Immer mehr Menschen greifen zu vegetarischen und veganen Alternativen (Symbolbild). Foto: dpa/Andreas Arnold

Sie verzichten auf Fleisch und Wurst oder auf alle Lebensmittel tierischen Ursprungs – der Anteil an Vegetariern und Veganern hat sich im Coronajahr verdoppelt. Warum greifen die Menschen zu solchen Alternativen?

Berlin - Die einen tun es aus Tierschutzgründen, die anderen mögen einfach den Geschmack: Die Zahl der Menschen in Deutschland, die zu vegetarischen und veganen Alternativen greifen, hat sich im Coronajahr verdoppelt. Das zeigt der Ernährungsreport, der seit 2016 auf Basis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa erstellt wird. Für den Ernährungsreport 2021 wurden rund 1000 Menschen im Alter ab 14 Jahren befragt.

Den Ergebnissen zufolge ist der Anteil an Befragten, die ganz oder teilweise auf tierische Lebensmittel verzichten zwar immer noch gering; zehn Prozent der Befragten ernähren sich vegetarisch, zwei Prozent vegan. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Anteil an Vegetariern (fünf Prozent) und Veganern (ein Prozent) aber trotzdem verdoppelt.

Neugier ist Kaufgrund Nummer eins

Wer tierische Produkte isst, legt vegetarische und veganen Alternativen trotzdem öfter mal in den Einkaufswagen (30 Prozent), zusätzliche 13 Prozent haben immerhin einmal danach gegriffen. Bei jüngeren Menschen und bei Großstädtern sind die Alternativprodukte besonders beliebt.

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Und warum? Neugier ist Kaufgrund Nummer eins (71 Prozent) und somit noch wichtiger als Tierschutzgründe (59 Prozent). Manche mögen auch schlicht den Geschmack oder greifen des Klimas und der Umwelt wegen zum Alternativprodukt. Der tägliche Fleischkonsum nimmt trotzdem nicht ab: Wie im Vorjahr kommt bei 26 Prozent der Befragten täglich Fleisch und Wurst auf den Teller. Gegenüber 2015 ist das jedoch ein Rückgang um acht Prozentpunkte.

Laut Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wollten die Verbraucher wissen, wie Tiere gehalten wurden. Auf Tierwohllabel, die Fleisch aus besonders tiergerechter Haltung kennzeichnen, achten demnach 55 Prozent. Und ein staatliches Kennzeichen, das zeigt, dass Schwein, Rind oder Huhn besser gehalten werden, als es gesetzlich vorgeschrieben ist, wäre 86 Prozent der Befragten wichtig oder sogar sehr wichtig.

Und wie sieht es bei anderen Lebensmitteln aus?

Der tägliche Konsum von Gemüse und Obst stieg laut Umfrage im Vergleich zum Vorjahr an, drei Viertel der Befragten essen sie täglich. Milchprodukte sind gleichbleibend beliebt, 64 Prozent der Befragten essen täglich Joghurt, Käse und Co. Je älter die Befragten sind, desto häufiger essen sie Milchprodukte.

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Wichtig ist den Menschen auch die Herkunft ihrer Lebensmittel. Regionale Herkunft spielt für 82 Prozent der Befragten eine große Rolle beim Einkauf. Insbesondere gilt das für Eier, Gemüse und Obst sowie für Brot- und Backwaren. Ein Siegel wie beispielsweise der Nutri-Score beeinflusste bei 45 Prozent der Befragten schon einmal die Kaufentscheidung. Auf das Biosiegel achten beim Einkauf demnach 64 Prozent der Befragten, 57 Prozent achten auf das „Fair-Trade“-Siegel.

Gewohnheiten verändern sich in der Pandemie

Die Ess- und Kochgewohnheiten der Menschen veränderten sich zudem während der Coronapandemie, wie die Umfrage weiter ergab. 52 Prozent der Befragten gaben an, täglich zu Hause zu kochen, im Report 2020 waren es noch 39 Prozent. Spaß am Kochen haben demnach 77 Prozent der Menschen, das gilt unabhängig von Alter oder Geschlecht. Gerade bei Jüngeren gab es hier einen deutlichen Anstieg von 14 Prozentpunkten. Die Anzahl derer, die sich Essen nach Hause bestellen, stieg während der Pandemie ebenfalls an: Vor Corona bestellten sich 31 Prozent der Menschen einmal wöchentlich Essen, während der Pandemie stieg dieser Wert auf 45 Prozent.

Das Vertrauen in die Lebensmittelindustrie ist in Deutschland insgesamt hoch - genauso wie die Erwartungen. 83 Prozent der Befragten vertrauen in die Lebensmittelsicherheit in Deutschland, ein Anstieg von neun Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Von den Landwirten erwarten die Verbraucher jedoch nicht nur Qualität, sondern auch artgerechte Tierhaltung (73 Prozent), umweltschonende Produktionsmethoden (57 Prozent) und die Reduktion von Emissionen (54 Prozent).

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