Marc Lehmann (links), David Meyer und Conny Bucher wollen gastronomische Betriebe und Geschäfte mit einer Spendenkampagne in der Coronakrise unterstützen. Foto: /privat

Stuttgarter Initiativen haben sich im Internet gebildet, um von der Stilllegung des öffentlichen Lebens besonders betroffene Läden und Lokale zu unterstützen.

Stuttgart - Der 34-jährige Marc Lehmann nennt das Internet einen Segen für den Gemeinsinn in der gegenwärtigen Krise. Er schildert, wie er und seine Mitstreiter in der vergangenen Woche in einem Gruppenchat im Internet die Idee für das Projekt „Lokalsupport Stuttgart“ entwickelt haben. Mit der Initiative wollen sie Stuttgarter dafür gewinnen, für die aufgrund der Coronakrise hart getroffenen Gastronomie-Betriebe zu spenden. Einigen droht gar die Schließung. „Dass wir in Zeiten, in denen der persönliche Kontakt unmöglich geworden ist, gemeinsam Ideen für Hilfsaktionen entwickeln können, verdanken wir den digitalen Medien“, sagt der Ingenieur. Lehmann arbeitet derzeit wie viele in Deutschland von zu Hause aus. Er hat allerdings in der vergangenen Woche seine Arbeitszeit reduziert, um sich einige Stunden am Tag zwei privaten Internetprojekten zu widmen.

Lehmann wurde Mitinitiator von „Lokalsupport Stuttgart“, nachdem er kurz zuvor das Hilfsprojekt „Solidarität Stuttgart“ gemeinsam mit den Stuttgartern Conny Bucher und David Meyer digital lanciert hatte. Ein Kanal der Kampagne existiert auf Instagram, einem Onlinedienst zum Teilen von Fotos und Videos, noch bis zum 31. März. Stuttgarter können bis zu diesem Datum dort mit der Anwendung Paypal ein T-Shirt mit dem Logo „Solidarität“ im Wert von 20 Euro erwerben. Der Erlös wird an eines der von der Aktion unterstützten Geschäfte und Gastronomiebetriebe gespendet.

Stuttgarter können T-Shirts kaufen

Die Initiative erhält dafür Gutscheine von den Läden und Lokalen. Diese sollen der Allgemeinheit zugutekommen, sobald öffentliches Leben wieder möglich ist, verspricht die Initiative. Bisher seien bereits 260 T-Shirts im Internet verkauft worden, berichtet Lehmann. Sie sollen, sofern es die Umstände zulassen, in den kommenden Wochen an die Käufer ausgeliefert werden, sagt er.

Es soll 60 Mal Eis geben

Er erklärt anhand einer Eisdiele im Stuttgarter Osten, wie das Prinzip funktioniert: „Wir haben mit dem Erlös von verkauften T-Shirts einen Gutschein im Wert von 60 Eisportionen bei der Eisdiele erworben. Wenn Menschen wieder zusammenkommen können, geben wir bei einem Aktionstag mit dem Gutschein 60 mal Eis aus.“ Den Erlös aus dem T-Shirt-Verkauf erhalten die unterstützen Läden und Lokale sofort, während sie die Leistung erst nach der Krise erbringen müssen. Lehmann berichtet, dass viele der von ihnen unterstützten Betriebe derzeit mit großer Sorge in die Zukunft blicken.

Die Kampagne des Onlineshops „heimat.kult“ der Brüder Patrick und Marcel Hoff aus Holzgerlingen arbeitet ähnlich. Auf der Internetseite können Stofftaschen im Wert von zehn Euro gekauft werden. Der Shop investiert den Erlös wiederum in Gutscheine bei derzeit geschlossenen Lokalen in Stuttgart sowie dem Kaufhaus Mitte an der Königstraße. „Wichtig ist, dass die Läden jetzt etwas Umsatz machen können“, sagt Patrick Hoff.

Projekt unterstützt Gastro-Szene

Marc Lehmann hat ein zweites Projekt mit ausgetüftelt, dass sich auf die von der Krise gebeutelten Gastronomiebetriebe beschränkt. Gäste von derzeit 50 Lokalen haben auf der Internetseite von „Lokalsupport Stuttgart“ die Möglichkeit, direkt mit der Anwendung Paypal an einen gastronomischen Betrieb Geld zu spenden. „Wir denken dabei an das Trinkgeld, das jeder am Wochenende bezahlt. Das kann man mit Hilfe unserer Internetseite jetzt auch geben,“ sagt Lehmann.

Die beiden Angebote setzen auf niederschwellige Hilfe. Jeder kann Lokale und Geschäfte mit einem Mausklick unterstützen. Die Aktionen sollen dazu beitragen, dass von vielen Stuttgartern geschätzte Lokale oder kleine Läden um die Ecke nicht nach der Krise verschwunden sind, meint Lehmann. „Das sind für viele von uns gewohnte Kontaktpunkte. Wir wollen sie nicht verlieren“, sagt er.

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