Fördervereinsvorsitzender Lars Köhler und Foto: Mathias Kuhn

Der Förderverein Hallenbad Untertürkheim feiert sein 25-jähriges Bestehen. Die Ehrenamtlichen führen und verantworten den Betrieb des einstigen Stadtbads – eine einmalige Konstellation im Land.

Untertürkheim - Das Hallenbad Untertürkheim ist einzigartig. Es ist das einzige von einem Verein geführte Stadtbad im Land. Seit 25 Jahren organisiert, verantwortet und sichert der Förderverein Hallenbad den Schwimmbetrieb. Ein Vierteljahrhundert bürgerliches Engagement für die Allgemeinheit. Das Jubiläum sollte am Donnerstag mit einem Festakt gefeiert und der vorbildliche Einsatz gewürdigt werden. Denn ohne das Engagement der Ehrenamtlichen wäre die Schwimmhalle am Karl-Benz-Platz vermutlich längst geschlossen. Schüler, Breiten- und Leistungssportler aus den Oberen Neckarvororten müssten dann weite Wege auf sich nehmen. Obwohl das Stadtbad nur Schulen und Vereinen vorbehalten ist, steigen dort jährlich mehr als 26 000 Besucherinnen und Besucher ins Becken. „Mit Ausnahme der Stunden, an denen die Becken gereinigt werden müssen, ist das Schwimmbad werktags von 8 Uhr bis in die späten Abendstunden belegt“, sagt Vereinsvorsitzender Lars Köhler.

Die Vormittagsstunden sind den Schulen der Oberen Neckarvororte vorbehalten. Am Nachmittag und Abend dürfen die Vereine ins Wasser. Insgesamt neun Vereine teilen sich die Stunden: Schwimmsportler, Unterwasserrugby-Spieler, Wasserballer, Kanuten, Lebensretter der DLRG, muslimische Frauen und viele Babys und Kinder, die im Untertürkheimer Becken ihre ersten Schwimmversuche machen und lernen, sich über Wasser zu halten. Die Schwimmkurse der Vereine sind begehrt. „Ohne das Stadtbad müssten die Schülerinnen und Schüler in weit entfernte Hallenbäder fahren, die Unterrichtszeit wäre dadurch kürzer oder sie hätten keinen Schwimmunterricht und es gäbe in Stuttgart noch mehr Nichtschwimmer.“, sagt Gerd Schumacher, Fördervereins-Gründungsmitglied und Großvater.

Die Furcht vor diesem Defizit führte vor einem Vierteljahrhundert auch zur Gründung des Fördervereins. 1994 plante das damalige Bäderamt der Stadt das Stadtbad zu schließen. Die Besucherzahlen sanken. Der Aufschrei in der Bevölkerung war groß. Doch es blieb nicht beim Protest. Engagierte Bürger wie der AGUV-Vorsitzende Peter Schürrle, Auschulrektor Horst Bätzel, Bezirksvorsteher Klaus Eggert, der damalige TBU-Vorsitzende Gerd Schumacher und weitere Aktive der Schwimmsportvereine der Neckarvororte wollten das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen. Am 10. Mai 1995 gründeten sie im Beisein von 79 Anwesenden den Förderverein und nach Protesten auch vor dem Stuttgarter Rathaus lenkte der damalige Oberbürgermeister Manfred Rommel unter einer Bedingung ein: Der Betrieb des Bades wurde am 30. September 1995 an den neuen Verein übergeben. Der öffentliche Bad- und Saunabetrieb musste jedoch aufgegeben werden. Nur Schulen und Vereine haben Zutritt. Denn der Aufwand ist groß: Die Ehrenamtlichen müssen den Betrieb gewährleisten, ihn finanzieren, die Stundenvergabe organisieren, die Hygiene gewährleisten, immer wieder wegen kleineren und größeren Herausforderungen vor Ort sein und diese managen. Als Ersatzaufsicht für städtische Schwimmmeister fungieren seither Lehrer und Vereinsvertreter mit entsprechender Ausbildung als Helfer. Zur finanziellen Unterstützung des Vereins zahlt die Stadt Stuttgart seit 25 Jahren Pauschal-, Reinigungs- und Nutzungszuschüsse von jährlich über 40 000 Euro. Der Verein finanziert seinen Haushalt von knapp 60 000 Euro zudem über Hallengebühren der Vereine, Sonderveranstaltungen, Schwimmsportveranstaltungen, Verbandslehrgänge und Mitgliedsbeiträge. In Spitzenzeiten hatte der Verein fast 500 Mitglieder. „Die Mitgliederzahl ist derzeit auf 200 Mitglieder gesunken. Viele Mitglieder der ersten Tage sind verstorben oder wegen Umzug ausgetreten, junge Eltern rücken weniger nach, da sie auch für Schwimmkurse Kursgebühren oder Mitgliedsbeiträge an Vereine zahlen müssen und die Werbung in Schulen nicht erlaubt ist“, sagt Kassier Schumacher.

Der Stadtbadbetrieb funktioniert gut, deswegen ist der Druck sich solidarisch zu zeigen, nicht mehr so groß wie 1995. „Zu unserem 25-jährigen Bestehen wollten wir deswegen mit dem kleinen Festakt, der Teilnahme am Abendmarkt und anderen Aktionen auf den Verein und seine Bedeutung aufmerksam machen“, so Köhler. Das Corona-Virus hat diese Ideen zunichte gemacht.

Wer dem Förderverein beitreten will, kann sich unter Telefonnummer 216 20370 bei Lars Köhler melden.

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