Die Neuen im Echterdinger Landesliga-Team. Hinten von links: Co-Trainer David Hertel, Matti Theobaldt, Flon Ajvazi und Trainer Daniel Heisig. Vorne von links: Adonis Shalaj, Jeff Antwi und Michael Deutsche. Foto: Günter Bergmann

Daniel Heisig soll beim Filderclub das drohende Schlimmste verhindern. Vor allem zwei Altmeister des Kaders nähren vor dem schweren Auftakt am Freitag die Hoffnungen.

Die mit schwierigste Aufgabe seines Jobs als neuer Trainer beim TV Echterdingen hat Daniel Heisig bereits erledigt. Sie hatte sich schon vor seiner Vertragsunterschrift gestellt, nicht auf dem Rasen, sondern in den heimischen vier Wänden, und sie lautete: Wie bringe ich es meiner besseren Hälfte schonend bei? Eigentlich war ja für diesen März alles schön geplant: eine Kreuzfahrt mit seiner Jacqueline und den beiden gemeinsamen Töchterchen. Nun wird aus dem Familienurlaub nichts. Statt Kanaren- und Mittelmeersonne ist unerwartet wieder raue Sportplatzluft angesagt. „Das hat zuhause nicht gerade für Begeisterung gesorgt“, räumt Heisig ein, kann inzwischen aber beruhigend und mit einem Lachen anfügen: „Der Haussegen hängt deswegen nicht schief.“

Bleibt die Frage, inwieweit das in den nächsten Monaten auch an seiner alten und nun wieder aktuellen fußballerischen Wirkungsstätte gelten wird. Im Prinzip gibt es nur zwei Optionen: Entweder Heisig wird in den Goldäckern zum gefeierten Retter – oder aber zum gescheiterten und mit verantwortlichen Pleitier. Top oder hopp. Hui oder pfui. Ein Dazwischen kann es nicht geben auf seiner bis Juni als Comebacker und Übergangslösung befristeten Mission.

Als Heisig beim Filderclub vor gut zweieinhalb Jahren als damaliger Co-Trainer aus zeitlichen Gründen aufhörte, war dort noch alles gut. Nun, bei seiner Rückkehr, droht den stets ambitionierten Echterdingern der gefühlte sportliche GAU, nämlich ein zweiter Abstieg in Serie. Es wäre das, was vor Saisonbeginn wohl selbst die größten Pessimisten kaum für möglich gehalten hätten: der freie Fall von der Verbands- in die Bezirksliga. Und es wäre vor allem auch ein schwerer Dämpfer im schon angeschobenen Aufbruchvorhaben für das nächste Spieljahr, für das dann wie berichtet der eigentliche Wunschkandidat Roko Agatic (momentan noch beim Staffelrivalen TSV Bernhausen) übernehmen wird. Nicht nur das: Wenn sich die Gerüchte bestätigen, bringt er von seinem Noch-Verein mehrere Spieler mit.

Bis dahin ist Heisig als bereits dritter Trainer dieser Saison (nach Valentin Haug und Predrag Sarajlic) der Mann, der das Schlimmste verhindern und den positiven Flow zurückbringen soll. Die Wochen der Rückrundenvorbereitung waren dabei ein guter Anfang. Eben „positiv“ ist das von dem 39-Jährigen meist gebrauchte Wort. Trainingsbeteiligung positiv, Stimmung positiv, Ergebnisse positiv. Von sechs Testspielen haben die Gelb-Schwarzen vier gewonnen und keines verloren. „Das ist sehr wichtig, um auch im Kopf fit zu werden“, sagt der Coach. Stichwort Selbstvertrauen. Letzteres hatte in der jüngeren Vergangenheit arg gelitten. In der verkorksten Hinrunde hat die Mannschaft mitunter mental ausgebrannt gewirkt, gebeutelt zudem von einem scheinbar nicht endenden Verletzungspech.

