Auf TBU-Torhüter Marcel Janik war Verlass: Beim Stand von 2:1 verhinderte er reaktionsschnell den Ausgleich Foto: /Holger Strehlow

Die SG Untertürkheim zeigt eine starke Partie, verliert aber. Türkspor Stuttgart geht erstmals in dieser Saison in Führung.

Bad Cannstatt - Die Verweildauer an der Tabellenspitze der Bezirksliga ist derzeit kurz. Nur ein Spieltag hielt sich die Spvgg Cannstatt am Platz an der Sonne, musste diesen nach der Niederlage an den TSV Musberg abtreten. Großer Jubel herrschte indes beim TB Untertürkheim – 4:1 wurde Möhringen besiegt. Damit sind die Kicker vom Gehrenwald nicht mehr punktlos und schöpfen wieder Hoffnung für die kommenden Aufgaben. Darüber hinaus gab es am vergangenen Spieltag eine coronabedingte Absage – ein Vater eines Feuerbacher Spielers wurde positiv getestet, weshalb die Partie bei Croatia Stuttgart vorsichtshalber abgesetzt wurde.

TSV Musberg – SG Untertürkheim 2:1

Auch wenn der Aufsteiger SG Untertürkheim nach 90 Minuten mit leeren Händen dastand, gab es für Trainer Theo Fringelis eine wichtige Erkenntnis: „Die Mannschaft lebt.“ Damit meinte er das deutlich verbesserte Zweikampfverhalten, die wiedererlangte Durchschlagskraft sowie den Willen seines Teams. „Trotz des 0:2-Rückstands zur Pause hat man in der Kabine gespürt, dass man das Ding noch umdrehen wollte“, so Fringelis. Und zwei Minuten nach Wiederanpfiff sprach noch mehr dafür: Nach Freistoß von Pawel Bielinski köpfte Marek Zappadka zum 1:2 ein. „Wie schon die gesamte Spielzeit über waren wir auch weiterhin das bessere Team, haben unsere vielen Chancen, aber leider nicht verwertet.“ So traf zum Beispiel Bielinski noch zwei Mal die Latte, Sideris Papadoupolus und Moitz Zeh scheiterten in aussichtsreicher Position. Die Gastgeber, die durch den Sieg nun neuer Tabellenführer der Liga sind, konnten sich indes auf ihre Stärke bei Standardsituation verlassen – beide Musberger Treffer resultierten daraus. Die Torschützen waren Marc Wiederoder (31.) und Wolfgang Simon (42.).

SV Vaihingen – Türkspor Stuttgart 1:4

Es war ein neues Gefühl für die beiden Türkspor-Trainer Damir Bosnjak und Kerem Arslan. Während ihr Team bei den ersten fünf Spielen jeweils einem Rückstand hinterherlaufen musste, ging man dieses mal selbst in Führung. Nach einem doppelten Doppelpass zwischen Ugur Capar und Daniel Bosnjak bediente letzterer in der Mitte Marcel Avdic, der nach 21 Minute zum 1:0 vollendete. In der 33. Minute verwandelte Erdal Koyuncu einen an Capar verursachten Elfmeter zum 2:0. Ko­yuncu wurde in der 20. Minute für Gerrit Müller eingewechselt, dem der Oberschenkel zwickte. „Wir wollten kein Risiko eingehen, hatten ja genügend Spieler auf der Bank sitzen.“ So viele, dass der Platz knapp wurde – zwölf standen Türkspor am Sonntag für die Einwechslung zur Verfügung.

Türkspor hatte die Partie auch im zweiten Abschnitt im Griff, wobei für Bosnjak Vaihingen bislang der beste Gegner gewesen sei. „Sie haben sich nicht verschanzt, versucht mitzuspielen und hatten auch drei, vier gefährliche Situationen, die wir aber noch entschärfen konnten.“ Capar nach Vorlage von Daniel Bosnjak erzielte das 3:0 (61.). Sechs Minuten später waren die beiden wieder beteiligt, diesmal bediente Capar und Bosnjak traf zum 4:0. In der 78. Minute gelang Ali Haydar Hazös der Ehrentreffer für die tapferen Vaihinger.

