Stefan Schullehner Foto:  

In der Serie „Sportler in der Warteschleife“ berichten wir während der Zeit des Shutdowns im Sport über Athleten verschiedener Disziplinen und ihren Umgang mit der Coronavirus-Krise. Diesmal: Fußballer und Lehrer Stefan Schullehner vom VfB Obertürkheim.

Obertürkheim - Ferien, schönes Wetter – eigentlich beste Voraussetzungen zum Verreisen. Doch die Corona-Krise bremst sämtliche Pläne aus – auch die von Stefan Schullehner. Der Allrounder des Kreisliga-A-Klubs VfB Obertürkheim und künftige Spielertrainer des TSV Uhlbach wollte eigentlich zu seinem guten Kumpel Louis nach England in der Nähe von Middlesbrough. Diesen kennt er von seinem Auslandsemester in York. „Er ist Lehrer wie ich, wir telefonieren wöchentlich und auch er hat eine Notfallbetreuung beziehungsweise -Unterricht hinter sich“, sagt Schullehner.

Der 30-Jährige unterrichtet Sport, Geschichte, Geografie und Englisch an der Johannes-Kepler-Realschule in Wendlingen. Über die Ferien ist er nicht unglücklich, die vergangenen drei Wochen stellten auch ihn vor besondere und unbekannte Herausforderungen. „Ich habe die meiste Zeit vor dem Computer verbracht, kam mir vor wie bei einem Bürojob. Auf Dauer wäre das nichts für mich“, bilanziert Schullehner. Insgesamt für vier Klassen beziehungsweise 110 Schüler zeichnet er verantwortlich, stellte für sie nahezu täglich über diverse Online-Plattformen Aufgaben bereit. Hauptsächlich im Fach Englisch. „Diese haben die Schüler und Schülerinnen meist bis abends zurückgeschickt und ich sie dann korrigiert.“ 500 E-Mails seien auch noch in der dreiwöchigen Heimarbeit eingetrudelt. Zudem habe er persönlichen Kontakt zu seinen Fünftklässlern aufgenommen und 75 Telefonate geführt. Einige auch noch wegen fehlender Aufgaben. „Ein kurzer Anruf bei den Eltern hat Wunder bewirkt“, schmunzelt Schullehner.

Vor allem in den ersten beiden Wochen musste sich das „Homeschooling“ erst einspielen, er sich auch an einen anderen Arbeitsrhythmus gewöhnen. Der zeitliche Aufwand sei zwar in etwa der gleiche wie zu normalen Unterrichtszeiten gewesen, der Tagesablauf jedoch ein anderer. Zudem ergaben sich unerwartete Probleme: „Man glaubt immer, dass die Jugend in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt ist und sich damit auskennt. Aber einige hatten Probleme beim E-Mail verschicken beziehungsweise Dateien anzuhängen.“ Für Schullehner ein Indiz, dass in den Schulen im Bereich der Digitalisierung noch großer Nachholbedarf herrscht. „Es fehlt teilweise an der Infrastruktur, vielleicht findet nun nach dem Online-Unterricht ein Umdenken statt und die Digitalisierung rückt mehr in den Schulalltag.“ Schullehners Fazit für den dreiwöchigen Unterricht via Internet fällt dennoch positiv aus. „Meine Schüler und Schülerinnen haben echt toll mitgemacht.“

Damit seine Schützlinge und auch er fit bleiben, hat der Familienvater auch Video-Sequenzen mit Gymnastik- und Stabilisationsübungen zusammengestellt und sie auf YouTube zum Mitmachen bereitgestellt. Ein Ersatz für Fußball sei dies natürlich nicht. Es sei nicht nur das Spiel, das ihm fehle, sondern vor allem auch seine Mannschaftskameraden. „Wir sind in Obertürkheim nicht nur Sportskameraden, vielmehr auch ein Freundeskreis. Klar sind wir auch weiterhin in Verbindung, haben unter anderem auch Online-Poker gespielt.“ Den Ball nehmen und raus zum Jonglieren gehen oder gegen ein Garagentor zu kicken, diese Zeiten sind für Schullehner vorbei. „Ich bin zu alt dafür.“

Ob die Saison 2019/20 fertiggespielt wird – der VfB Obertürkheim steht im Niemandsland auf Platz vier – wisse er nicht. Würde Schluss sein, halte er es für sinnvoll, die Vorrunden- als Abschluss-Tabelle zu werten. „Das ist einigermaßen fair, auch wenn sicherlich nicht alle Teams damit einverstanden sein werden.“

Dem Ball kann Schullehner derzeit nicht hinterherjagen, andere Sportarten stehen dafür hoch im Kurs: Radfahren und Joggen. Gleichwohl die Corona-Krise noch einen weiteren Plan des 30-Jährigen ausbremst. „Ich wollte an einem Triathlon teilnehmen, kann wegen geschlossener Bäder aber Schwimmen nicht trainieren. Deshalb muss ich das Vorhaben auf nächstes Jahr verschieben.“

In der Serie „Sportler in der Warteschleife“ berichten wir während der Zeit des Shutdowns im Sport über Athleten verschiedener Disziplinen und ihren Umgang mit der Coronavirus-Krise.

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