Der Besuch von OB Fritz Kuhn beim „Amtskollegen“ von Ratzelbach fällt 2020 aus. Foto: Mathias Kuhn

Enttäuschung für Kinder und Eltern: Die Waldheimferien im Gehrenwald und die Kinderspielstadt sind abgesagt. Die coronabedingten Auflagen machen einen Ferienbetrieb unmöglich.

Untertürkheim - Finden die Ferienwaldheime statt, öffnet die Spielstadt Ratzelbach ihre Tore und was geschieht mit Akitanien? Kinder, Eltern, haupt- und ehrenamtliche Betreuer leben seit März im Ungewissen, was die Planungen der Sommerferien betrifft. Nun rangen sich viele Organisatoren – notgedrungenerweise – zu einem Entschluss durch. „Die Eltern wollen Planungssicherheit und wir können nicht länger warten. Normalerweise wären wir bereits mitten in den Vorbereitungen“, sagen Silvia Rehm, die Leiterin des Café Ratz, und Corina Berner, die Leiterin des evangelischen Ferienwaldheim Untertürkheim. Vor zehn Tagen hat das Sozialministerium endlich den Planungsrahmen für die Kinder- und Jugendarbeit veröffentlicht. Nach ausführlichem Studium der Bedingungen hat die evangelische Kirchengemeinde „eine für uns alle schmerzliche Entscheidung treffen müssen“, sagt Pfarrer Reinhard Mayr. „Zum ersten Mal in der bald hundertjährigen Geschichte des Waldheims wird es ausfallen. Wir sind unglaublich gefrustet und traurig“, sagt Berner. Die Absage sei aber alternativlos. Unter den geforderten Auflagen wäre ein Waldheim in gewohnter Form undurchführbar. „Im Waldheim leben die Kinder von Begegnungen, genießen unbeschwert die Freiheit. Die Einschränkungen führen dazu, dass die Freizeit zu einer Kinderaufbewahrung würde. Das entspricht nicht dem Waldheimgedanken“, bedauert Berner. In einem Brief an die Eltern nennen die Verantwortlichen die Rahmenbedingungen: Statt 280 Kinder und 70 Betreuern dürfen nur 100 Personen (70 Kinder und 30 Betreuer) aufs Gelände. Die Gruppen dürften nicht größer als 15 Personen sein und müssen sich in einem festen Gruppenraum aufhalten. Kontakte unter den Gruppen sind tabu. Das Küchenpersonal muss komplett isoliert werden und das Essen würde kontaktlos auf Tabletts serviert, statt beim gemeinsamen Mittagstisch aller an langen Tafeln. Ausflüge, Eröffnungs- und Familienfeste, Singen, Theaterspielen oder Kicken sind verboten. „Die Kinder würden stärker eingeschränkt als in der Schule und noch überwachter als daheim oder auf dem Spielplatz leben. Nach zwei Tagen würden sie lieber daheim bleiben, als ihre Zeit im Waldheim abzusitzen“, sagt Mayr. Die Betreuenden machen sich über Alternativangebote Gedanken.

Ähnlich ergeht es dem Café-Ratz-Team. Bis zuletzt hatten sie gehofft, eine Art Spielstadt auf die Beine stellen zu können. Nun entschied die Jugendhausgesellschaft, sowohl Stutengarten als auch Ratzelbach abzusagen. „Die Kinderspielstadt lebt vom Austausch, vom täglichen Wechsel der Berufe und dem Zusammenkommen aller. Mit den Auflagen funktioniert diese Idee nicht“, sagt Rehm. Die Ratzelbachkinder hätten eine Woche lang nur in einer Zehner-Gruppe verbringen und den Kontakt zu anderen auf dem Jugendhaus-Gelände meiden müssen. Rehm kennt jedoch die Wünsche der Kinder und die Nöte mancher Eltern in der Ferienzeit. „Deswegen haben alle Café-Ratz-Mitarbeiter auf den Sommerurlaub verzichtet. Wir sind dabei, Alternativangebote für die sechs Ferienwochen auszuarbeiten“, sagt Rehm. So wird es in der ersten Ferienwoche das Projekt „Aus alt mach neu – die Papierfabrik“ und das einwöchige Naturerkundungsprojekt „Raus ins Grüne“ geben. Auch das Projekt Holzabenteuerhaus und ein Filmprojekt sind fest eingeplant.

Auf dem Hedelfinger Aktivspielplatz Dürrbachtal wird dagegen Akitanien wieder eröffnen. „Allerdings mit Einschränkungen. So müssen wir zwei Gruppen machen. Die einen können dann nur morgens, die anderen am Nachmittag die Welt der Gallier und Römer erleben. Wichtig ist, dass sich die Kinder für eine der beiden Gruppen fest anmelden müssen“, sagt Betreuer Lorenz Ihle. Akitanien beginnt dieses Jahr bereits am ersten Ferientag und geht bis 7. August. „Wir werden aber die gesamte Ferien über geöffnet haben“, sagt Ihle.

Die Verantwortlichen der Arbeiterwohlfahrt warten die für heute angesagte Verordnung des Landes noch ab. „Aber wir gehen davon aus, dass wir im Hedelfinger Waldheim ein verkleinertes Angebot anbieten werden. Das wird nicht das volle Paket der vergangenen Jahre, sondern ein Ferienwaldheim mit kleinen Gruppen und strengen Abstandsregeln. Aber wir wollen die Eltern entlasten“, sagt Kerstin Kelm von der AWO Stuttgart und selbst Mutter in Homeoffice.

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