Doppelpack auf der Bielefelder Alm: Robert Lewandowski, Torjäger des Champions-League-Gewinners FC Bayern München. Foto: dpa/Sven Hoppe

Die Saison in der Champions League startet an diesem Dienstag mit vier deutschen Vereinen. In der Bundesliga blieb zuletzt nur Borussia Mönchengladbach sieglos, die Gegner in der Königsklasse aber sind hochkarätig – was den Formcheck umso interessanter macht.

Stuttgart - Die Terminhatz ist gnadenlos. Nur 58 Tage nach dem Triumph des FC Bayern in der Champions League beginnt die neue Saison in der Königsklasse. Mit vier Bundesligisten – und hohen Erwartungen.

FC Bayern München

Es gibt keine Zweifel, dass der Titelverteidiger gut genug ist, um in der Gruppe A gegen Atlético Madrid (Mittwoch, 21 Uhr), Lok Moskau und RB Salzburg zu bestehen. Was zuvorderst am großen Willen, Ehrgeiz und der diesem Team eigenen Antriebskraft liegt. Aber auch an der Stärke des Angriffs. Gut, es ging nur gegen einen Aufsteiger, aber was Robert Lewandowski und Thomas Müller, als unfreiwilliger Ex-Nationalspieler nach der Länderspielpause sichtbar erholt, beim 4:1 auf der menschenleeren Bielefelder Alm zeigten, verdiente dennoch höchsten Respekt. Beide erzielten einen Doppelpack, Lewandowski steht nun schon bei sieben Saisontoren, zudem bereitete er die Treffer seines kongenialen Partners vor. Müller wiederum ist nun der erste Bundesliga-Profi seit Beginn der Datenerfassung 1988, der auf 150 Assists kommt. Er selbst dichtete nach dem 4:1-Sieg auf Instagram: „You know the duo MüllFOURGOALski?“

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Weit weniger lustig findet Hansi Flick, was seine Defensive derzeit bietet. Nach vier Spielen hat der Meister schon acht Gegentore kassiert, nach der Roten Karte gegen Corentin Tolisso wegen einer Notbremse warf der FCB-Coach wütend seine Jacke weg. „Mir ist es zu warm geworden“, kommentierte Flick hinterher die Szene, und er dachte dabei nicht an die Temperaturen. Die erneut groben Abwehrschnitzer hatten ihn in Wallung gebracht – denn ihm ist klar: Atlético Madrid kommt mit anderen Kalibern, allen voran Luis Suárez. „Klar können wir besser verteidigen als zuletzt“, meinte Flick. Nun muss es sein Team nur noch umsetzen.

Borussia Dortmund

Es gab Zeiten, da war „Effizienz“ ein Fremdwort in Dortmund. Ob das diese Saison anders wird, ist offen. Und doch war der 1:0-Erfolg bei der TSG Hoffenheim zumindest mal: eine klare Ansage. Etliche Stars hatte Trainer Lucien Favre geschont – mit Blick auf den Start in der Champions League beim AS Rom am Dienstag (21 Uhr), dem angesichts der anderen Gegner in Gruppe F (FC Brügge, Zenit St. Petersburg) große Bedeutung zukommt. Erst nach gut einer Stunde brachte er Erling Haaland und Marco Reus, kurz darauf erzielte Reus das einzige Tor, auf Vorlage von Haaland. „Wir müssen vernünftig handeln“, sagte Favre, nachdem seine Kurzarbeiter ihren Job erledigt hatten, und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke meinte: „Der Trainer ist dazu da, um die Belastungssteuerung hinzubekommen.“

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Dass die Dortmunder voller Zuversicht nach Rom reisen, hat allerdings auch mit Mats Hummels zu tun. Wie Müller bei den Bayern tat auch dem von Bundestrainer Joachim Löw ebenfalls ausgemusterten Abwehrchef der Borussia die Länderspielpause sichtlich gut. Hummels war in Sinsheim überragend. „Er ist nach wie vor einer der besten Innenverteidiger in Europa“, erklärte Watzke, der seinem Team enorm viel zutraut – nicht nur in der Bundesliga. „Das ist einer der ambitioniertesten Kader, die wir je hatten.“ Oder anders ausgedrückt: Beim BVB bleibt alles eine Frage der Effizienz.

RB Leipzig

Abgeklärt, unaufgeregt, dominant – nach dem souveränen 2:0 beim Tabellenzweiten FC Augsburg gab es bei Bundesliga-Spitzenreiter RB Leipzig nicht viel zu meckern. Erst recht, da Yussuf Poulsen per Volleyschuss auch noch ein Traumtor gelungen war. „Wir wissen diese Niederlage einzuordnen“, meinte denn auch FCA-Coach Heiko Herrlich, „wir haben gegen eine europäische Spitzenmannschaft verloren.“

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Stimmt, da war doch was. Vor gut zwei Monaten stand RB Leipzig im Halbfinale der Champions League, scheiterte dort an Paris Saint-Germain. „Das war ein schönes Erlebnis, aber es zählt nichts mehr“, meinte RB-Trainer Julian Nagelsmann, „es wäre total vermessen, nun einzuplanen, dass dies im Jahresrhythmus passiert.“ Schließlich haben die Leipziger nicht nur ihren besten Stürmer Timo Werner (zum FC Chelsea) verloren, sie hatten auch kein Losglück. In Gruppe H geht es neben dem von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan protegierten türkischen Meister Basaksehir FK aus Istanbul (Dienstag, 21 Uhr) auch erneut gegen PSG und Manchester United. „Das sind sehr anspruchsvolle Gegner“, sagte Nagelsmann, „aber wir müssen uns nicht verstecken.“ Dafür war zuletzt zu viel Souveränität im Spiel.

Borussia Mönchengladbach

Zu wenig Körperlichkeit, Cleverness, Kampfgeist – allein beim Thema Selbsteinschätzung zeigten die Profis von Borussia Mönchengladbach nach dem 1:1 gegen den VfL Wolfsburg internationale Reife. Nur fünf Punkte holte das ambitionierte Team in den ersten vier Bundesliga-Duellen, erneut reichte eine Führung nicht zum Sieg. Dazu kommt, dass die spielerische Klasse, die Leichtfüßigkeit, die Torgefahr der vergangenen Saison fehlen. „Diese Kritik“, sagte Trainer Marco Rose, „müssen wir uns gefallen lassen.“ Und zugleich hoffen. Am Mittwoch (21 Uhr) geht es in der Champions League zu Inter Mailand, außerdem warten in Gruppe B Real Madrid und Schachtjor Donezk. In Italien kann Rose wieder auf seinen besten Stürmer bauen, der gegen Wolfsburg fehlte. „Das Baby ist da, jetzt können wir wieder Fußball spielen. Ich glaube nicht, dass er ein Babyjahr macht“, sagte der Borussia-Coach über den stolzen Vater Alassane Plea, „in Mailand ist es wichtig, dass wir extrem mutig spielen.“ Und körperlich. Und clever. Und kampfstark.

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