Bezirksvorsteherin Beate Dietrich (links) Foto: Mathias Kuhn - Mathias Kuhn

Das Forschungsprojekt TransZ begann vor zwei Jahren. Es soll sechs Stadtteilzentren bei deren Weiterentwicklung fördern. Wangen gehört dem elitären Kreis an. Das Projekt zeigt erste Erfolge.

WangenVor knapp zwei Jahren begann das Projekt TransZ . Trans Z ist ein Forschungsvorhaben von vier Hochschulen, mit dem sechs Stadtteilzentren bei ihrer Weiterentwicklung unterstützt werden sollen. Wangen gehört in diesen elitären Kreis. Vergangene Woche war die TransZ- Konferenz zum Thema „Mitten in der Stadt“. Bezirksvorsteherin Beate Dietrich und Projektleiterin Elisabeth Schaumann von der Hochschule für Technik Stuttgart ziehen eine Bilanz der vergangenen zwei Jahre.

Anfang 2018 wurde das Projekt TransZ gestartet und die Fortschritte seitdem permanent untersucht. Frau Dietrich, wie wird das Projekt von den Wangenern angenommen?
Dietrich: Da muss man ehrlich sein. Die Mehrheit der Menschen in Wangen weiß nichts von dem Projekt. Aber das was auf der Straße passiert, die Aktionen, die Möblierung vor der Kelter, vor dem Lamm, der Flohmarkt, die Homepage, werden positiv wahrgenommen. Diejenigen, die aktiv mitarbeiten, sind Multiplikatoren. Das wirkt sich aus. Das Projekt ist kein Wunschkonzert, sondern soll die Ideen und Vorstellungen bündeln und transportieren, die die Lebensqualität in Wangen verbessern. Es konnte ein Prozess in Gang gesetzt werden, dessen Verlauf von den Aktivitäten der Mitmachenden abhängig ist. Die Zusammenarbeit mit den politischen Gremien und den zuständigen Ämtern bekommt eine neue Qualität.

Frau Schaumann, wo sehen die Studierenden Entwicklungspotenziale?
Schaumann: Die Studierenden haben in einem ersten Schritt Analysen in und um die Ulmer Straße durchgeführt, um das Gebiet kennenzulernen. Sie haben Verkehrszählungen gemacht, Laufwege der BewohnerInnen analysiert, mit Jugendlichen beim Basketball in niederschwelligen Gesprächen mehr über deren Wahrnehmung des Stadtbezirks gelernt oder auch über aus dem Kopf gezeichnete Karten der Umgebung, die Raumwahrnehmung von Passanten untersucht. Ziel war es, durch urbane Interventionen an der richtigen Stelle die Aufmerksamkeit auf Potenziale im Stadtbezirk zu lenken, genauso sollten aber die BewohnerInnen motiviert werden, den öffentlichen Raum zu nutzen. Wir wollen die Straßen zum Sprechen bringen.

Wie bringt man Straßen zum Sprechen?
Schaumann: In Form einer interaktiven „Sprengvorrichtung“ an einer umzäunten Grünfläche wurde beispielsweise darauf aufmerksam gemacht, dass zu wenige Grünflächen in Wangen zugänglich sind und der Zaun eine trennende Wirkung hat. Auch wurde durch speziell geformte Kleidungsstücke („Lasst uns nicht hängen“) zu Gesprächen eingeladen. Vor dem Bezirksrathaus auf dem Marktplatz wurde eine große Fotowand aufgebaut. Bewohner konnten sich in einer zeitungsähnlichen Form auf das Titelbild der „Wild“ setzen lassen - Die Schlagzeile an diesem Tag: „Wir sind Wangen“. Grundschüler haben auf Bildern dargestellt, was sie an Wangen mögen und was sie stört. Die Bilder hingen in einem hölzernen Wangen Schriftzug vor der Grundschule aus.

Welche Schwerpunkte für Wangen wurden zunächst gebildet?
Schaumann: Da es um die Transformation urbaner Zentren geht, wurde zunächst die Ulmer Straße als das klassische Zentrum Wangens in den Fokus genommen. Im Laufe des Projekts wurde deutlich, dass keine trennscharfe Abgrenzung eines Zentrums möglich ist und auch Flächen um die Ulmer Straße herum mit in den Betrachtungsraum aufgenommen.

Was konnte bisher angestoßen werden? Welche Ideen wurden umgesetzt?
Schaumann: Es konnten verschiedene Menschen aktiviert werden, verschiedene BewohnerInnen haben unterschiedliche Aktionen umgesetzt.

Dietrich: So ist zum Beispiel am Keltervorplatzeine Sitzlandschaft aus der Bauwerkstatt entstanden. Diese steht jetzt vor dem ehemaligen Gasthaus Lamm. Zudem wurde die Stadtbezirks-Homepage überarbeitet und erweitert, ein Flohmarkt auf dem Keltervorplatz organisiert und ein Stadtspiel geplant.

Wie steht Wangen im Vergleich zu anderen Untersuchungs-Kommunen da?
Schaumann: Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Wangen und durch die kleinteiligen Verwaltungsstrukturen in Stuttgart konnten auf kurzen Wegen in Wangen viel erreicht werden. In anderen Kommunen ist diese Zusammenarbeit nicht gegeben. Zudem ist das Engagement der Menschen im Stadtbezirk für den Stadtbezirk sehr hoch. Daher konnten hier viele Projekte entwickelt, diskutiert und teilweise umgesetzt werden, was in anderen Untersuchungskommunen schwerer oder gar nicht möglich war.

Welche Schritte sind noch geplant? Welche Funktion hat die Veranstaltung am 23. November?
Schaumann: Die Ideen sollen weiterentwickelt und gestartete Projekte weiterverfolgt und nach Möglichkeit verstetigt werden. Am 23. November soll offen darüber diskutiert werden, wie die Kräfte im Stadtbezirk gebündelt werden können. Langfristig wird keine Unterstützung durch TransZ mehr erfolgen. Derzeit noch ausgelagerte Verantwortungen müssen von den Bewohnern getragen werden. Über all dies soll in einem offenen Gespräch ergebnisoffen diskutiert werden. An diesem Nachmittag besteht die Möglichkeit, den Prozess konkret mit zu lenken.

Dietrich: Die Mitfahrbank ist immer noch ein aktuelles Thema, das wir anstreben, ebenso die Neugestaltung der Ulmer Straße vor der Kelter. Und bei allem gilt, die Wangener zu hören, mitzunehmen und die Kommunikation untereinander zu stärken.

Wie lange wird das Projekt noch Wangen begleiten?
Schaumann: Das Projekt wird zunächst bis Ende Januar 2020 laufen. Eine Verlängerung wurde beantragt. Wenn diese angenommen wird, wird TransZ für zwei weitere Jahre in Wangen bleiben. In dieser Zeit sollen Verantwortlichkeiten, die schon stark bei den BewohnerInnen liegen, weiter gesichert werden. Dazu müssen sich die Wangener bereit erklären, für ihr Zentrum zu engagieren.


Die Fragen stellte Mathias Kuhn.

Am Samstag, 23. November, ab 15 Uhr laden Bezirksvorsteherin Beate Dietrich und die Hochschule für Technik zum Forum „Stadtgerüst in die Kelter“. Erreichtes wird vorgestellt und es sollen Ideen für die Zukunft entwickelt werden. In der Kelter in der Ulmer Straße über die nächsten Schritte zur Ortsbelebung debattiert werden.

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