Ein Grauen für Hobbygärtner: Schnecken machen sich über den Salat her. Foto: Gina Sanders - stock.adobe.com

Wie man Pflanzen am besten vor Schädlingen schützen kann ohne der Umwelt zu schaden, erklärt Gartenbauwissenschaftlerin Agnes Pahler.

Esslingen - Die ersten Frühlingsboten locken zurzeit Hobbygärtner ins heimische Grün. Doch oft stören Unkraut oder Kleintiere das frisch gesäte Gemüse oder die Blumen. Die Schnecke frisst den neuen Salatkopf, die Rosen werden von grünem Gras gestört. Die Lösung gegen diese Störenfriede im Garten waren lange Zeit Pflanzenschutzmittel, also chemische Giftstoffe, die für Ordnung im Garten gesorgt haben. Mittlerweile ist der Großteil an Pestiziden für den heimischen Garten verboten.

Gartenbauwissenschaftlerin Agnes Pahler gibt in Vorträgen Tipps, wie der Garten auf ganz natürliche Weise und ohne Gift lebt. Von den angeblich neuen Methoden des natürlichen Gärtnerns ist sie nicht überrascht. Die 60-jährige Mutter von zwei Söhnen sagt: „Wie haben die Leute denn gegärtnert, bevor es die Gifte für den Garten gab? Es gibt Tipps die uralt sind und die nun plötzlich wieder aufgewärmt werden.“ Hat man beispielsweise zu viele Schnecken im Garten könne man diese auch mit Eierschalen vertreiben. „Dafür muss man die Eierschalen zerbröseln und an der jeweiligen Stelle verstreuen.“ Das würden Bäuerinnen schon immer so machen. Pahler, die ehrenamtlich in der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (NABU) aktiv ist, beziehe sich in ihren Vorträgen und bei Gartentipps oft auf den Bauerngarten. „Diese Erkenntnisse wurden damals nur nicht wissenschaftlich untersucht, wie heute.“

Ein wichtiger Punkt, um auch ohne Pestizide eine Hobbygarten zum Blühen zum bringen, sei eine Mischkultur. Davon ist Pahler überzeugt. „Die Leute müssen lernen, dass wir eine Vielfalt im Garten haben müssen“, sagt sie. „Wenn ich eine Vielfalt habe, dann können sich die Schädlinge nicht ausbreiten. Wenn der Platz mit anderen Pflanzen besetzt ist, dann finden Schädlingen dort keinen Platz um sich auszubreiten.“

Raupen platzen

Wenn ein Hobbygärtner chemische Stoffe, also Pestizide gegen Schädlinge, in den Garten sprüht hat das Folgen für die Umwelt. „Wenn ich zum Beispiel ein Insektizid spritze, dann wirkt das gegen alle Insekten“, sagt Pahler. Beispielsweise würde ein Insektizid gegen Blattläuse auch die natürlichen Feinde der Blattläuse, die Schwebfliege, automatisch abtöten. Jedes Mittel wirkt unterschiedlich. Für Pahler ist aber dennoch klar: „Das Gefüge von jagenden und gejagten Insekten, dieses ganze Netzwerk wird durch Pflanzenschutzmittel gestört.“

Neben den Pestiziden können auch andere Giftstoffe den natürlichen Kreislauf im heimischen Garten durcheinander bringen: Düngemittel. „Synthetische Dünger führen dazu, dass die Pflanzen größer werden“, sagt Pahler. „Aber alles was größer ist, ist automatisch auch anfälliger.“ Bei den überdüngten Pflanzen sieht sie auch einen Zusammenhang mit dem Insektensterben. Die Wissenschaft habe in den vergangenen Jahren einen Vitalitätsverlust bei den Insekten erkennen können. „Die Insektenwelt verträgt diese überdüngten Pflanzen nicht“, ist sich Pahler sicher. „Die Raupen platzen zum Beispiel, weil sie übersättigt sind.“ Sie sehe aber im Moment auch eine Rückbesinnung auf Kulturmethoden aus früheren Zeiten, auch aus ehemaligen Hochkulturen weltweit. Damals fand regelmäßig ein Fruchtwechsel statt. „Man kommt jetzt wieder zurück.“ Der natürliche Garten ohne Gift hat viele Vorteile. „Die Insekten müssen erhalten bleiben und ein lebendiger Garten, in dem es blüht und summt, ist auch für die Menschen gut“, sagt Gartenbauwissenschaftlicher Pahler.

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