Der Gottesdienst in der Stiftskirche mit Landesbischof Frank Otfried July fand unter besonderen Bedingungen statt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Gottesdienst zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs in der Stuttgarter Stiftskirche war das erste Zusammentreffen der Gläubigen in Zeiten von Corona.

Stuttgart - Auf die Einhaltung des 1,5-Meter-Abstandes brauchte nicht gepocht zu werden, als Landesbischof Frank Otfried July zusammen mit Stiftspfarrer Matthias Vosseler am frühen Samstagabend in der Stiftskirche einen Gottesdienst zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren feierte: Bei der ersten Möglichkeit, sich wieder im Gotteshaus zu versammeln, verloren sich im Gestühl nur an die 30 Gläubige.

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Eine Enttäuschung für den Bischof? Nein, versichert er und hat Verständnis: Dieser Gottesdienst sei sehr kurzfristig anberaumt worden. Für July war der Jahrestag des Kriegsendes nicht nur ein Anlass, der Millionen Opfer und unsagbaren Verbrechen dieses Kriegs zu gedenken und für 75 Jahre Frieden in unserem Land zu danken. Mit den Worten von Jesus, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein soll ((Matthäus 5,21-24), verband er die eindringliche und aktuell gültige Mahnung, dass der Boden für Gewalt und Mord schon viel früher bereitet wird. Wo giftiger Samen gesät werde, entstehe Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus, Ausgrenzung und Abwertung.

Auch in der Zeit von Corona erlebe man nicht nur Fürsorge und ein neues Miteinander, sondern auch Gerüchte, Hass und Feindschaft. „Lassen wir das alles nicht zu, lasst nicht den Krieg in den Köpfen entstehen“, appellierte July. Versöhnung müsse ein innerer Leitfaden bleiben, und beim Streben nach Frieden gehe es auch um das eigene Verhalten und die eigene Verantwortung.

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