TB Untertürkheim – Möhringen 4:1

Der Mannschaft samt Trainer Uwe Braun ist ein großer Brocken vom Herzen gefallen, als der erste Dreier der Saison perfekt war. „Ja, das war unheimlich wichtig“, atmet TBU-Coach Uwe Braun tief durch und spricht von einem harten Stück Arbeit, denn auch Möhringen habe mächtig dagegengehalten und mehr Ballbesitz gehabt. „In Summe hatten wir aber mehr klare Chancen.“ Was die Einstellung und Einsatzbereitschaft anbelangt, war er von seinen Akteuren begeistert. „Das war richtig top. Sie haben von der ersten bis zur letzten Minute alles gegeben und auch nach Rückschlägen nicht die Köpfe hängen gelassen.“ So wie beispielsweise in der 31. Minute – vier Minuten zuvor hatte Marvin Wolf per Foulelfmeter das 1:0 für die Hausherren besorgt – als Nils Großer Scharmann zum 1:1 einnetzte. „Die Köpfe gingen nicht nach unten, sondern es wurde weitergespielt, als ob nichts geschehen sei.“ Mit Erfolg. Unmittelbar vor der Pause bediente Wolf Kevin Sholabomi, dieser zog an zwei Feldspielern und Spvgg-Torhüter Emilio Pinto vorbei und besorgte die erneute Führung. Nach der Pause vergaß der TBU nachzulegen und konnte sich bei Schlussmann Marcel Janik bedanken, der im Eins-gegen-Eins Sieger blieb und so das 2:1 sicherte. Als Janik Koziol in der 78. Minute „sensationell“, so Braun, den Turbo von der Mittellinie aus zündete, drei Möhringer stehen ließ und zum 3:1 traf, beruhigte sich das Geschehen auf dem Platz. Dem kurz zuvor eingewechselten Yannick Riess-Morales gelang in der Nachspielzeit noch das 4:1.

TSV Rohr – Spvgg Cannstatt 3:2

Eine Abkühlung war nach der Partie dringend nötig. Da kam es nicht ungelegen für die Kicker der Spvgg Cannstatt, dass das Team geschlossen in die Eisdiele von Trainer Carmine Napolitano ging und sich ein paar Kugeln gönnte. Die Niederlage hatten sich die Cannstatter nämlich selbst eingebrockt beziehungsweise sind der Vielzahl an Fehlschüssen vor dem Tor geschuldet. „Ich kann dem Team keinen Vorwurf machen, niemand schießt absichtlich neben das Tor“, so Napolitano. Einzig zwischen der 19. und 23. Minute waren die Gäste nicht auf der Höhe „sondern im Tiefschlaf“, hat Napolitano erkannt. Sissoko Mamadou und zweimal Kai Hauner jeweils per Sonntagsschuss sorgten für das überraschende 3:0 des Aufsteigers aus Rohr. Zuvor hätte es aber bereits auf der anderen Seite klingeln müssen. In den ersten drei Minuten vergaben Gianluca Marsiglio und Behar Hasanaj zwei Hochkaräter und auch „danach boten uns viele, gute Möglichkeiten, gefühlt jeder Akteur von uns hatte eine“. In der 29. Minute passte es und Hasanaj verkürzte nach Eckball Marsiglio auf 1:3. Auch nach der Pause waren die Gäste im Vorwärtsgang, doch im Abschluss wollte es einfach nicht klappen. „Zudem wurden zwei elfmeterreife Situationen nicht gepfiffen.“ Erst in der vierten Minute der Nachspielzeit erzielte Pascal Geidies das 2:3. Zu diesem Zeitpunkt stand Rohr nur noch zu zehnt auf dem Feld, ein Akteur sah in der 68. Minute die Ampelkarte.

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