Bernhard Heusler führte den FC Basel in seiner Zeit als Präsident mehrfach in die Champions League. Foto: dpa - dpa

Die Entscheidung, wer die Stuttgarter künftig im Tagesgeschäft anführt, fällt im Oktober und damit vor der Wahl des Präsidenten.

StuttgartDas Versprechen, mit dem die Personalberatung Odgers Berndtson das Spielfeld betritt, es ist ein verlockendes: „Wir suchen für Sie die Kandidaten, die zu Ihren Herausforderungen für morgen passen“, schreibt die Agentur auf ihrer Website: „Für diesen ‚perfect match‘ brennen wir – und engagieren uns mit voller Leidenschaft für Ihren Erfolg.“

Im roten Clubhaus an der Cannstatter Mercedesstraße ist dieses knackige Gelübde längst auf Gegenliebe gestoßen. Also holten sich die Aufsichtsräte des Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart mit dem Münchner Ewald Manz einen erfahrenen Headhunter mit dem Spezialgebiet Sport und Entertainment aus dem Hause Odgers Berndtson mit ins Boot.

Manz bringt überdies die Expertise ein, bereits einen Sportvorstand für einen deutschen Fußball-Erstligisten erfolgreich akquiriert zu haben, was aus VfB-Sicht ein Pfund ist: Schließlich ist bei den Weiß-Roten ein weiteres Spitzenamt zu besetzen – und zwar neben dem des Präsidenten, den die Mitgliederversammlung unter den zwei vom Vereinsbeirat bis zum 7. November zu benennenden Kandidaten am 15. Dezember wählen wird. Dabei handelt es sich um die neu zu schaffende Stelle des Vorstandsvorsitzenden der VfB Stuttgart 1893 AG. Dieser, und nicht der Präsident, wird künftig im Tagesgeschäft der starke Mann sein.

Einem Weltmeister von 1990 ist die Beimischung eines Headhunters im Auswahlprozess, welchen der VfB-Präsidialrat um die Aufsichtsräte Bernd Gaiser (Vizepräsident), Wilfried Porth (Daimer-Vorstand) sowie Hermann Ohlicher (Meisterspieler von 1984) federführend entwickelt hat, allerdings bereits sauer aufgestoßen. „Die gesamte Kommunikation und Korrespondenz mit dem Personalberater und dem Präsidialrat war für mich nicht zielführend“, erklärte Jürgen Klinsmann Anfang September. Der ehemalige Bundestrainer sah seine Bewerbung überdies nicht ausreichend gewürdigt – und zog daher sein Interesse am Vorstandsvorsitz bereits nach einer ersten Gesprächsrunde mit dem Präsidialrat via E-Mail zurück.

Ohne Klinsmann im Kreis der Kandidaten hat der Auswahlprozess inzwischen seine heiße Phase erreicht. So laufen im Hintergrund die finalen Gespräche. Die Entscheidung, wer künftig Vorstandsvorsitzender bei der VfB-AG ist, wird nach Informationen unserer Redaktion im Oktober gefällt.

Gaiser, Porth, Ohlicher und Co. wollen also Fakten schaffen, ehe sich am aktuellen Machtgefüge beim Traditionsclub von 1893 etwas ändert. Denn klar ist nun auch, dass der neue, erst Mitte Dezember zu wählende Präsident – zu den potentiellen beiden finalen Kandidaten zählt mit Guido Buchwald ein weiterer Weltmeister von 1990 – als sehr wahrscheinlicher künftiger Chef des Aufsichtsrats nicht mehr in den Auswahlprozess eingreifen kann.

Ohne die Fußball-Weltmarke Klinsmann im Bewerber-Feld ist es ein Schweizer, der dem Vernehmen nach bereits seit Beginn der Suche als Favorit auf den Vorstandsvorsitz beim VfB galt – und der weiterhin starke Karten in Händen hält: Dies ist Bernhard Heusler, 55, der ehemalige Präsident des ebenfalls 1893 gegründeten FC Basel. Unter der Führung des promovierten Juristen wurde der FCB achtmal hintereinander Schweizer Fußballmeister.

