Die zwei Bänke standen früher in der Schutzhütte aus Holz – bis diese vor fünf Jahren abgerissen wurde. Der Bezirksbeirat erwägt, den Wiederaufbau zu finanzieren. Die Anwohner sind strikt dagegen. Foto: Elke Hauptmann

Im Dezember 2015 wurde die hölzerne Schutzhütte im Gehrenwald abgerissen, weil sie als nicht mehr verkehrssicher galt. Nun lässt der Bezirksbeirat den Wiederaufbau prüfen.

Untertürkheim - Eine Schutzhütte im Wohngebiet Gehrenwald braucht niemand. Sie ist nicht mehr zeitgemäß.“ Davon sind Annette und Hartmut Pohl, Stefan Krause, Simone Mack sowie Karin und Manfred Lauer überzeugt. Sie sind Anwohner der Grünanlage, an deren Rand viele Jahre ein kleines Holzhäuschen stand – bis es Mitarbeiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes im Dezember 2015 kurzerhand abbauten, weil es als nicht mehr verkehrssicher galt. Seither wird immer wieder über den Wiederaufbau diskutiert, erst jüngst haben die Fraktionen von SPD und CDU im Untertürkheimer Bezirksbeirat einen neuen Vorstoß in diese Richtung unternommen.

Die Anwohner sind darüber entsetzt. „Für uns hat sich die Situation seit dem Abriss deutlich entspannt“, betonte Annette Pohl in der jüngsten Gremiumssitzung. Nicht nur, dass es keine Lärmbelästigungen mehr bis tief in die Nacht gäbe. Die nach vorn geöffnete Hütte sei nach wilden Feiern häufig vermüllt gewesen und habe nach Urin gestunken, berichtete sie. „Wir haben oft auch Scherben aufgesammelt.“ Bis auf einzelne Jugendgruppen hätte niemand den Unterstand gern aufgesucht. „Sie hat ihren eigentlichen Zweck als Schutzhütte verloren“, so Annette Pohl.

Nicht mehr zeitgemäß

Errichtet wurde sie wohl um 1900 herum. Damals war das Gebiet noch unbebaut, viele Untertürkheimer bewirtschafteten im Gehrenwald ihre kleinen Gütle. Auf dem langen Weg zurück in den Ort konnten sie sich bei Regen unterstellen und Schutz vor Gewitter finden. Das sei zu jener Zeit, als es noch keine zuverlässigen Wettervorhersagen gab, sicher wichtig gewesen, räumen die Anwohner ein. Inzwischen gebe es auch nur noch wenige bewirtschaftete Gärten in diesem Bereich. 1968, mit dem Bau des Aussiedlerhofes des Weingutes Gerhard Zaiß und der Eröffnung der Besenwirtschaft 1974 begann die Aufsiedlung. 1984 wurden die ersten Wohnhäuser gebaut. Seit 2001 ist der Gehrenwald ein Stadtteil Untertürkheims.

Das Gebiet am Fuße des Württembergs sei ein beliebter Ausgangspunkt für Spaziergänge, räumen die Anwohner ein. Und betonen: „Der Platz kann auch weiterhin als Ausgangspunkt für Wanderungen dienen, dazu braucht es aber keine Schutzhütte.“ Die neue Situation jedenfalls werde „hervorragend angenommen“: Die beiden Parkbänke würden gern von Spaziergängern für eine kurze Rast genutzt, da sie nun einen Platz in der Sonne bieten.

Weit abgeschlagen im Bürgerhaushalt

Ihrer Meinung nach haben die Untertürkheimer Bürger „überwiegend kein Interesse an dieser Schutzhütte“, verweisen die Anwohner auf die Bürgerhaushalte vergangener Jahre. 2015 landete der Wunsch, den hölzernen Unterstand wieder aufzubauen, im Stadtbezirk auf Platz 46 von 54 Vorschlägen (im gesamtstädtischen Ranking auf Platz 2816) und im Jahr 2017 auf Platz 31 von 38 Vorschlägen (im Gesamtergebnis Platz 2178). 2019 wurde er gar nicht mehr vorgetragen. Deshalb sind Annette und Hartmut Pohl, Stefan Krause, Simone Mack sowie Karin und Manfred Lauer überrascht von der neuen Initiative der Lokalpolitiker.

Wie berichtet, haben Werner Feinauer (SPD) und Andrea Mathiasch (CDU) im August in einem gemeinsamen Antrag angeregt, den Wiederaufbau der Schutzhütte nach historischem Vorbild aus Mitteln des Bezirksbeirats zu finanzieren, der jährlich über ein Budget von rund 40 000 Euro verfügen kann. Wobei die Kosten dafür nicht ganz klar sind. 2015 hat sie die Stadtverwaltung auf 45 000 Euro beziffert, 2017 gar auf 53 000 Euro. Feinauer und Mathiasch schätzen den Aufwand hingegen auf etwa 10 000 Euro.

Entscheidungsfindung

Über den Antrag wurde in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung diskutiert. Eine Mehrheit des Gremiums hat sich dafür ausgesprochen, dass die Stadtverwaltung den Bau eines (beliebigen) Holzunterstandes im Gehrenwald prüft, auch alternative Standortvorschläge unterbreitet und die Folgekosten beziffert. Dann erst will das Bürgergremium eine endgültige Entscheidung treffen, ob es das Projekt finanziert. Die Anwohner hoffen, dass ihre Argumente Berücksichtigung finden. „Es gibt sinnvollere Projekte, die der Bezirksbeirat unterstützen könnte“, betonte Annette Pohl in der Sitzung.

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