So könnte der mobile Freizeitpark aussehen. Foto: /Heiko R. Schimanzik (z)

Jahrmarkt-Kultur und Gesundheitsschutz soll möglich gemacht werden, fordern die Rathausfraktionen von SPD, FDP und Freien Wählern. Schaustellern soll ein mobiler Freizeitpark auf dem Wasen ermöglicht werden.

Bad Cannstatt - Das 175. Cannstatter Volksfest wird in diesem Jahr nicht durchgeführt. Großveranstaltungen sind bis Ende Oktober ausgesetzt. Freizeitparks hingegen wird seit Pfingsten unter strengen Auflagen der Betrieb erlaubt. Schausteller, denen seit dem Weihnachtsmarkt 2019 die Einnahmen fehlen, weil alle Veranstaltungen angesagt wurden, haben Konzepte erarbeitet, Feste im Stile von temporären Freizeitparks anzubieten. Zwei derartige Konzepte liegen der Stadt vor. Einmal von den Schaustellerverbänden als „Karusselltage“ tituliert, einmal von der Arbeitsgruppe Herbstfest, einem Zusammenschluss mehrerer Schausteller (wir berichteten).

Zwischenbericht im Ausschuss

Im Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen am 8. Mai sicherten die Fraktionen Unterstützung zu. Es sollen Gespräche geführt und die Auflagen und Umsetzung in den Freizeitparks geprüft werden. Jetzt haben die Gemeinderatsfraktionen von SPD, FDP und Freien Wählern in einem Antrag nachgehakt. Sie wollen in der Sitzung am kommenden Freitag einen Bericht über die Erfahrungen der Freizeitparks und über die Ergebnisse der Gespräche im Rathaus mit den Schaustellervertretern. Zudem soll bis zum 17. Juli ein Vorschlag erarbeitet werden, wie den Stuttgarter Schaustellerinnen und Schaustellern die Durchführung eines temporären Freizeitparks auf dem Cannstatter Wasen ermöglicht werden kann.

Beide Konzepte zusammengefasst

In den Gesprächen im Rathaus kristallisierte sich heraus, dass die beiden vorliegenden Konzepte zusammengefasst und das Beste aus beiden umgesetzt werden sollen. Die Schausteller beobachten unterdessen genau, wie die mobilen Freizeitparks, die in anderen Bundesländern genehmigt wurden und derzeit am Entstehen sind, angenommen werden. Besteht dafür überhaupt eine Nachfrage? Daraus sollen erste Schlüsse gezogen werden. Denn es nütze nichts, ein entsprechendes Konzept umzusetzen, das wenig Zuspruch erfährt.

Bei den Gesprächen mit Wasenbürgermeister Thomas Fuhrmann wurde auch über den Standort Messe als Veranstaltungsort gesprochen. Von dort sei der Wunsch an die Stadt geäußert worden. Doch laut Stadt sei der Standort am Flughafen nicht dafür geeignet, unter anderem weil die Erreichbarkeit erschwert sei. Der Cannstatter Wasen sei der optimale Ort dafür. In zwei Woche ist ein runder Tisch anberaumt, bei dem Stadt, die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart und die Schaustellervertreter wieder zusammenkommen werden. Zudem steht die Stadt in regelmäßigem Austausch mit dem Land. Denn von da kommen die Auflagen und Vorgaben für entsprechende Vergnügungsangebote. Klar ist, dass Festzelt im Konzept nicht vorgesehen sind.

Schausteller fordern Nachbesserung

Unzufrieden sind die Schausteller indes mit dem Konjunkturprogramm und der Berücksichtigung ihrer Branche. „Das ist nicht auf uns zugeschnitten“, berichtet Mark Roschmann, der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Südwest, der auch an den regelmäßigen Konferenzen mit der Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut teilnimmt. „Da muss nachgebessert werden.“ Der Deutsche Schaustellerbund arbeite mit Hochdruck daran. Entsprechende Klagen werden derzeit vorbereitet. Die mündlichen Zusagen waren zunächst vielversprechend. Das konkrete Ergebnis sei aber nicht zufriedenstellend.

Bereitschaft für Unterstützung vorhanden

Die Branche wartet auf Signale von Bund und Land, wie es weitergeht. Wann können Betriebe und Fahrgeschäfte wieder aufgebaut werden? Ist dies in diesem Jahr noch denkbar? Falls nicht, sollte es entsprechende Unterstützung geben. Unterdessen bereitet die Stadt denWeihnachtsmarkt vor. Zum einen gilt das Verbot für Großveranstaltungen bis 31. Oktober, zum anderen fällt der Weihnachtsmarkt unter die Kategorie Markt. „Da muss man sehen, was im November verlangt wird“, hofft Roschmann auf positive Signale. Ganz wichtig ist ihm zu betonen: „Die Gesundheit steht natürlich immer an erster Stelle.“ Bereitschaft zu unterstützen sei da. Im Hamburg etwa müssen Schausteller keine Standgebühren bezahlen, im Luxemburg unterstützt das Land Schausteller sogar finanziell beim Aufbau ihrer Betriebe.

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