Kapitän Philipp Lechner (rechts) und der TSV Heumaden wollen in der Staffel 4 eine gute Rolle spielen. Zwar ist man beim TSV der Meinung, es müsste vieles sehr günstig laufen, um ganz vorne dabei zu sein. Abgeschrieben hat man den Titel aber nicht. Foto: Günter E. Bergmann

Der Stuttgarter Sportclub, Ost und der TSV Heumaden schielen nach dem Titel. Der TV Cannstatt gibt sich nach schwacher Vorbereitung mit dem 10. Platz zufrieden.

Bad Cannstatt - Spielzeit für Spielzeit setzen sich die fünf Staffeln im Amateurkeller neu und anders zusammen. Auch wenn es teilweise gegen unbekannte Teams geht, sind sich einige unserer Vereine sicher, im Kampf um den Titel ein Wörtchen mitreden zu können. Vordergründig sind die Spieler und Verantwortlichen der Klubs aber froh, wieder auf Punktejagd gehen zu können. Überall lebt die Hoffnung, dass die Pandemie nicht wieder für ein vorzeitiges Aus der Spielzeit 2021/22 sorgt.

TV Cannstatt

Für Sebastiano Gaglione bedeutet die kommende Saison in der Staffel 1 die elfte als Trainer des TVC. Positiv schaut er indes nicht auf diese. „Während ich den Eindruck habe, Corona hat bei vielen Vereinen nichts verändert, hinterlässt die Pandemie bei uns Spuren“, sagt der Coach. Soll heißen: „Einige Akteure bleiben aus Angst vor Corona dem Training fern.“ Und da man noch einige Urlauber und geschäftlich verhinderte Spieler hätte, „verlief die Vorbereitung ganz mies und der 10. Platz wäre schon ein Erfolg für uns“. Auch deshalb, weil den TVC wichtige Spieler verlassen haben. So die beiden Torhüter Fabrizio Sangiovanni und Mauricio Sossa Mora, die aus beruflichen Gründen aufgehört haben. Vor allem Erstgenannter „ist ein herber Verlust, war ein großer Rückhalt“. Ob die beiden Neuen zwischen den Pfosten – Nico Plesetz und Ali Reza Kolahi Azar – ihn ersetzen können, müsse sich zeigen. Einen weiteren Verlust haben die Cannstatter zu beklagen. Stürmer Giuseppe Ianella hat seine Kickstiefel an den Nagel gehängt. „Er war ein gefährlicher und treffsicherer Spieler, der kaum zu ersetzen sein wird.“ Zum Auftakt am Sonntag (15 Uhr) empfangen Gaglione und seine Truppe den TSV Sielmingen II, der beim Abbruch in der Vorsaison auf dem 14. Platz rangierte, also vier Ränge hinter den Cannstattern. Ein Sieg könnte die Laune und Zuversicht des Trainers sicherlich deutlich steigern.

