Die Fellbacher Weingärtner machten sich um 6.30 Uhr an die Arbeit. Foto: z

Fellbacher Weingärtner sind am Montag in der Kälte im Einsatz. Collegium und Weinmanufaktur ernten nicht.

Fellbach - Wenn Autofahrer die Frontscheibe auch von innen freikratzen müssen, ist es ein klares Zeichen, dass es draußen schnatterkalt ist. Am Montagmorgen herrschten in und um Stuttgart Temperaturen wie im Gefrierschrank. Ein Wetter, bei dem man bekanntlich nicht mal einen Hund vor die Tür jagen würde.

Die Fellbacher Weingärtner machten diesen Schritt bei minus zehn Grad freiwillig und voller Vorfreude. Um 6.30 Uhr konnte der „lang ersehnte Eiswein gelesen werden“, so der Vorstandsvorsitzende Thomas Seibold. „Zuletzt war es mit dem 2016er Jahrgang am Kappelberg ausreichend kalt für eine erfolgreiche Ernte.“ Diese Eisweine seien jedoch schon länger nicht mehr verfügbar. „Das zeigt natürlich auch wie schwierig es geworden ist, diese Spezialität zu erzeugen. Vier Jahre zu warten, dass es mal wieder klappt, ist schon eine lange Durststrecke“, so Seibold, der auch mit der Menge zufrieden ist. Mit circa 120 Liter Riesling und rund 220 Liter Spätburgunder sei die Ausbeute beachtlich gewesen.

163 Grad Oechsle

Tobias Single nahm erstmals als Kellermeister der Fellbacher Weingärtner an einer Eislese teil und war von den Trauben sehr angetan. „Sie hingen besonders unversehrt am Stock. Der Gesundheitszustand konnte über den vergangenen Herbst hinaus erhalten bleiben, was uns außerordentliche Qualitäten bringt und ausgezeichnete Mostgewichte. Die Rieslinge bringen 163 Grad Oechsle auf die Waage, die Spätburgunder sogar 166 Grad.“ Dass der junge Geisenheimer Absolvent seinen ersten Jahrgang mit zwei Eisweinen abschließen konnte, freue ihn besonders. „Ich bin gespannt, wie sie im kommenden halben Jahr unseren Kunden gefallen“, so Single, der betont, dass man aufgrund der Corona-Pandemie bewusst auf die Unterstützung von Lokalprominenz und Weinhoheiten verzichtet habe. „Das Team der Fellbacher Weingärtner konnte sich auf den beiden Weinbergen gut verteilen, sodass eine Lese unter den aktuellen Bestimmungen reibungslos möglich war.“

Keine Trauben hängen lassen

Auf ausreichend Abstand müssen die Wengerter in den Rotenberger und Uhlbacher Weinbergen derzeit indes nicht achten. „Wir haben vom Jahrgang 2020 nichts hängen lassen, daher werden wir keinen Eiswein ernten“, sagt Petra Hammer vom Collegium Wirtemberg. Der Weingärtner-Genossenschaft sei das Risiko der Eisweinlese zu hochgewesen. „Außerdem haben wir fünf andere Süßweine im Sortiment.“ Ganz ähnlich sieht es auch bei der Weinmanufaktur in Untertürkheim aus. Dort hat man sich im vergangenen Herbst ebenfalls dazu entschieden, alle Trauben zu lesen. „Wegen der kleinen Ernte“, so Kellermeister Jürgen Off. Im Familienbetrieb des Weinguts Schwarz, das unter anderem am Untertürkheimer Mönch- und Altenberg Weinanbau betreibt, hat man sich zwar entschieden, „einen Mini-Weinberg für Süßwein hängen zu lassen“, sagt Stefanie Schwarz. „Dort haben wir die Trauben aber schon an Silvester geholt.“ Generell würden viele Wengerter aufgrund der geringen Erträge in den vergangenen Jahren auf die Eisweinlese verzichten. „Wir im Betrieb machen es fast nie, weil unsere Kundschaft es nicht annimmt.“

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