Frank Nopper bei der Ordensübergabe. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Wie vergibt man 600 Faschings-Orden, wenn man Distanz halten muss? Die Karnevalsgesellschaft Zigeunerinsel hat sich etwas Besonders einfallen lassen.

Stuttgart - Fasching ade: Das Coronavirus hat die diesjährige Kampagne komplett gekillt. Das trifft alle Stuttgarter Karnevalsvereine, aber die Gesellschaft Zigeunerinsel ganz besonders: Der älteste Bürgerverein der Stadt hätte 2021 sein 111-jähriges Bestehen gefeiert, ein wahrhaft närrisches Jubiläum. Der große Orden dazu ist im Frühjahr vorigen Jahres, nach dem ersten Lockdown, entworfen und hergestellt worden. Nur wie sollte man ihn an die Aktiven des Vereins verleihen, wenn alle Veranstaltungen gestrichen sind? „Plötzlich hatten wir 600 Orden da liegen“, erzählt der Präsident der Zigeuner, Thomas Haas.

In einer der digitalen Sitzungen wurde die Idee geboren, diese so kontaktarm wie nur irgendmöglich zu überreichen. Nach dem Vorbild der Schnellimbisse wurde beim Vereinsheim nahe des Westbahnhofs ein Drive-in-Schalter eingerichtet. An drei Wochenenden hintereinander fuhren die Mitglieder der Showtanzgruppe, der Männergarde, des Spielmannszugs und so fort auf dem Parkplatz vor. Der Präsident übergab den Orden im Schächtelchen, die Geehrten hängten sich die Auszeichnung selbst um den Hals. Für die Kleinen ließ man den Orden am Körbchen vom ersten Stock aus herunter, fast wie bei Rapunzel.

Zum Abschluss kam der gewählte OB Frank Nopper

Zum Abschluss der Aktion am Sonntagnachmittag fuhren der gewählte Oberbürgermeister Frank Nopper und seine Frau Gudrun vor – und der Präsident zog eine positive Bilanz. „Es sind fast alle gekommen und haben sich gefreut.“ Und das, obwohl die Übergabe Corona-bedingt kurz und schmerzlos vonstattengehen musste.

Das große Jubiläumsfest, die Prunkfestsitzung im Beethovensaal der Liederhalle, ist ins kommende Jahr verlegt. Bis dahin gilt es, die Mitglieder bei Laune zu halten. „Mentale Stärke“ nennt Thomas Haas das, worauf es in den kommenden Wochen ankomme. Schließlich sei man ein Verein, der stark davon lebe, dass man sich mit Gleichgesinnten treffe, auf den Faschingsumzügen wie bei den Sitzungen. Stattdessen wurde erst die Inthronisation des Baronenpaars Anfang November abgesagt, dann hat man vergeblich von Woche zu Woche gehofft, dass sich für die restlichen Veranstaltungen ein Fenster auftue. Manche Mitglieder hätten bereits Entzugserscheinungen, meint der Präsident. Umso wichtiger sei es, durch Aktionen wie den „Orden-Drive-in“ zu zeigen: „Uns gibt es noch, es macht Sinn, dabei zu bleiben.“

Für 2022 wird es einen neuen Jahresorden geben. Ob er thematisch so weitsichtig ist wie der aktuelle, ist fraglich: Der ist in der typischen Kranzform des Coronavirus gehalten, um das sich in dieser Zeit auch karnevalistisch alles dreht.

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