Simone Rosental, Kerstin Riedl und Carola Woide (v.l.) bereiten das „Würschtlegulasch“ Foto: /Mathias Kuhn

Heute ist der letzte Tag im Ferienwaldheim im Gehrenwald. 110 Kinder haben dort unter Corona-Bedingungen zwei gemeinsame Wochen verbracht. Die Einschränkungen wurden bei Spaß und Spiel zur Nebensache.

Untertürkheim - Fast wehmütig blickt Corina Berner auf die vergangenen Ferienwaldheimtage zurück. „Heute ist leider der letzte Tag.“ Dabei hatte sie mit einem unguten Gefühl dem Beginn der Waldheimsaison entgegengesehen. „Durch die Corona-Bedingungen müssen wir einschneidende Beschränkungen für die Mitarbeiter und vor allem für die Kinder in Kauf nehmen. Das unbeschwerte Miteinander, das die Waldheimzeiten eigentlich ausmacht, wird es nicht geben“, bedauerte die langjährige Leiterin noch Anfang Juli. Dennoch hatten sich die Organisatoren und die evangelische Kirchengemeinde dafür entscheiden, das traditionelle Ferienangebot im Gehrenwald auch unter Pandemiebedingungen anzubieten. Voraussetzung war: 31 Ehrenamtliche als pädagogische Mitarbeiter und fünf Helferinnen in der Küche sagten auch noch kurzfristig zu. Die zwei Ferienwochen waren gerettet – als Waldheim light.

Statt normalerweise 280 tollen nur 110 Waldheimkinder auf dem Gelände umher – noch dazu in vorgegebenen Bereichen. Die Kinder sind in festen Gruppen eingeteilt. „Und wir müssen schauen, dass die Gruppen sich nicht mischen und sich möglichst nicht begegnen“, sagt Hygiene-Beauftragter Benny Riedl. Das gemeinsame Mittagessen der sonst 280 hungrigen Kinder und der gemeinsame Abschluss am Abend fallen deswegen weitgehend aus. Die Gruppen essen jetzt möglichst weit getrennt voneinander und die große Schüssel mit Beilagen oder mit Salat, aus dem sich jeder das Essen fasst, kreist auch nicht mehr – aus hygienischen Gründen.

Die ehrenamtlichen Betreuer verteilen jetzt das Essen. „Was bei Hotdog wegen individueller Ketchup- oder Senf-Wünsche zu Warteschlangen führt. Bis der Letzte versorgt ist, hat der erste schon wieder Hunger“, sagt Küchenchefin Kerstin Riedl lachend. Nicht nur in der Küche, in der immer schon höchsten Wert auf Sauberkeit gelegt wurde, sondern auch im ganzen Haus wird darauf geachtet, dass das Infektionsrisiko so klein als möglich gehalten wird.

Pfeile auf dem Fußboden zeigen den Kindern und Erwachsenen, wie sie laufen sollen, mehrfach am Tag herrscht Händewaschpflicht, Türgriffe, Tische und Böden werden teilweise mehrfach am Tag nass gereinigt und desinfiziert. „Wir betreiben einen hohen Aufwand“, sagt Benny Riedl. Das Positive: „Die Kinder haben alles bereits verinnerlicht. Manchmal bekommen wir Betreuer sogar einen mahnenden Zeigefinger gezeigt, weil wir in der Eile, in die falsche Richtung laufen“, erzählt Berner lachend.

Ansonsten ernten die Betreuer viel Dankbarkeit. „Die Kinder sind glücklich, einmal wieder einige Tage gemeinsam etwas erleben zu dürfen. Einschränkungen nehmen sie gerne in Kauf. Bei Spiel und Spaß im Freien werden diese für die Kinder zur selbstverständlichen Nebensache“, sagt Berner. So haben die Waldheim-Betreuer auf größere Ausflüge mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln, auf den Besuch im Inselbad, längere Fahrradtouren und auch auf das Familienwochenende verzichtet. Dafür haben die Kinder den benachbarten Minigolfplatz besucht, jede Gruppe hat einen Regenbogen gebastelt und im Gelände aufgehängt. Sie haben die nahen Weinberge erforscht oder sind mit den Alpakas wie bei einer Karawane Richtung Rotenberg gezogen. „Die diesjährigen Ferienwaldheimkinder haben die Natur in der näheren Umgebung erforscht. Wir sind damit wieder ein Stück weit zu den Wurzeln des Waldheimgedankens zurückgekehrt“, sagt Berner. Entgegen der anfänglichen Skepsis ist die Rotenbergerin jetzt froh, dass das Organisationsteam sich Ende Juli kurzfristig doch für den Waldheim-Light-Betrieb entschieden hatte. „Es ist fast schon schade, dass es bereits vorbei ist. Jetzt hat sich alles bestens eingespielt“, sagt Berner.

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