Brücken bauen sind Jahresthema der Freundeskreise Foto: z

Die >Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe halten auch in Corona-Zeiten Kontakt untereinander. Da die wöchentlichen Treffen in Bad Cannstatt und Hedelfingen ausgesetzt sind, gibt es telefonisch Rat.

Bad Cannstatt/Hedelfingen - Nicht nur in der Stadt Venedig sichern Brücken die Verbindungswege und Versorgung von Einwohnern und Touristen. Auch die württembergischen Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe bestehen aus einem stabilen Brückennetzwerk mit 191 Selbsthilfegruppen.

2020 machen die Freundeskreisler das „Brücken bauen“ zum Jahresthema. Gewachsene Freundschaften sollen gewürdigt und neue Brücken gebaut werden zu Menschen, die marode Wege der Vergangenheit verlassen und neue Lebensinhalte suchen wollen: Ohne Suchtmittel und ohne alte Cliquen, in denen Bierflaschen und Joints das Klima bestimmen.

Unterstützung durch erfahrene Brückenbauer

„Wer Vergangenes hinter sich lassen und neue Ufer suchen will, braucht Unterstützung durch erfahrene Brückenbauer, wie es die Mitarbeiter der Freundeskreise sind. Sie haben dieselben Wege hinter sich – ob als Suchtkranke oder Angehörige – und wissen, welche Konstruktionen alltagstauglich sind und welche bei der nächstbesten Belastung wieder zusammenbrechen“, weiß Rainer Breuninger, Geschäftsführer der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Landesverband Württemberg. Manchmal muss eine Brücke zu alten Gewohnheiten und Freunden konsequent abgebrochen werden, damit das Neue eine Chance bekommt. Es braucht Hilfe von außen, um sich den Kollateralschäden in Partnerschaft, Familie und am Arbeitsplatz stellen zu können, damit entstandene Gräben der Verletzung, Sprachlosigkeit, Wut und Hilflosigkeit repariert werden können. Damit kann Mut wachsen, wichtig ist, vergangenes Scheitern beim Namen zu nennen und das Gespräch neu aufzunehmen. Brücken können zu neuen Freunden gebaut werden und zu sich selbst: Um sich mit allen Stärken und Schwächen, Ängsten und Träumen, Haken und Ösen neu kennenzulernen.

Das Netzwerk der Freundeskreise nutzt auch Brücken zu Beratungsstellen und Fachkliniken, damit Gruppenbesucher bei Bedarf in fachliche Behandlung vermittelt werden können. Wer noch auf alten, vertrauten Wegen unterwegs ist, die ihn immer tiefer ins Verderben geführt haben, hat meist Angst vor diesen noch fremden Freundeskreis-Brücken. Wer aber darüber gegangen und nicht mehr ins Alte zurückgekehrt ist, ist Gott dankbar für diese zweite Chance zum Leben. Für viele Gruppenteilnehmer in den Freundeskreisen wurden diese neuen Brücken zur Lebensrettung.

Wochentreffen ausgesetzt

Aufgrund der Corona-Krise haben viele Selbsthilfegruppen ihre wöchentlichen Treffen ausgesetzt. Die Gruppenleiter sind jedoch telefonisch erreichbar. Beim Freundeskreis Bad Cannstatt, der in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen feiert, ist Edmund Schaupp Kontaktperson. Er ist erreichbar unter Telefon 42 37 90, E-Mail: edmund.schaupp@web.de. Treffen wären jeden Dienstag von 19 bis 21 Uhr im Pfarrsaal im Pfarrhaus, Emser Straße 9. Kontaktperson beim Freundeskreis Hedelfingen ist Peter Massek, Mobil: 0173 1902546, E-Mail: peter.massek@outlook.de. Deren Treffen wären jeden Donnerstag von 19 bis 20.30 Uhr im Turmzimmer der Kreuzkirche, Amstetter Straße 25.

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