Staatssekretärin Petra Olschwoski initiierte gemeinsam mit Kulturministerin Theresia Bauer den Dialog Kulturpolitik. Foto: mkw

Über zwei Jahre hinweg haben sich Kunstministerin Theresia Bauer und Staatssekretärin Petra Olschowski mit Experten aus Kunst und Kultur beraten, was die Szene benötigt, um in der Zukunft gut dazustehen. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Stuttgart – Es sind keine 95 Thesen wie bei Luther, aber zumindest 13: Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg hat die Ergebnisse seines Kulturdialogs vorgelegt. In 13 Thesen haben Staatssekretärin Petra Olschowski und Kunstministerin Theresia Bauer den Beteiligungsprozess der letzten zwei Jahre zusammengefasst. -

1250 Menschen hatten sich seit Juni 2018 am Dialog beteiligt. Kulturschaffende aller Sparten und Bereiche, externe Fachleute, Vertreter ehrenamtlicher Initiativen, der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und Wirtschaft sowie aus der Verwaltung und Politik trafen sich bei insgesamt 14 Veranstaltungen an acht Orten. Dabei spielten vier zentrale Themen eine wichtige Rolle: digitale Welten, Strategien der Transformation, neue gesellschaftliche Bündnisse sowie Kunst und Kultur in ländlichen Räumen.

Das Ziel des Dialogs war es, Strategien und Ansätze für eine zukunftsfähige Kunst- und Kulturszene zu finden. Dabei fiel auf: Die Digitalisierung ist besonders wichtig. Nicht nur an die Kulturinstitutionen und die Kulturpolitik richten sich die Handlungsempfehlungen in der Publikation „Dialog 2020 – Kulturpolitik für die Zukunft“. Die Empfehlungen seien für alle Akteure in der Szene gedacht.

Die soziale Situation von Künstlern

Kultureinrichtungen müssen ihre Strategien im Hinblick auf den digitalen Wandel schärfen, heißt es in der Publikation. „Der digitale Raum ist nicht das Hinterzimmer sondern die Eingangshalle der Institutionen“, sagte Tobias Wall, Leiter des Forums „Digitale Welt“. Es sei bereits gelungen, in 20 Museen Digitalmanager einzusetzen, die sich um die Gestaltung dieser digitalen Räume kümmern.

Die Corona-Pandemie habe vor allem gezeigt, dass Künstler teilweise unter verheerenden Bedingungen arbeiten und leben müssten, so Olschowski. Einen besonderen Fokus lege man daher auf die soziale Situation der Künstler und die finanzielle Situation der großen und kleinen Einrichtungen im Land. „Baden-Württemberg zeichnet sich durch eine starke, vitale Kulturlandschaft in den Städten wie auch im ländlichen Raum aus. Auch das hat der Kulturdialog nochmals gezeigt. Wir müssen alles daransetzen, sie über die schwierige Zeit zu bringen“, betonte die Staatssekretärin. Bis Ende des Jahres werden gut 200 Millionen Euro zur Eindämmung der Corona-Krise in Kunst und Kultur investiert worden sein, sagt Theresia Bauer. Es gehe jedoch nicht nur darum, enorme Summen bereitzustellen, sondern andere Strukturen für bessere Absicherungen zu finden.

„Eigentlich müssen wir die Institutionen und Einrichtungen besser fördern, damit diese den Künstlern eine Bühne bieten können“, so Olschowski.

Einen wichtigen Schritt habe das Land mit der Gründung des interkulturell ausgerichteten Kompetenzzentrums für kulturelle Bildung und Vermittlung übernommen. „Es gibt uns die Möglichkeit, das Thema der kulturellen Teilhabe anders anzugehen und mit den Menschen durch die Krise in Kontakt zu bleiben“, sagte die Staatssekretärin: „Diese Anlauf- und Vernetzungsstelle ist ein wegweisendes Ergebnis aus dem Dialogprozess und eine Maßnahme für mehr Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe für alle, unabhängig von der ethnischen, kulturellen und sozialen Herkunft.“

Kompetenzzentrum für kulturelle Bildung und Vermittlung

Die Corona-Pandemie habe auch Auswirkungen auf die Ergebnisse des Dialogs, so die Staatssekretärin, jedoch stelle sie nicht alles in Zweifel. Gerade jetzt seien Fragen wie nach der Rolle der Digitalisierung oder der Hilfe für Freischaffende wichtiger denn je und daher in die Publikation mitaufgenommen worden.

Über die Ergebnisse des Dialogs habe man bereits im Staatskabinett berichtet und sie im Wissenschaftsausschuss vorgestellt, so Olschowski. Nun trage man sie in die Region. Sie erwartet, dass „die Einrichtungen mit uns im Gespräch bleiben und das aufgebaute Vertrauen von beiden Seiten weiter wahrgenommen wird.“ Sowohl die kulturellen Einrichtungen im Land als auch die Politik und die Verwaltung seien gefragt, in einer Zusammenarbeit die Zukunft von Kunst und Kultur in Baden-Württemberg zu gestalten. Etwas Neues in die Welt zu bringen bedeute nicht, dass alles Alte bleibt, sagte Olschowski. Es sei vielmehr so, dass man auf manches in der Zukunft verzichten müsse, was einem heute wichtig erscheint.

Alle Ergebnisse zusammengefasst

In unserer Bildergalerie zeigen wir Eindrücke aus den Veranstaltungen der zweijährigen Dialogphase. Jedes Bild wird von einer der 13 Thesen begleitet. Alle Ergebnisse sind in der Publikation „Dialog 2020 – Kulturpolitik für die Zukunft“ zu finden. Diese kann auf der Internetseite www.kulturpolitik-bw.de runtergeladen oder bestellt werden.

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