Der Gasverbrauch in Deutschland muss im Vergleich zu den Vorjahren sinken. Sonst droht im Winter ein Mangel. Foto: dpa/Yui Mok

Deutschland soll zwanzig Prozent weniger Gas verbrauchen, um einen Notstand im Winter zu vermeiden. Daten zeigen, wo wir aktuell stehen.

Seit Ende August fließt kein russisches Gas mehr nach Deutschland. Importe aus anderen Ländern können das nur teilweise kompensieren, zusätzlich muss Gas gespart werden. Wie gut das gelingt, lässt sich aus Daten der Bundesnetzagentur zum Gasverbrauch ablesen. Deren Präsident Klaus Müller hatte Anfang August erklärt, Verbraucher müssten beim Gasverbrauch „mindestens 20 Prozent einsparen“, um einen Gasmangel im Winter zu verhindern. Damals floss allerdings noch russisches Gas durch die Pipelines.

Schafft Deutschland die von Müller geforderte Einsparung? Das kommt darauf an, welchen Zeitraum man betrachtet. Aufs Gesamtjahr gesehen liegt die Einsparung derzeit unter 20 Prozent gemessen am mittleren Verbrauch der Jahre 2018 bis 2021. Relevanter ist das laufende Winterhalbjahr. Vom Zeitpunkt mit dem niedrigsten Gasverbrauch im August 2022 an gerechnet spart Deutschland derzeit mehr als 20 Prozent Gas. Das Schaubild zeigt den aktuellen Stand:

Auf den Winter kommt es an

Relevant für das Einsparziel werden die Wintermonate. Hier steigt der Verbrauch regelmäßig deutlich an. Das ist neben dem Verhalten der Verbraucher auch relativ stark vom Wetter abhängig. Laut einer Berechnung der Bundesnetzagentur anhand von Daten der Jahre 2018 bis 2021 bedeutet eine ein Grad niedrigere Außentemperatur im Winter einen Anstieg von etwa sechs Prozent beim Gasverbrauch von Haushalten und Gewerbe. Die Agentur berechnet daher einen temperaturbereinigten Verbrauch. Im grünen Bereich liegt er, wenn mindestens 25 Prozent weniger Gas verbraucht werden als in den Vorjahren bei ähnlichen Temperaturen üblich. Der gelbe Bereich zeigt eine Einsparung von 15 bis 25 Prozent, im roten Bereich ist eine Einsparung von weniger als 15 Prozent oder sogar ein Mehrverbrauch. Derzeit liegt der Verbrauch im gelben Bereich.

Die folgende Darstellung macht die temperaturbereinigte Einsparung besser sichtbar:

Das folgende Schaubild zeigt den Gasverbrauch in Deutschland insgesamt. Zuletzt stieg der Gasverbrauch wieder deutlich an, sodass seit Ende November das Einsparziel von 20 Prozent nicht mehr erreicht wird.

Wer wie viel verbraucht

Die folgenden beiden Schaubilder zeigen den Verbrauch von Haushalten und Gewerbe einerseits und industriellen Großkunden andererseits.

Verglichen mit dem Verbrauch der vergangenen Jahre verbrauchen Haushalte und Gewerbe trotz der kühlen Witterung aktuell nur durchschnittlich oder gar unterdurchschnittlich viel Gas. Allerdings heizte man bis Februar 2022 noch nicht unter den Bedingungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sowie des folgenden Wirtschaftskriegs mit Russland. Zuletzt wurde das Einsparziel von 20 Prozent nicht mehr erreicht.

Auch in der Industrie sinkt der Gasverbrauch in den Sommermonaten, verglichen mit Haushalten und Gewerbe aber deutlich schwächer. Die Industrie verbraucht im Winter etwa doppelt so viel Gas wie im Sommer, Haushalte und Gewerbe bis zu zehnmal so viel.

Sämtliche relevanten Energiedaten versammeln wir regelmäßig aktualisiert in diesem Beitrag.