Kickers-Trainer und Wiggy-Lehrer Ramon Gehrmann Foto: mk

Der Kickers-Trainer und Lehrer am Wirtemberg-Gymnasium, Ramon Gehrmann war für den Titel Sportheld nominiert. Er hatte seinen Spielern ein Eigentor befohlen – als fairer Ausgleich für ein umstrittenes Tor.

Untertürkheim - Ramon Gehrmann ist der Wirbel um seine Person fast unangenehm. Zwei Tage vor dem Heiligen Abend unterrichtet er noch per Onlineunterricht die diesjährige Abiturklasse im Fach Wirtschaft, Politik und Geschichte. „Wir müssen sie in den verrückten Zeiten auf die schriftliche Prüfung vorbereiten.“ Der 46-Jährige ist Lehrer am Wirtemberg-Gymnasium und gleichzeitig Trainer der Stuttgarter Kickers. In dieser Funktion hat er im Oktober mit einer Fairplay-Aktion bundesweit für Furore gesorgt. Die Kickers spielten gegen FC Nöttingen. Es läuft die 45. Minute. Ein Nöttinger liegt verletzt auf dem Boden, der Ball geht ins Aus. Die Stuttgarter werfen ein und erzielen das 2:0. Einige gegnerische Spieler empörten sich. Hätte der Ball zurückgespielt werden sollen? „Weder alle gegnerischen noch unsere Spieler haben genau mitbekommen, ob der Ball absichtlich ins Aus gespielt worden ist“, sagt Gehrmann. Deswegen fragte er den Schiedsrichter. „Er war vorsichtig, hat dann aber gesagt, er habe den Eindruck, es sei Absicht gewesen.“ Für Gehrmann war klar, was zu tun ist. Er bat seinen Kapitän und dessen Stellvertreter Lukas Kling zu sich und forderte: Wir schießen ein Eigentor. Kling übernahm den Auftrag. Er erhielt nach dem Anspiel den Ball vom Gegner und schoss diesen ins eigene Tor – zum 2:1. Die Kickers gewannen das Spiel 4:1. Das „faire Eigentor“ machte die Runde, und der Trainer wurde vom SWR-Fernsehen zur Wahl des Sporthelden 2020 nominiert. Die Zuschauer konnten unter fünf Kandidatinnen und Kandidaten wählen. Gekürt wurde Spitzenschwimmerin Franziska Weidner. Die Wahlentscheidung sei jedoch hauchdünn ausgefallen, habe ihm der Sportmoderator verraten, sagt Gehrmann.

Er selbst empfindet seine Entscheidung fürs Eigentor keineswegs als Heldentat, sondern als etwas Selbstverständliches. Bereits als Kind habe er ein Gefühl für Gerechtigkeit und Fairness entwickelt. „In der Schule wurde ich immer als Klassensprecher gewählt“, sagt der gebürtige Sigmaringer, den ein bekannter Lehrer unterrichtet hat: Winfried Kretschmann. Auch seinen Mannschaften und seinen Schülern legt Gehrmann fairen Umgang miteinander ans Herz. Er schätzt die englische Fußballkultur, bei der sich die Spieler nach harmlosen Fouls nicht auf dem Boden wälzen. „Die Kinder lernen dies von den Stars. Profikicker sollten Vorbilder sein.“

Natürlich haben seine Schülerinnen und Schüler die Heldentat und Kommentare in der Presse mitbekommen. „Sie wissen, dass ich nach einem gewonnenen Spiel gut drauf bin. Dann können wir auch kurz über die Bundesliga reden.“ Unter Fußballfans darf sogar gefrotzelt werden. Der ein oder andere Schüler – darunter war auch sein Schüler Joshua Kimmich – erlaubt sich mit dem Kickers-Trainer einen Scherz – aber immer mit Respekt. Und wenn ein Schüler auf eine Heldentat-Schlagzeile anspielt und meint: „Herr Gehrmann, Sie sind doch ein Ehrenmann, können Sie mir nicht die Note 3 geben“, kontert er smart mit einem Lachen. Ohne Zweifel, Gehrmann ist nicht nur bei Sportfans beliebt. Seine lockere Coolness und Fairness werden auch unter Schülern und Kollegen geschätzt.

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