Das einstige Gelände des AWO-Waldheims soll als Grünfläche der Allgemeinheit zur vielfältigen Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Foto: Mathias Kuhn

Auf dem einstigen Gelände des AWO-Waldheims im Gehrenwald soll eine Grünfläche für die Allgemeinheit geschaffen werden.

Untertürkheim - Das Grundstück im Gehrenwald, auf dem einst das AWO-Waldheim stand, ist eine der wenigen freien Flächen in Untertürkheim. Kein Wunder, weckt es Begehrlichkeiten. Nach dem Abriss des einem Brand zum Opfer gefallenen Waldheims der Arbeiterwohlfahrt war das Gelände interimsweise als Logistikfläche für die Baufahrzeuge und Materialien genutzt worden, die während des Baus des neuen Regenrückhaltebeckens benötigt wurden. Rund um den TBU-Sportplatz war das Kanalsystem erneuert worden. Das Eckgrundstück ist heute Brachland. „Nachdem die Stadtverwaltung sowohl dem Bau einer Kindertagesstätte als auch der Ausweisung des Geländes als neues Wohngebiet eine Absage erteilt hat, wollen wir, dass das Gelände der Allgemeinheit zu gute kommt“, erklärte SPD-Bezirksbeirat Werner Kapitza in der vergangenen Bezirksbeiratssitzung.

Naherholungsgebiet für Allgemeinheit

Seine Fraktion hatte deswegen den Antrag gestellt, die freigewordene Waldheimfläche in Form einer Streuobstwiese als Naherholungsgebiet anzulegen. In ihre Überlegungen haben die Politiker das benachbarte Grundstück, das lange Jahre als katholisches Waldheim genutzt wurde, mit einbezogen.

Der Vorschlag der SPD-Fraktion: Die Flurstücke sollten als Streuobstwiese mit verschiedensten Früchten als Naherholungsgebiet angelegt werden. Teilabschnitte sollten als Urban Gardening den Untertürkheimern ohne Gartengrundstück zur Verfügung gestellt werden. Zwei weitere Interessengruppen haben allerdings auch ein Auge auf das Eckgrundstück geworfen: HundebesitzerInnen und Silvia Rehm, die Leiterin des Jugendhauses Café Ratz, die auf dem Grundstück „Rückzugsräume für Jugendliche“ installieren will.

Bewegungsraum für Jugendliche

Denn, so stellten die Bezirksbeiräte in der vorangegangenen Debatte des Sicherheitsrats fest, den Jugendlichen aus Untertürkheim und Luginsland fehlen Plätze, auf denen sie sich treffen können, ohne in Konflikt mit AnwohnerInnen oder PassantInnen zu kommen. „Gerade die Corona-Monate und die Zeit nach dem Lockdown zeigen, dass die Jugendlichen Möglichkeiten benötigen, um sich zu bewegen und miteinander etwas zu unternehmen, ohne unter Beobachtung zu stehen“, meinte Rehm. Das Grundstück würde sich dafür eignen: Es ist weit genug von der Wohnbebauung entfernt, um die Nachbarn nicht zu stören, und liegt doch noch so nah am Ortskern, dass es für die Jugendlichen zu erreichen ist. Noch sei kein Konzept ausgearbeitet worden, aber Rehm deutete an, dass sie sich eine gewisse Selbstverwaltung und Eigenverantwortung durch die heranwachsenden Jugendlichen vorstellen könne.

Umzäunte Hundewiese

HundebesitzerInnen beanspruchen jedoch auch einen Teil der einstigen Grünfläche und haben Unterschriften für die Idee gesammelt. „Im Gehrenwald treffen sich viele Hundefreunde mit ihren Vierbeinern. Da die Feldwege aber auch durch Autos und Radfahrern stark benutzt werden, kommt es immer wieder zu Konflikten“, erklärte eine Sprecherin der Hundefreunde. Auch die Wengerter seien nicht beglückt, wenn die Hunde durch die nahen Weinberge tollen. Damit ihre Vierbeiner sich aber irgendwo ohne Leine austoben können, wünschen sie sich „zumindest ein Stück des Grundstücks als umzäunte Hundewiese, um dort auch mit unseren Hunden trainieren zu können.“ Die Hundefreunde würden sich auch um die Pflege der Wiese kümmern wollen.

Urban Gardening möglich

CDU-Bezirksbeirat Michael Warth merkte an, dass das Grundstück nicht so riesig sei, als dass man es zerstückeln könne. Ihm gefiel die Idee, es als Obstbaumwiese anzulegen und ihm den Charakter eines Urban Gardening zu geben. „Als eine offene Fläche mit Parkcharakter und Streuobstbäumen, die der Allgemeinheit zu vielfältigen Nutzung zur Verfügung steht“, präzisierte Werner Feinauer (SPD) seinen Antrag. Die Bezirksbeiräte können sich ein harmonisches Miteinander von Jugendlichen, Hundebesitzern und Wanderern, die dort vorbeikommen, gut vorstellen. Mit sechs Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme wurde der SPD-Antrag angenommen.

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