Mit zwei deutschen Erstaufführungen von Angel Rodriguez und Edward Clug stellte sich die Tanzkompanie aus der südwestfranzösischen Stadt erstmals im Forum am Schlosspark vor.
Auch in Toulouse wird getanzt. Dass das Ballett aus dem dortigen Kapitol-Theater nun erstmals in Deutschland gastierte, hat mit seiner neuen Direktorin zu tun. Beate Vollack leitet seit 2023 die Kompanie und stellte sie am Wochenende in Ludwigsburg vor. Vollack, aus Berlin stammend, in München als Tänzerin und Choreografin groß geworden, kam über Direktionsposten in St. Gallen und Graz nach Frankreich; in Stuttgart kennt man sie durch ihre Arbeit für die Staatsoper, an den Inszenierungen von „Nabucco“ und „The Fairy Queen“ war sie als Choreografin beteiligt.
Dem Barock-Komponisten Christoph Willibald Gluck war das Programm gewidmet, das die 35-köpfige Kompanie für ihr Debüt im Forum am Schlosspark mitbrachte; die Choreografen Angel Rodriguez und Edward Clug waren mit der Umsetzung beauftragt. Und man ahnt, dass die ursprüngliche Begleitung durch den Alte-Musik-Spezialisten Jordi Savall und sein Ensemble Le Concert des Nations den Reiz dieses Abends um einiges steigert.
Glucks Leidenschaft fürs Handlungsballett
Doch auch mit Musik aus der Konserve konnte das Ballet du Capitole beeindrucken. Das lag vor allem an der Kunst der Ausführenden und an szenischen Überraschungen. Dass sich Glucks Leidenschaft für das Ballet d’action nicht so sehr im Choreografischen spiegelte, lag sicherlich mit an den komplexen Handlungsvorlagen von „Sémiramis“ und „Don Juan“, die sowohl Angel Rodriguez als auch Edward Clug eher abstrakt deuteten.
In sieben weibliche und sieben männliche Facetten bricht Rodriguez die Figur der Sémiramis auf. Wie der Spanier klassische Posen in modernen Fluss bringt, wie er Individuen zu Gruppenbildern addiert, um sie dann wieder synchron agieren zu lassen, ist bestechend. Doch viele seiner schönen Konstellationen sind zu vorhersehbar. So sorgt vor allem ein überlanger Wandbehang, der mit Gold- und Farbresten von vergangener Pracht kündet, für Überraschungsmomente.
Edward Clug nimmt Gluck mit Humor, lässt Purzelbäume schlagen, Hüften wippen, Körper kantig posieren. Ramiro Gómez Samón ist ein Don Juan, der per Handkuss elf Damen flachlegt, zwölf Tänzer sind sein Spiegelbild und paaren elegante Schritte mit Machogesten. Ein Pferd und transparente Paravents werden auf Rollen zu ungewöhnlichen Partnern für ein Ensemble, das Herausforderungen nicht scheut und das man gerne wiedersehen würde.