Alina Rotaru-Kottmann und Max Kottmann.Foto: Mathias Kuhn Foto:  

In der Serie „Sportler in der Warteschleife“ berichten wir während der Zeit des Shutdowns im Sport über Athleten verschiedener Disziplinen und ihren Umgang mit der Coronavirus-Krise. Diesmal: Alina Rotaru-Kottmann und Max Kottmann vom VfB Stuttgart.

Stuttgart - Sprünge spielen im Leben von Alina Rotaru-Kottmann und Max Kottmann eine wichtige Rolle. Vor allem gewaltige nach vorne. Vor einigen Tagen setzte Alina Rotaru-Kottmann wieder zu mächtigen Sprüngen an, dieses Mal nach oben und zwar in der Wohnung. Es waren Freudensprünge, als nach der Absage von Olympia das IOC bestätige: Die bereits Qualifizierten sind automatisch auch 2021 in Tokio dabei. „Die Verschiebung, auch wenn sie erst spät erfolgte, war richtig und fair. Die Gesundheit geht vor und einige Athleten hatten noch nicht die Möglichkeit zur Qualifikation“, sagt die Rumänin Alina Rotaru-Kottmann. Dass ihre Startberechtigung Gültigkeit habe, nehme einen großen Druck von ihr, sagt die 26-Jährige, die zusammen mit ihrem Mann Max Kottmann in Wangen wohnt.

Mit der rumänischen Mannschaft hat Rotaru-Kottmann Ende 2014 ein Trainingslager in Stuttgart durchgeführt. Dabei kam sie in Kontakt mit ihrem jetzigen Trainer, Micky Corucle – ebenfalls Rumäne – und ist bei ihm hängen geblieben. „Micky hat mich bis zur Hallen-EM 2015 trainiert und ich wurde Vierte. Wir haben uns gleich super verstanden.“ In der Trainingsgruppe war auch Max Kottmann – ein wichtiger Grund, warum sie nun für den VfB Stuttgart startet. Bei der WM 2019 in Doha gelang der Rumänin ein Sprung auf 6,71 Meter – 20 Zentimeter unter ihrer Bestleistung – was Platz sechs und das Olympia-Ticket bedeutete.

Ist sonst das sportliche Wohnzimmer des Weitsprung-Pärchens der Olympiastützpunkt mit Kraftraum, verlegen sich die Übungseinheiten derzeit in den Wald. Freilich, Krafttraining sei schwer möglich, unterschiedliche Läufe indes umso mehr. „Wir machen auf der Ebene oder auch den Berg hoch oder Läufe mit multiplen, kleineren Sprüngen. Es gilt, die allgemeine Fitness aufrecht zu halten“, weiß Max Kottmann, der Fünfter bei den deutschen Meisterschaften wurde, zwar 2021 in Tokio wohl auch dabei sein wird – aber nur als Motivationsstütze für seine Frau. Seine Bestmarke liegt bei 7,76 Meter, „gefordert sind 8,22 – utopisch. Damit ist man schon auf Medaillenkurs.“ In den Sprungmodus schalten die beiden aktuell nicht, was auch nicht nötig sei. Die Voraussetzungen zum Trainieren seien derzeit für alle gleich bescheiden. Kottmann rechnet mit den ersten Wettkämpfen frühestens „Ende Juli, Anfang August“. Zuvor fahre man den Motor dann wieder hoch.

Neben den Aufenthalten im Wald verbringen die Wangener notgedrungen viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Kottmann, auch Bezirksbeirat in Wangen, studiert Geschichte und Politik auf Lehramt, stellt derzeit eine Hausarbeit zusammen. Obwohl das Semester offiziell am 20. April endet, werde nicht mehr viel passieren. „Eine Art digitale Taskforce versucht derzeit, das Semester noch zu retten. Ich glaube aber nicht, dass sich noch viel abspielen wird. Im digitalen Bereich hat die Uni auch Nachholbedarf.“ Alina Rotaru-Kottmann hat ein abgeschlossenes Masterstudium in Sportwissenschaften und macht einen zweiten Master in Sportpädagogik. Momentan ist sie aber Profisportlerin. „Ich lerne weiterhin mit meiner Lehrerin via online Deutsch“, sagt die Rumänin. Das klappe sehr gut, bestätigt der 27-jährige Weitspringer. Und wenn in diesen Zeiten mal Langeweile aufkäme, gebe es ja immer noch Netflix. Outlander und die US-amerikanische Mystery-Horror-TV-Serie Locke & Key stünden hoch im Kurs.

Aus Langeweile kann für Alina Rotaru-Kottmann mächtiger Wettkampfstress werden – im nächsten Jahr. Abgesagt wurden in dieser Saison neben den Olympischen Spielen die Hallen-WM in China und auch die Freiluft-EM in Paris steht auf der Kippe. „Wenn das alles ein Jahr später nachgeholt wird, dann bin ich im Dauereinsatz“, sagt Rotaru-Kottmann, die sich in ihrer neuen Heimat Wangen sehr wohl fühlt.

In der Serie „Sportler in der Warteschleife“ berichten wir während der Zeit des Shutdowns im Sport über Athleten verschiedener Disziplinen und ihren Umgang mit der Coronavirus-Krise.

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