Transparente wie auf Kundgebungen sonst üblich waren nicht zu sehen, dafür malten einige Teilnehmer Botschaften mit Kreide auf die Straße. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Auf dem Cannstatter Wasen tragen Tausende ihren Unmut gegen die Corona-Regeln auf die Straße. Zur gleichen Zeit hat am Cannstatter Carré eine kleine Gruppe gegen Verschwörungsmythen und rechte Parolen demonstriert.

Stuttgart - Als „Gegenkundgebung“ hatte Martin Eickhoff seine Veranstaltung vor dem Cannstatter Carré am Samstagnachmittag angekündigt. Ob die Versammlung diesen Namen allerdings verdient, ist fraglich. Kaum ein Dutzend Teilnehmer ließ sich blicken, sodass die Mehrheit der Anwesenden aus Medienvertretern und Polizisten bestand.

Erst nach mehr als einer halben Stunde Wartezeit ergriff dann Eickhoff das Wort. In einer kurzen Ansprache erklärte der 38-jährige, warum er sich dazu entschlossen hat, eine Kundgebung auf die Beine zu stellen. Sorge machten ihm die Verschwörungsmythen, die auf dem Wasen verbreitet würden. Das Wort verwende er bewusst anstelle des verbreiteteren Worts „Verschwörungstheorie“. Theorien seien nämlich wissenschaftlich und widerlegbar. Das, was auf dem Wasen verbreitet würde, hingegen nicht.

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Kontrapunkt zum „Remmidemmi mit Megafon und Co“

Es folgten zwei Schweigeminuten, die der Veranstalter bewusst als Kontrapunkt zum „Remmidemmi mit Megafon und Co“ auf dem Wasen verstanden wissen wollte. Auf Nachfrage sagte er, dass die Entscheidung, erstmals eine Kundgebung anzumelden, Mitte der Woche gefallen sei. Eickhoff arbeitet als Zugbegleiter bei einem privaten Eisenbahnunternehmen.

Er ist parteilos, sitzt aber für die Fraktion der Partei Die Linke im Bad Cannstatter Bezirksbeirat. Er habe es einfach unerträglich gefunden, dass sich in seinem Bezirk plötzlich so viele Rechtsextreme und Verschwörungsmythiker träfen, so Eickhoff. „Ich wollte ein Zeichen setzen und zeigen, dass das hier nicht alle vertreten oder unterstützen.“

Transparente waren nicht zu sehen

Transparente wie auf Kundgebungen sonst üblich waren nicht zu sehen, dafür malten einige Teilnehmer Botschaften mit Kreide auf die Straße. Die 78-jährige Annelies Haack schrieb: „Verschwörungstheorien sind Quatsch.“ „Die Leute hören etwas und glauben es einfach, ohne überhaupt zu verstehen, was es bedeutet“, sagte Haack. Der 67-jährige Reiner Hofmann war gekommen, um zur Aufklärung beizutragen. Denn seiner Ansicht nach nutzten die Rechten Veranstaltungen wie jene auf dem Wasen bewusst aus, um das bürgerliche Lager zu kapern und zu politisch zu agitieren. „Sie können jetzt nicht mehr behaupten, dass es ums Grundgesetz gehe, weil jetzt bekannt ist, dass Faschisten mit dabei sind“, sagte Hofmann.

„Man darf die da drüben nicht einfach machen lassen“, sagte ein junger Demo-Teilnehmer, der nicht namentlich zitiert werden will, in Anspielung auf die Teilnehmer der Mahnwache Grundgesetz. Vielmehr müsse man den unpolitischen Menschen vor Augen führen, an wessen Seite sie dort demonstrierten. „Ich bin überzeugt davon, dass dort Faschisten und Verschwörungstheoretiker mit dabei sind“, sagte der Mann.

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