Familienministerin Franziska Giffey (SPD) Foto: dpa/Michael Kappeler

Friseure öffnen, man denkt über den Spielbetrieb in der Bundesliga nach – aber welche Erleichterungen gibt es für Kinder und ihre Familien? Die Familienministerin will sie stärker in den Blick nehmen.

München - Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) dringt auf eine stärkere Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern bei den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. „Wir können nicht in einem Atemzug den Kindern die Schaukel verwehren und gleichzeitig darüber nachdenken, wie wir schnellstmöglich Bundesligaspiele wieder stattfinden lassen“, sagte die Ministerin der „Süddeutschen Zeitung“. „Wir reden über bestimmte Dinge, die den Erwachsenen wichtig sind - Baumärkte, Friseure, Geschäfte -, aber wir müssen auch mehr darüber reden, was den Kindern guttut.“

Sie habe sich dafür eingesetzt, mit den Ländern eine gemeinsame Positionierung für die schrittweise Öffnung der Kitas hinzubekommen, die nun in die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten einfließe, sagte Giffey. „In einer Pandemie kann man keine verlässlichen Zeitpunkte über Wochen und Monate im Voraus nennen, auch wenn sich viele das wünschen.“ Die Jugend- und Familienministerkonferenz habe mit dem Ministerium vier Phasen definiert: „von der Notbetreuung, wie sie gerade ist, über eine erweiterte Notbetreuung, einen eingeschränkten Regelbetrieb bis zurück zum vollständigen Regelbetrieb“.

Kinder mehr in den Blick nehmen

Mädchen und Jungen seien diejenigen, die in der momentanen Lage mit die größten Einschränkungen hätten, betonte die Ministerin. Zunächst hätten andere Themen Priorität gehabt - „zu Recht“. Es könne nicht alles auf einmal gelöst werden. Andere Gruppen seien auch wichtig, etwa Menschen im Pflegeheim oder die, die in der „kritischen Infrastruktur“ arbeiteten. „Im ersten Schritt ging es um den Erhalt der Arbeitsplätze. Das betrifft ja auch viele Eltern.“ Nun gehe es zunehmend um Bewegungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder.

Mit Blick auf Ältere sagte Giffey, dass gefährdete Gruppen besonders geschützt werden müssten, ihnen aber nicht verboten werden solle, das Haus zu verlassen. „Wir müssen an die Eigenverantwortung und die Vernunft jedes einzelnen Menschen appellieren. Es ist ein großer Unterschied, ob ich eine Empfehlung gebe und Schutzmaßnahmen einleite, oder ob ich sage, ich schließe eine gesellschaftliche Gruppe komplett vom öffentlichen Leben aus.“ Die Ministerin sagte, sie spreche sich allgemein, auch für Kinder, für „flexible, stufenweise Lösungen“ aus.

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Nötig sei auch zu erforschen, wie Kinder sich selbst und andere in der Pandemie ansteckten. Solange es keine besseren wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber gebe, „müssen wir immer vom schlechtesten Fall ausgehen, und das hat direkte Auswirkung darauf, inwieweit Kitas wieder schrittweise öffnen können“, erklärte Giffey. Ihr Haus werde deshalb bis zu fünf Millionen Euro aufwenden, um diese Frage mit Experten erforschen zu lassen.

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