“, schildert er. „Die Eier sind da nur ein netter Bonus. Aber es gut zu wissen, wo die Eier herkommen, die man isst.“

Hühner als Haustiere

Eine Adoptantin aus Tübingen schwärmt von ihren Hühnern und bedauert, „dass die Tiere gesellschaftlich nur als Nutztiere wahrgenommen werden.“ Auch für Jörg und Julia Lübbehusen aus Aidlingen waren Hühner lange Zeit keine Option als Haustiere. „Unser Sohn hat eine Doku gesehen und als er in der Schule von dem Verein erfahren hat, kam er nach Hause und wollte unbedingt Hühner retten“, erklärt Frau Lübbehausen.

Da die Familie ein Grundstück mit Wiese besitzt, waren die ersten Hühner nach Planung des Stalls rasch eingezogen. Probleme mit der Nachbarschaft gab es wegen des gelegentlichen Gegackers nicht. Bei der Vergesellschaftung könne es zwar mal lauter werden, schildert Julia Lübbehusen. Danach seien die Tiere aber ruhig und würden nicht mehr Arbeit als andere Haustiere auch machen.

„Es ist einfach eine tolle Sache, wenn man den Hühnern zu einem schönen Lebensabend verhelfen kann“, betont Jörg Lübbehusen.

Daher helfen die Lübbehausens auch bei der Vergabe der Tiere in Leonberg mit. Julia Lübbehusen liest die Namen der Adoptanten vor, die dann mit den Transportboxen hervortreten. Aus größeren Transportbehältern werden die Tiere einzeln herausgeholt und sorgsam begutachtet.

Manche Henne gackert und wehrt sich noch etwas ob der erneuten Umquartierung in die kleinere Transportbox. Doch nun steht zwischen den Tieren und einem neuen Leben nur noch eine kurze Autofahrt.