Als Teilhaber der Beratungsagentur HWH für Business, Sport und Kultur bringt Heusler neben Fußball-Sachverstand auch Erfahrung in juristischen, kommunikativen und Marketing-Fragen ein – zuletzt entwickelte er eine Imagekampagne für die Schweizer Fußball-Nationalelf und ist zudem in der Szene bestens vernetzt. Ein Umstand, welcher beim VfB in der zuletzt ins Stocken geratenen Suche nach einem zweiten Investor (unter dem Ex-Präsidenten Wolfgang Dietrich galt der Hamburger Vermarkter Lagardère Sports als Favorit) von Vorteil ist.

Hitzlsperger ohne Erfahrung

Neben Heusler gibt es aber noch weitere Aspiranten: Allerdings hat der ehemalige Vorstandschef von Fortuna Düsseldorf, Robert Schäfer, mit dem Umstand zu kämpfen, einst der favorisierte Kandidat des gescheiterten Ex-Präsidenten Dietrich gewesen zu sein. Unter Schäfer schaffte die Fortuna 2018 den Aufstieg in die erste Liga und die Modernisierung des Clubs schritt voran. Allerdings stand der 43-Jährige im Zentrum der Posse um den Trainer Friedhelm Funkel, dessen Vertrag er erst auf Druck der Fans verlängerte. Als es mit dem Aufsichtsrat knirschte, kam für Schäfer im Frühjahr das Aus.

Auch einen internen Kandidaten gibt es: So liebäugelt der VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger ebenfalls mit dem Vorsitz. Auf Nachfrage wollte sich der Meisterspieler von 2007, der auf der Geschäftsstelle großen Rückhalt genießt, allerdings nicht äußern. Gegen Hitzlsperger spricht, dass er über keine Erfahrung an der Spitze eines Clubs verfügt.

Bleibt Alexander Wehrle, 44, der beim VfB bis 2013 dem heutigen Ehrenpräsidenten Erwin Staudt assistierte und der als Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln erfolgreich arbeitet. So war es Staudt, der den Namen Wehrle in Stuttgart ins Spiel brachte. Dass der Ehrenpräsident zuletzt aber in einem Interview erklärte, der Posten des Vorstandschefs beim VfB sei entbehrlich, deutet darauf hin, dass sein Ziehsohn Wehrle kein Interesse an dem Job in Stuttgart hegt.

Kandidatenfeld für Amt des Präsidenten schrumpft

Neun Kandidaten: Der Vereinsbeirat des VfB hat das Kandidatenfeld für das Amt des Präsidenten nach der inhaltlichen Überprüfung der Bewerbungen ausgedünnt. Neun Anwärter sind nach Informationen unserer Zeitung noch im Rennen – bekannt sind bisher die Kandidaturen von Guido Buchwald, Bernd-Michael Hümer, Matthias Klopfer, Markus Reiners, Christian Riethmüller und Claus Vogt.

Zwölf Anwärter: Zum Bewerbungsschluss am vorvergangenen Montag hatten zwölf Anwärter Unterlagen eingereicht, von denen allerdings zwei formal nicht vollständig waren. Von den zehn zunächst verbliebenen Männern und Frauen im Alter von 44 bis 65 Jahren schied nach der Begutachtung durch den Vereinsbeirat Friedhild Miller aus Böblingen aus – sie konnte die in Paragraf 16 (Abschnitt 3) definierte Führungserfahrung nicht vorweisen. Ihr Aus machte sie am Dienstag auf Facebook öffentlich.

Vorstellung: Die restlichen neun Bewerber werden sich in den nächsten Wochen dem Vereinsbeirat vorstellen, der für die Nominierung der zwei Kandidaten für das Amt des Präsidenten zuständig ist. Das Gremium um den Vorsitzenden Wolf-Dietrich Erhard wird am 7. November bekannt geben, welche zwei Anwärter sich am 15. Dezember bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung in der Stuttgarter Schleyerhalle als Nachfolger des zurückgetretenen Wolfgang Dietrich zur Wahl stellen. Wobei der Vereinsbeirat die Möglichkeit hat, auch noch einen Kandidaten seiner Wahl ins Rennen zu schicken, der bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist nicht auf den Plan getreten ist.

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