TSV Steinhaldenf./SKG Max-Eyth-See

In der Staffel 2 ist ein Vorhaben der Spielgemeinschaft, die erste und zweite Mannschaft enger zusammen zu bringen. Dementsprechend gingen die beiden Trainer Tarkan Bucak (erste Mannschaft) und Dimitrios Kyriazopoulos, die auch schon in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet haben, einen besonderen Weg. Zwei Testspiele bestritten beide Teams gemeinsam – in den ersten 45 Minuten durfte das A-Team ran, dann folgte die Zweitvertretung. „Wir wollten die Qualität der Teams erkennen und schauen, welcher Spieler aus der zweiten für die erste noch in Frage kommt“, sagt Bucak. Resultat des Versuchs: Die erste Mannschaft lag beides Mal in Führung, die zweite verlor die Spiele noch beziehungsweise spielte Remis. Ein weiteres Vorhaben der Spielgemeinschaft ist das Integrieren von Spielern, die aus der U 19 kamen. Als sehr vielversprechend sieht Bucak Hugo Streibig (Tor), Maximilian Calvagna (Angriff) und Nico Schmidt (Mittelfeld) an. „Sie haben das Zeug, zum Stamm zu gehören.“ Darüber hinaus sei geplant, im Laufe der Saison immer wieder Talente aus der aktuellen U 19 einzusetzen. So steht die Runde bei der Spielgemeinschaft im Zeichen von „Jugend forscht“, jedoch bringen die Stützen des Teams – Patrik Schmierer, Rückkehrer Fabian Wolf (AC Mailand Heidenheim/beide Sturm), Marcel Heiberger, Hannes Herterich (beide Abwehr) und Sebastian Berner (Mittelfeld) viel Erfahrung mit und sollen „die Nachwuchsspieler führen“. Bucak rechnet zwar damit, dass sich die jungen Spieler – viele Akteure wurden im Vorjahr aktiv – erst noch an den aktiven Fußball gewöhnen müssten, „wir aber eine gute Rolle spielen können, weil viel Potenzial in der Mannschaft schlummert“. Er sieht seine Truppe deshalb „zwischen Platz 1 bis 5“, wobei „Jahn Büsnau der klare Favorit ist, wir uns aber vielleicht in Lauerstellung befinden könnten“. Zum Auftakt am Sonntag (15 Uhr) em­pfängt die Spielgemeinschaft den TSV Steinenbronn II.

SportKultur Stuttgart

Da die Spielgemeinschaft mit Obertürkheim nach nur einem Jahr wieder aufgelöst wurde, ist der Ausflug der SportKultur in die Kreisliga A als zuvor Klassentieferer beendet, Obertürkheim nimmt den Startplatz in der A-Klasse wieder ein. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Gesicht der Mannschaft aber kaum verändert. Die ehemaligen Obertürkheimer sind geblieben, „nur Tobias Zucknick hat leider aufgehört“, bedauert Stephan Hentschel, der weiterhin mit Uli Busch Trainer des Teams ist. Ebenfalls nicht mehr dabei ist Abwehrmann Luis Spayes, der sich beim Bezirksligisten SG Untertürkheim versucht. Dazugekommen ist Kaan Robert Tosun (vereinslos). „Ein erfahrener Stürmer, der uns weiterbringt.“ Doch wie gesagt, die Veränderungen sind gering, gleichgeblieben sind die Probleme, mit denen die SportKultur schon seit mehreren Spielzeiten zu kämpfen hat. „Das Team hat das Potenzial zum Aufstieg, ruft es aber häufig nicht ab, weil einfach der Wille sowohl im Training als auch bei den Spielen nicht immer vorhanden ist.“ Die Konstanz in der Einsatzbereitschaft ist also gefragt und dies in dieser Saison schon vom ersten Anpfiff weg. Zum Auftakt am Sonntag (15 Uhr) tritt die SportKultur bei Ilirida Stuttgart an, dann empfängt man die SG West und muss anschließend zu Jahn Büsnau. „Alle drei Topteams der Liga“, ist sich Hentschel sicher. „Die Ergebnisse können bereits entscheidend für den kompletten Saisonverlauf sein. Sieben Punkte sollten wir ergattern, dann spielen wir vorne mit. Ist es nur einer, dann ist die Runde praktisch vorbei.“ Sollte es mit den sieben Punkten klappen, gelte es für die SportKultur zusätzlich, die Monate Oktober und November mit der richtigen Einstellung anzugehen – denn: „In der Vergangenheit haben wir speziell in diesen Monaten Auszeiten genommen und uns alles kaputt gemacht.“

