Restaurant und Kneipen bleiben vorerst geschlossen Foto: Lichtgut//Leif Piechowski

Torsten Olderog, Professor in Stuttgart und Sprecher der Initiative Gastgeberkreis, spricht im Interview über eventuelle Schnelltests und Impfnachweise in der Gastronomie sowie über das unfaire Verhalten der Discounter in der Krise.

Stuttgart - Im Oktober 2020 hat sich die bundesweite Initiative Gastgeberkreis gebildet, um gastronomischen Unternehmen mehr Gehör zu verschaffen. Ihr Sprecher Torsten Olderog hat eine Professur an der AKAD-University Stuttgart.

Herr Olderog, Bund und Länder werden jetzt wohl entscheiden, den Lockdown erneut zu verlängern. Welche Perspektiven müssen gegeben werden?

Der Druck, die Bildungseinrichtungen zu öffnen, wird zunehmen. Und das finde ich auch richtig so. Grundsätzlich muss man evaluieren, welche Gefahren von den unterschiedlichen Betriebsmodellen ausgehen. Ich verstehe sehr wohl, dass viele Menschen ihren Friseur vermissen. Aber es ist doch offensichtlich, dass eine körpernahe Dienstleistung etwas Anderes ist als ein Restaurantbesuch. Wenn wir also Friseurgeschäfte öffnen, dann auch Restaurants, die selbstverständlich Teil unserer Kultur sind wie die Museen.

Die versprochenen Hilfen der Politik wurden bisher nur schleppend ausgezahlt. Wie soll das weitergehen?

Ausfälle und Schäden müssen kompensiert werden! Wenn Sie aus gesellschaftlichen Gründen einen Wirtschaftsbetrieb schließen, dann muss die Gesellschaft dies ausgleichen. Wir können doch nicht Individualopfer fordern! Es geht ja auch nicht um Gewinne, sondern nur um die Kosten.

Großes Kapital, aber auch Kostenfaktor der Gastronomie sind ihre Mitarbeiter.

Da fühlt sich die Gastronomie gerade schlecht behandelt von Discountern, die gezielt Mitarbeiter abwerben. Eine ganze Branche liegt am Boden, und die nutzen nicht nur das Privileg der Öffnung schamlos aus, um ihr Sortiment zu erweitern, sondern besitzen auch noch die Frechheit, gastronomische Teams auszuplündern. Die Gastronomie braucht eingespielte Teams für die Wiedereröffnung.

Für eine Öffnung denken Sie über Schnelltests in der Gastronomie nach.

Ja, wenn die Spucktests auf den Markt kommen, könnte man sie einigermaßen pragmatisch einsetzen. Das wird ja auch bei großen Veranstaltungen angedacht.

Apropos, zu einer Diskussion, die noch zu früh ist, hat sich jetzt der Ethikrat geäußert. Könnte der Impfpass für den Restaurantbesuch zur Pflicht werden?

Wenn ich daran denke, dass sich die Gastronomen nicht mal den Personalausweis beim Einchecken zeigen lassen durften, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Kollegen dann den Impfpass verlangen werden. Aber das ist im Gastgeberkreis noch nicht abgestimmt.

Wird sich die Gastronomie verändern?

Man wird das nicht so gerne hören, aber die Preise werden steigen müssen. Die Gastronomen müssen lernen, stabil Geld zu verdienen, und die Gäste müssen lernen, dass die Leistungen Geld kosten. Wir werden nach der Krise Löcher im Angebot sehen, aber nach dem Buschfeuer wird auch frisches Grün kommen. Ich erwarte für spätestens 2022 einen Gründungsboom. Junge Leute werde eine Chance bekommen. Aber sie müssen sich die Wertschätzung auch erarbeiten und können nicht einfach das gleiche Produkt 30 Prozent teurer machen. Das Verramschen von Lebensmitteln und die häufig mangelnde Wertschätzung für Arbeitsleistung waren Fehler der Vergangenheit.

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