Die Stadt will das Gelände der Firma Kälte Fischer in der Augsburger Straße nun doch erwerben. Foto: Mathias Kuhn

Erfreuliche Nachricht: Die Stadtverwaltung will nun doch das Areal der Firma Fischer Kälteklima in der Augsburger Straße erwerben. Dort könnte das neue Feuerwehrhaus errichtet werden.

Untertürkheim - Untertürkheim besitzt wenige Grundstücke, die städtebaulich genutzt werden können. Das Kälte-Fischer-Areal in der Augsburger Straße hat das Potenzial dazu. Lange sah es danach aus, dass ein Privatinvestor dort ein Wohnprojekt verwirklichen wird. Nun die Überraschung: Aus gut unterrichteten Kreisen im Rathaus wurde bekannt, dass die Landeshauptstadt das Filetstück erwirbt und dort das neue Feuerwehrhaus und eine Kita bauen will. Ein jahrelanges Tauziehen fände ein für den Stadtbezirk glückliches Ende.

Seit einigen Jahren ist bekannt: Die Firma Fischer Kälteklima gibt den Standort unweit des Ortskerns auf. Das Unternehmen wurde vor 95 Jahren in Bad Cannstatt gegründet und zog vor knapp 40 Jahren nach Untertürkheim. Die Tage der Hauptverwaltung des Spezialisten für Kälte- und Klimaanlagen sind jedoch gezählt. Im Herbst erfolgt der Umzug. Das Unternehmen will seine Abteilungen – Büros und Hallen – am neuen Firmensitz in Kernen-Rommelshausen konzentrieren. Damit wird das rund 5500 Quadratmeter große Grundstück an der Augsburger Straße 289 bis 293 frei. Der ideale Bauplatz für ein neues Feuerwehrhaus?

Der heutige Standort der Freiwilligen Feuerwehr in der Hindelanger Straße im Kernbereich der Altstadt liegt nicht ideal. „Die Straße ist sehr eng, die Ausfahrt nur erschwert möglich. Darüber hinaus wäre das Gebäude im Fall einer vollständigen Sanierung für neueste Anforderungen wie Abgasabluft oder Unfallverhütung nicht mehr geeignet“, argumentierte vor zwei Jahren die Grünen-Fraktion in einem Antrag. Zunächst ohne gehört zu werden. Auch Untertürkheims Bezirksbeirat, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Untertürkheim Holger Kamm und einige Stadträte machten die Stadt auf die Chance aufmerksam. Schließlich hatte Stuttgart ein Vorkaufsrecht auf das Grundstück, übte dieses allerdings nicht aus. So wurde das gesamte Areal mit den darauf stehenden Hallen und Bürogebäuden 2018 an einen Privatinvestor verkauft. Für viele Untertürkheimer ein Skandal.

Einige Stadträte und die Feuerwehrverantwortlichen ließen nicht locker. Nun die selbst für Holger Kamm überraschende Wendung. Während den vergangenen Monaten sprachen die städtischen Ämter nochmals mit dem Investor und vergangene Woche stimmten die Stadträte dem Erwerb des Kälte-Fischer-Areals zu. „Für die Freiwillige Feuerwehr Untertürkheim ist dies wie ein Sechser im Lotto“, sagt Kamm. Er und seine Stellvertreter haben sämtliche sonst gut gemeinten Vorschläge geprüft und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Einen geeigneteren Standort als die Augsburger Straße für das neue Feuerwehrmagazin gibt es im Stadtbezirk nicht. Im Alarmfall würden die Kameraden schnell das Magazin erreichen und wären mit den Feuerwehrfahrzeugen von der Augsburger Straße auch rasch am Brand- oder Unfallort. „Ein Quantensprung für unsere Abteilung“, so Kamm. „Es ist nicht nur eine Zukunftsentscheidung zugunsten der Feuerwehr, sondern auch für den Stadtbezirk. Dem Viertel bietet dies Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt Grünen-Stadtrat Björn Peterhoff. Allen ist bewusst, dass sie sich noch gedulden müssen.

Zunächst, so heißt es in Rathauskreisen, müsse eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. Dann werde sich zeigen, ob zusätzlich zum neuen Feuerwehrhaus und einer möglichen Kindertagesstätte auch noch Wohnbebauung und Flächen oder Lagerplätze für Handwerksbetriebe möglich sind. Auch die Rote-Kreuz-Bereitschaft der Oberen Neckarvororte sucht ein neues Domizil. Bis dann der Bebauungsplan erstellt und mit dem Umbau begonnen wird, könnten mindestens drei Jahre vergehen. Interimsweise, so die Überlegung der Stadtverwaltung, könnten die Räume für Start-ups oder andere Firmen genutzt werden. „Eine erfreuliche Nachricht. Untertürkheim eröffnet dies neue Perspektiven“, dankte Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel den beteiligten Behörden und Entscheidungsträgern.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: