Alexej Nawalny wurde nach den Erkenntnissen deutscher Behörden Opfer eines Giftanschlags. (Archivbild) Foto: dpa/Pavel Golovkin

Die russische Polizei will sich an den deutschen Ermittlungen im Fall des vergifteten russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny beteiligen. Zuvor habe sie nach eigenen Aussagen keine Ermittlungen angestrebt, da sie nicht von einer Straftat ausgegangen war.

Moskau - Im Fall des vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny, der in der Berliner Charité behandelt wird, will sich die russische Polizei an den Ermittlungen in Deutschland beteiligen. Eine entsprechende Anfrage an die deutschen Behörden werde vorbereitet, teilte die Transportpolizei am Freitag mit.

Die Polizeieinheit ist zuständig für die Aufklärung von Verbrechen auf Verkehrswegen. Bisher hatte Moskau stets Ermittlungen im Fall Nawalny abgelehnt, weil es nach Kremlangaben keinen Hinweis auf eine Vergiftung des Oppositionellen auf russischem Staatsgebiet gab. Die Transportpolizei teilte nun mit, dass es Vorermittlungen gebe, die andauerten.

Es gehe um Voruntersuchungen im Zusammenhang mit der Krankenhausbehandlung Nawalnys, sagte ein Sprecher. Nawalny war am 20. August während eines Flugs von der sibirischen Stadt Tomsk nach Moskau unter Schmerzen zusammengebrochen. Er kam nach einer Zwischenlandung in Omsk in ein Krankenhaus. Ärzte dort versetzten ihn in ein künstliches Koma. Sie sahen keine Hinweise auf eine Vergiftung, sondern stellten lediglich eine Stoffwechselstörung fest. Am 22. August wurde Nawalny nach Berlin ausgeflogen, wo er inzwischen aus dem Koma erwacht ist.

Deutsche Spezialisten hatten nach offiziellen Angaben zweifelsfrei eine Vergiftung mit einem verbotenen Chemiewaffen-Kampfstoff aus der Gruppe des in der Sowjetunion entwickelten Nervengifts Nowitschok nachgewiesen. Nach Darstellung der Transportpolizei ist inzwischen der gesamte Aufenthalt Nawalnys samt aller Orte in Sibirien chronologisch nachgezeichnet worden. Die Ermittler veröffentlichten diese Ergebnisse. Auch fünf von sechs Begleitern Nawalnys seien befragt worden. Zudem solle nun zu den Passagieren des Flugzeugs Kontakt aufgenommen werden, hieß es in der Mitteilung der Polizei.

Die Ermittler versuchen demnach auch, Kontakt zu einer sechsten Begleiterin Nawalnys zu bekommen. Die namentlich genannte Frau mit britischem Pass habe am 20. August Angaben verweigert. Sie sei am 22. August nach Deutschland ausgereist, es sei seither unmöglich gewesen, von ihr eine Aussage zu bekommen. „Im Moment wird ihr Aufenthaltsort ermittelt“, hieß es in der Mitteilung der Polizei.

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