SKV Palästina Al Q’uds Stuttgart

Mustapha El M‘hassani spricht nicht um den heißen Brei herum. „Ich bin leistungssportlich orientiert, will Woche für Woche das Maximum herausholen und gewinnen“, sagt der neue Coach des SKV, der das Amt von Firas Said (weiterhin in der Vorstandschaft) übernommen hat. Und was er bei seiner zweiten Trainerstation – zuletzt war er beim AKV Ludwigsburg tätig – bislang gesehen hat, stimme ihn zuversichtlich, dass auch die Mannschaft seinen Vorstellungen folgen wolle. „Die Jungs sind gut, sie bringen viel Power und Dynamik mit, zudem herrscht ein guter Mannschaftsgeist.“ Die absolute Stärke sei die geballte Offensivkraft. Jedoch müsse die Balance zwischen Angriff und Abwehr stimmen – das tat sie in der Vorbereitung nicht immer. „Wir haben viele Tore geschossen, aber auch viele bekommen. Zwei, drei Treffer müssen in der Punkterunde aber ausreichen, um gewinnen zu können.“ Aus diesem Grund arbeite man daran, die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen so gering wie möglich zu halten. „Die Richtung stimmt, die Lücken werden kleiner.“ Als Saisonziel hat Al Q’uds die Weiterentwicklung des Teams angegeben. Der neue Trainer erweitert die Vorgabe: „Natürlich wollen wir vorne mitmischen.“ Al Q’uds startet erst am Sonntag, 5. September, mit dem Heimspiel gegen Eintracht Stuttgart II in die Saison.

TSV Heumaden

In der Staffel 4 lautet das Ziel des TSV einmal mehr ein Platz unter den ersten Dreien. Nach dem Titel schielt Trainer Arben Berisha zwar, jedoch „müssten uns dafür Woche für Woche die besten Spieler zur Verfügung stehen. Denn von der Bank aus kommt bislang zu wenig“, berichtet der Coach. Aber wer weiß, „vielleicht bleiben wir von Verletzungen verschont und so mancher Spieler wächst plötzlich über sich hinaus.“ Darüber hinaus müsse ein Torwart zwischen den Pfosten stehen, „der uns vor allem in den wichtigen Spielen die Punkte rettet“. In der Vergangenheit hatte man mit Matthias Jakob solch einen „Punktegreifer“. Doch nach einer schweren Schulterverletzung und genügend Zeit zum Überlegen während der fußballlosen Lockdownphase, „hat er sich fürs Aufhören entschieden“, bedauert der Coach, der die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben hat: „Ich versuche, ihn zum Weitermachen zu überreden.“ Beim bisherigen Torjäger vom Dienst – Christian Timmerevers – sind Überredungskünste indes zwecklos – er hat sich für einen Wechsel zum Bezirksligisten SC Korb entschieden. „Ein herber Verlust, den wir aber eher kompensieren können als die Torhüterposition.“ Soll heißen: Der andere treffsichere Mann im TSV-Trikot – Philipp Lechner – wird vom Mittelfeld in den Sturm beordert. „Er wird auch dort seine Tore machen.“ Ein zusätzliches Manko bei den Heumadenern sei in der Vergangenheit der fehlende Trainingseifer gewesen. „Wollen wir auch in diesem Jahr tatsächlich vorne mitspielen, müssen die Jungs häufiger zu den Übungseinheiten erscheinen. In der Vergangenheit fehlte uns in den entscheidenden Phasen teilweise nämlich auch die Puste.“ Zum Auftakt muss der TSV Heumaden am Sonntag, 13 Uhr, zum SV Heslach II.

SGM FSV/Spvgg Ost

Eigentlich starten alle Mannschaften auf der Waldebene Ost nun unter einem gemeinsamen Dach – FSV Waldebene Ost. Die aktiven Herrenmannschaften der Spvgg gehören noch nicht dazu, weil „zum endgültigen Zusammenschluss eine Abstimmung bei der Hauptversammlung nötig ist, diese aber wegen Corona erst am 9. Oktober stattfinden kann“, sagt Abteilungsleiter Thomas Wildermuth. Aber wieso heißt das Team nun Spielgemeinschaft FSV/Spvgg Ost und nicht nur Spvgg Ost? „Aus rechtlichen Gründen“, klärt Wildermuth auf. „Hätten wir das nicht gemacht, würde im Falle einer Zustimmung und Meisterschaft unser Aufstiegsrecht verloren gehen.“

