Ein älterer Gefangener in der JVA Singen, die eine Außenstelle des Konstanzer Gefängnisses ist. Foto: Imago/epd

Weil es in Baden-Württemberg immer mehr ältere Gefängnisinsassen gibt, plant das Land einen JVA-Neubau und ein neues Justizkrankenhaus. Für das Krankenhaus hat man Stuttgart als Standort im Blick.

Stuttgart - Der Anteil betagter Insassen in den Gefängnissen des Landes steigt und steigt. Vor 20 Jahren waren von den damals 6064 Strafgefangenen 131 über 60 Jahre alt – das waren 2,2 Prozent. Mittlerweile ist der Anteil der über 60-Jährigen in Haft auf den Rekordstand von 5,2 Prozent angewachsen: Ende 2019 gab es 284 Häftlinge dieser Gruppe, insgesamt waren es 5491 Gefangene.

„Die demografische Entwicklung spiegelt sich in unseren Gefängnissen. Altert die Gesellschaft, steigt auch die Anzahl älterer Gefangener“, sagte Justizminister Guido Wolf (CDU) unserer Zeitung. Diese Entwicklung werde weitergehen und sei herausfordernd. Der Neubau des Gefängnisses Rottweil und einer Justizklinik sollen die Lage abfedern.

Krankenhaus mit 200 Gefängnisbetten in Stuttgart?

Verurteilte Männer ab 62, die Strafen von mehr als einem Jahr und drei Monaten absitzen müssen, kommen bislang nach Singen. Dort gibt es 48 Plätze, die im Januar im Schnitt mit 40 Gefangenen belegt waren. Gefangene mit höherem Pflegegrad kommen bisher ins Justizkrankenhaus Hohenasperg. Dort gibt es 121 Betten, die jedoch auch für andere Häftlinge benötigt werden.

„Beim geplanten Neubau der Justizvollzugsanstalt Rottweil ist neben behindertengerechten Haftplätzen ein Bereich mit barrierefreien Hafträumen vorgesehen“, sagte Wolf. Rund 40 altersgerechte Haftplätze sollen dort entstehen. Für ein neues Justizkrankenhaus hat das Ministerium das Gelände der JVA Stammheim in Stuttgart im Blick: die Klinik soll rund 200 Betten bekommen.

Und was passiert mit älteren oder kranken Personen, die aus der Haft entlassen werden? „Keine andere Gruppe fällt in ein so tiefes Entlassungsloch wie pflegebedürftige Menschen“, sagt Achim Brauneisen vom Netzwerk Straffälligenhilfe. Seit zwei Jahren wird ihnen im Rahmen eines Modellversuchs geholfen. Mit Erfolg: Ab 2021 soll die Hilfe zur Regelversorgung aufgewertet werden.

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