Auch die Übungen, wie hier von der Freiwilligen Feuerwehr in Hedelfingen im Neckarhafen, sind zurzeit eingestellt. Foto: Freiwillige Feuerwehr Hedelfingen (z)

Das Corona-Virus stellt die Freiwilligen Feuerwehren vor große Herausforderungen: Die Übungen sind eingestellt, Kameradschaftstreffen verboten. Die Kommandanten fürchten Nachwuchsprobleme.

Untertürkheim - Die Freiwilligen Feuerwehren der Oberen Neckarvororte haben schon etliche Stürme, Verkehrsunfälle, verheerende Brände und Explosionskatastrophen gemeistert, die Corona-Krise fordert von den Ehrenamtlichen jedoch Außergewöhnliches ab. „Solch ein schwieriges Jahr habe ich in meiner Zeit in leitender Funktion noch nicht erlebt“, sagen die erfahrenen Feuerwehrkommandanten Holger Kamm aus Untertürkheim und Hans Eisele aus Hedelfingen. Das Sars-Covid-19-Virus und die Folgen der Pandemie wirken sich auf die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren gravierend aus: „Von Mitte März bis Ende Juli war der normale Übungsbetrieb praktisch eingestellt. Das Infektionsrisiko sollte verständlicherweise minimiert werden“, sagt Kamm. Um trotz der Beschränkungen weiterhin eine adäquate Aus- und Fortbildung sicherzustellen, führten die Untertürkheimer Einsatzkräfte während der Schließzeit virtuelle Online-Übungen durch. Seit August durften die ehrenamtlichen Feuerwehrleute sich dann wieder zu Übungen treffen – unter Coronabedingungen. „Nämlich nur in kleinen Gruppen von zehn bis zwölf Aktiven, wobei wir darauf achten mussten, dass die erste Gruppe keinen Kontakt zu einer der anderen hat“, sagt Kamm.

„Maskenpflicht und Abstandsregeln erschweren das Übungsprogramm und das Zusammengehörigkeitsgefühl“,äußerte sich auch Rohrackers Kommandant Ralph Werner in der Sitzung des Hedelfinger Sicherheitsbeirats besorgt. Denn nach den Übungen und Einsätzen müssen die Kameraden getrennt nach Hause gehen. „Das gemeinsame Verarbeiten des Einsatzes und das gemütliche Miteinander fehlen“, sagt Kamm. Zumal von März bis August auch die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehrabteilung zurückgefahren wurden. Die Ehrenamtlichen wurden nur zu „hilfsfristrelevanten Einsätzen“ gerufen, sagt Christopher Haigis, Pressesprecher der Branddirektion. Wenn jede Minute zählte, rückten die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr gemeinsam aus. Wenn es um die Behebung einer Ölspur oder dem Abfalleimerbrand ging, blieben die Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehren in der Garage. „Infektionsschutz hatte oberste Priorität“, so Haigis. Mitglieder der Berufsfeuerwehr sollten wenig Kontakt zu Kollegen der Freiwilligen Feuerwehren kommen, um das Ansteckungsrisiko gering zu halten.

Dies führte zu kuriosen Situationen. Bei einem Rauchwarnmelderalarm in unmittelbarer Nachbarschaft der Untertürkheimer Feuerwache mussten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr zuschauen, wie die Kollegen der Berufswehr anrückten. „Dies ist nicht motivationsfördernd“, sagen sowohl Kamm als auch Eisele. Zumal der Übungsbetrieb seit dieser Woche wieder eingestellt ist. „Die Kameradschaft leidet“, sagt Eisele.

Die größere Sorge gilt der Nachwuchsarbeit. Jugendfeuerwehr und Bambini-Gruppen mussten von März bis September pausieren. Die Verantwortlichen der Jugendfeuerwehren versuchten, die Kinder zwar mit Aktionen wie Bastelbögen und digitalen Angeboten bei der Stange zu halten. „Wir haben aber Kinder und Eltern, die sich abgemeldet haben und mit dem neuerlichen Lockdown wird sich die Situation verschärfen“, berichten die Kommandanten. Hinzu komme, dass die Freiwilligen Feuerwehren keine Möglichkeit haben, für ihren wichtigen Dienst an der Gesellschaft zu werben. Feuerwehrhocketse, Teilnahme an Stadtbezirksfesten wie dem Fleggatreff und Knaubirasonntag, Schauübungen und andere von den Feuerwehrabteilungen mitgetragenen Veranstaltungen entfallen. Auch in der Adventszeit sind den Feuerwehrmännern und -frauen die Hände gebunden. Die Hedelfinger Feuerwehrleute dürfen dieses Jahr beim Aufstellen des Weihnachtsbaumes auf dem Platz am Alten Haus nicht mitanpacken, und sie mussten das Weihnachtsliedersingen absagen. „Corona wird deutliche Spuren hinterlassen“, befürchten Kamm und Eisele.

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