Auch dieses, toi, toi, toi, scheint unter Heisig fürs Erste gestoppt. Momentan stehen nur noch zwei Namen auf der Dauerausfallliste: Für Furkan Özüdogru (Kreuzbandriss) und Marius Nita (Hüftoperation) ist die Saison schon vorbei. Drei andere Langzeitpatienten mischen dagegen wieder munter mit: außer Marc Mägerle und Merdan Babatas vor allem der Torjäger Caglar Celiktas. Kann einer wie er das Toreschießen plötzlich verlernt haben? Für alle, die den 35-Jährigen bereits beim alten Eisen gewähnt hatten, kurz vor dem Abstellgleis, hat Heisig eine Erkenntnis parat: „Cagi ist Cagi. Er ist wieder da.“ Zwei blitzsaubere Treffer beim abschließenden 3:1-Probelauf in Oeffingen sind der Beleg.

Zusammen mit dem aus der zweiten Mannschaft beförderten Junior-Knipser Flon Ajvazi nährt Celiktas die Hoffnungen auf ein Ende der Angriffsflaute. In ihren bisherigen 16 Ligaspielen 2025/2026 haben die Echterdinger lediglich 20-mal getroffen – eine Magerbilanz, wie sie nur Teams aus der Abstiegszone haben. Hinzu kommen als erwartete Schubkraft drei Winterzugänge von außerhalb. Der prominenteste unter ihnen: Michael Deutsche. Noch einer aus den guten alten Zeiten, der es wie Heisig zurück aus dem Fußballruhestand noch einmal wissen will. Auch der Ex-Profi und Spielmacher mochte dem Hilferuf seines Ex-Vereins nicht widerstehen. „Er“, weiß Heisig, „ist natürlich eine absolute Verstärkung für uns.“

Auf der anderen Seite, in der Defensive, hat der Trainer primär an taktischen Dingen gefeilt. Beschlossen ist die Umstellung von einer Vierer- auf eine Dreierabwehrkette, hin zu einem 3-5-2- oder 3-4-3-Spielsystem. Weniger eine ideologische als pragmatische Entscheidung. Heisig reagiert damit auf den Mangel an gelernten Außenverteidigern in seinem Kader.

Klar ist auch ihm: Funktionieren müssen die Umstellungen schnell. Für ein Erreichen des inzwischen alleinigen Ziels Klassenverbleib rechnet der Coach mit „mindestens noch sieben nötigen Siegen“. Aktuell besteht zum praktisch sicher rettenden elften Tabellenplatz eine Kluft von fünf Punkten. Von Rang 13, der Stand jetzt zur Relegationsteilnahme berechtigen würde, trennt die Echterdinger gegenüber dem zählergleichen SC Geislingen nur die schlechtere Tordifferenz.

Dass es das Echterdinger Auftaktprogramm in sich hat? Nicht nur mit der ersten Partie am Freitagabend (19.30 Uhr) just in Bernhausen gegen den künftigen Heisig-Nachfolger Agatic und dessen Team, auch mit den direkt folgenden Spielen gegen zwei weitere Spitzenplatzanwärter in Ehningen und gegen Waldstetten. Heisig sieht es so: „Derby unter Flutlicht, cooler geht es nicht. Am liebsten würde ich selber noch einmal das Trikot überstreifen und mitspielen.“

Aber so weit wird's dann doch nicht kommen. Nicht, dass zuhause womöglich doch noch Schluss mit lustig ist. Die Heisig’sche Reise mit Frau und Kids wird nun im Juli nachgeholt, wenn der Fußball vorüber ist. Fest versprochen.

Personalien

Zugänge
Michael Deutsche (33, Mittelfeld, pausierte/zuletzt GSV Maichingen), Adonis Shalaj (21, Angriff, FV Neuhausen), Jeff Antwi (22, Mittelfeld, SV Leonberg/Eltingen), Flon Ajvazi (20, Angriff, eigene zweite Mannschaft), Matti Theobaldt (19, Abwehr, eigene zweite Mannschaft).

Abgänge
bereits während der Hinrunde: Mehmet Karakus (nun FV Dersim Sport Ludwigsburg), Phil Schmidt (nun OFK Beograd Stuttgart).