Corona durchkreuzte in der Vergangenheit die Pläne der Ost-Fußballer. Seit zwei Spielzeiten wollen Trainer Memik Erdogan und sein Team aufsteigen. „Zuerst wurden wir über die Quotientenregel ausgebremst, in der Vorsaison hatten wir bis zum Abbruch alle Spiele gewonnen“, so Erdogan. Keine Frage, nun starten die Ostler einen erneuten Anlauf zum Titel. Und die Voraussetzungen stehen gut. „Wir sind auf jeder Position doppelt und auch gut besetzt, der Kader hat Kreisliga-A-Niveau.“ Dies hätten dem Coach auch die Testspiele gezeigt. Von fünf Partien gegen A-Vertreter, haben „wir vier recht souverän gewonnen und nur eines verloren.“ Sogar zur Steigerung der Qualität tragen die beiden offensiven Neuzugänge Wael Hammoud (SV Pattonville) und vor allem Ugur Capar bei. Dieser spielte im Vorjahr beim Bezirksligisten Türkspor Stuttgart und zuvor beim Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen. „Die beiden sorgen für noch mehr Gefahr.“ Zusätzlich freut sich der Coach über die beiden wiedergenesenen Mittelfeldspieler Zinar Akinci (Kreuzbandriss) und Philipp Wildermuth (Knöchelverletzung). „Somit haben wir weitere Alternativen.“ Als hartnäckigsten Konkurrenten im Kampf um den Titel sieht der Coach Slaven Stuttgart. „Auch ein gutes Team, aber ich denke, wir sind besser.“ Zum Auftakt am Sonntag (15 Uhr) em­pfängt die Spielgemeinschaft Eintracht Stuttgart. „Die Auftaktpartie ist immer schwer, ich denke, wir sollten aber den Dreier einfahren.“

Stuttgarter Sportclub

Der Sportclub bläst in der Staffel 5 erneut zur Titeljagd. „Im Vorjahr hatten wir die Meisterschaft fest ins Auge gefasst, wurden aber von Corona ausgebremst. So wollen wir es eben in dieser Saison wissen“, sagt SSC-Coach Iordanis Nikiforidis. Seine Zuversicht zieht der Coach aus der Qualität des Kaders. „Die sehr gute Stammelf ist zu 90 Prozent zusammengeblieben und wir haben mit Dani-Junior Dos Sanos einen zwar noch jungen, aber spielerisch starken Akteur dazubekommen. Darüber hinaus könnte uns Jakub Bechtas längerfristig auch weiterbringen.“ Doch besagter Kader umfasst derzeit nur 17 Spieler, von dem mit Mittelfeldspieler Daniel Esteves und Stürmer Pero Nilovic zwei Akteure erst nach der Winterpause wieder zur Verfügung stehen werden. „Esteves ist beruflich verhindert, Nilovic greift nach einem Kreuzbandriss wohl erst im Oktober wieder ins Trainingsgeschehen ein.“ Ob der personellen Magerkost weiß der Coach, dass nicht viel passieren dürfe, „uns drei bis vier Verletzte bis zur Winterpause hart treffen könnten. Aber wir denken positiv.“ Zumal die Stärken seines Teams neben dem Spielerischen die Motivation und die Moral seien. „Das Team hat sich weiterentwickelt, gibt mittlerweile kein Spiel, egal wie es steht, verloren und kämpft bis zum Abpfiff.“ Keine leeren Worthülsen, vielmehr habe die Mannschaft dies bereits unter Beweis gestellt. Im Vorjahr sei man unter anderem gegen Zuffenhausen zwei Minuten vor Schluss mit 0:2 hinten gelegen und hat „noch ein Remis erreicht“. Zum Saisonauftakt kann sich der SSC ein Bild von der Stärke des TV Zazenhausen II und TSV Mühlhausen II machen – laut Nikiforidis „unsere hartnäckigsten Konkurrenten“. Das Spiel am Sonntag gegen den SV Rot hat der SSC wegen zu vieler Urlauber nämlich verlegen lassen, startet dann erst am Sonntag, 5. September, in die Runde – prompt beim erwarteten Mitkonkurrenten Zazenhausen.

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