Fellbach (red) - „Kein Bau des Nord-Ost-Rings“: Die Haltung des Fellbacher Gemeinderats ist eindeutig. Das Gremium verabschiedete einstimmig Fellbachs Stellungnahme zur Fortschreibung des Regionalverkehrsplans Stuttgart.

Die Räte befürworteten zwar die Zielsetzung - die Schaffung einer zukunftsweisenden Mobilität - im Grundsatz, lehnen aber den Nord-Ost-Ring als Instrument dazu grundsätzlich ab. Kritisch und verärgert reagierten die Stadträte auf den erneuten Vorstoß der Region, den Nord-Ost-Ring als vierspurige Verbindung zwischen Kornwestheim/Ludwigsburg und Fellbach/Waiblingen wiederzubeleben. Die viel diskutierte und eigentlich zu den Akten gelegte Verknüpfung zwischen der B 27 und der B 14 über das Schmidener Feld sei „eine Transitautobahn“, kritisierte Stadtrat Ulrich Lenk (FW/FD), die keine Verbesserung aber eine deutliche Verschlechterung mit sich brächte. Der Ring diene als Verbindung zwischen Ulm und Heilbronn und nicht zur regionalen Entlastung, ergänzte Hans-Ulrich Spieth von der CDU-Fraktion. Mit diesem Bau „läuft der Kappelbergtunnel endgültig voll“. Die einhellige Meinung im Gremium: Der Ring vernichte landwirtschaftlich hochwertige Böden, durchschneide die Landschaft auf dem Schmidener Feld, ziehe mehr Verkehr in die Region und bringe keine Verbesserung der Verkehrssituation.

Grundlage der ausführlichen Stellungnahme der Stadt und der Gemeinderäte zum Regionalverkehrsplan war eine aufwendige Analyse der von der Region angegebenen Zahlen und vorgeschlagenen Maßnahmen durch das Fellbacher Baudezernat. Da die vorliegenden Pläne weder detailliert noch vollständig genug waren, um eine qualifizierte Beurteilung zu ermöglichen, unterzog Projektleiter Wolfgang Schmidt die Fellbach betreffenden Projekte einer kompletten Überprüfung und ergänzte Verkehrszahlen sowie im Plan fehlende Straßen. Demnach ist der vorgeschlagene Nord-Ost-Ring mit der sogenannten Andriofbrücke über dem Neckar keine Entlastung für die Region, sondern führt zu einem deutlich höheren Verkehrsaufkommen: Einer errechneten Entlastung von 7000 Autos steht ein Mehraufkommen von 40 000 Fahrzeugen gegenüber. Als Entlastung der Neckarbrücke in Remseck befürworten Verwaltung und Gemeinderat den Bau einer Brücke bei Remseck sowie Maßnahmen im öffentlichen Nahverkehr wie beispielsweise die Verlängerung der Stadtbahnlinie U 2 zwischen Neugereut und Oeffingen.

„Ob der von Fellbach abgelehnte Nord-Ost-Ring geplant wird oder nicht, wird nicht anhand von Sachargumenten entschieden“, meint Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. „Die Entscheidung wird politisch gefällt.“ Die Analyse durch die Stadt Fellbach zeige einen deutlichen Nachbesserungsbedarf. Die Oberbürgermeisterin hat in den vergangenen Wochen bereits das Gespräch mit den Nachbargemeinden gesucht. „Diese Gespräche werden wir intensivieren“, so Zull. Fellbachs Zahlen sollen nun den Bürgermeistern der Nachbarkommunen vorgestellt werden. Geplant sind neben bilateralen Gesprächen auch Termine mit dem Verkehrsministerium, dem Regionalverband sowie ein gemeinsamer Termin mit allen Kommunen, die von einem Ring betroffen wären.

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