Der Gasspeicher in Sandhausen ist einer von nur zwei kleinen Speichern im Südwesten – das meiste Erdgas lagert in Deutschland außerhalb von Baden-Württemberg, der größte Speicher in Rehden liegt in Niedersachsen. Foto: Terranets BW/privat

Volle Gasspeicher sollen durch den Energiekrise-Winter helfen. Ein wichtiges Ziel für die Gasvorräte ist bereits erreicht. Wie geht es weiter? Und welche Rolle spielen Speicher in Baden-Württemberg?

Über den Winter weiter heizen und Industrieanlagen betreiben – dafür ist in der Energiekrise entscheidend, ob genug Erdgas in den deutschen Speichern vorhanden ist. Die Bundesregierung hat angepeilt, dass die Speicher bis zum 1. November zu 95 Prozent gefüllt sein. Wenn die Speicherstände in der kalten Jahreszeit sinken, sollen sie zum 1. Februar noch bei 40 Prozent liegen.

Wie groß sind die deutschen Gasreserven in den mehr als 40 Speichern aktuell – und liegen sie im Plan, auch wenn durch die Pipeline Nord Stream 1 kein russisches Gas mehr fließt? Das zeigen tagesaktuelle Daten der Organisation Gas Infrastructure Europe (GIE).

Wie gut sind die deutschen Speicher derzeit gefüllt?

Die folgende Grafik zeigt täglich aktualisiert den Verlauf des Gasspeicher-Füllstands in Deutschland seit Januar 2022. Zum Vergleich sind die Füllstandskurve von 2021 und der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre eingezeichnet. Die Vorgabe von 95 Prozent zum 1. November wird bereits Mitte Oktober knapp erreicht.

Der exakte Füllstand laut den GIE-Daten betrug am 30. November 95,5 Prozent. Nachdem die Speicher am 13. November zu 100 Prozent gefüllt waren, sinkt die Prozentzahl nun also wieder.

Besser vorgesorgt als vergangenen Winter

Im letzten Winter waren die Gasspeicher dagegen vergleichsweise wenig gefüllt – der Höchststand lag nur bei rund 72 Prozent. Am Ende der Heizperiode im Frühjahr 2022 waren die Speicher deshalb deutlich leerer als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Seit dem Frühjahr, als die Bundesregierung zum ersten Mal Vorgaben für die Speicherbetreiber herausgegeben hat, haben sich die Speicher jedoch vergleichsweise schnell gefüllt. Seit Mitte August ist mehr Gas in den Speichern als im Schnitt der letzten fünf Jahre.

Die maximale Gasmenge in den deutschen Speichern, rund 245 Terawattstunden, ist weniger als die Hälfte dessen, was in Deutschland laut der Bundesnetzagentur in der vergangenen Heizsaison von November bis März verbraucht wurde – allerdings nur unter der Annahme, dass plötzlich überhaupt kein Gas mehr nach Deutschland importiert würde.

Ähnlich wie beim Strom wird auch Erdgas in Europa über Ländergrenzen hinweg gehandelt. Für Süddeutschland ist beispielsweise auch der große österreichische Gasspeicher Haidach wichtig. Umgekehrt ist auch das Gas in deutschen Speichern nicht allein für die Bundesrepublik reserviert.

Gasspeicher in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es nur zwei Gasspeicher, die zu den kleinsten in ganz Deutschland gehören. Solche unterirdischen Speicher nutzen entweder die Lücken in porösem Gestein (Porenspeicher) oder künstliche Hohlräume (Kavernenspeicher). In Fronhofen (Landkreis Ravensburg) befindet sich der kleinste deutsche Gasspeicher mit einer Arbeitsgaskapazität von rund 0,1 Terawattstunden. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was der größte Speicher im niedersächsischen Rehden mit mehr als 43 Terawattstunden fasst.

Der zweite Gasspeicher in Sandhausen bei Heidelberg ist ein Sonderfall: Er zählt nicht zum gesamtdeutschen Füllstand, weil er nicht – wie die meisten anderen Speicher – einem gesonderten Speicherbetreiber gehört, der ihn dem Gasmarkt zur Verfügung stellt, sondern direkt zum Netzbetreiber Terranets BW gehört, einem Tochterunternehmen des Energiekonzerns EnBW. Der Speicher ist mit rund 0,34 Terawattstunden Kapazität zwar etwas mehr als dreimal so groß wie der Speicher in Fronhofen, im Vergleich zu anderen Speichern aber ebenfalls klein.

Die folgende Grafik zeigt die Füllstände der beiden Speicher in Baden-Württemberg und den deutschlandweiten Speicherstand zum Vergleich.

Der Speicher in Sandhausen war bereits seit Frühjahr mit einer einzigen Ausnahme dauerhaft vollständig gefüllt, der Speicher Fronhofen wurde ab September von unter 50 Prozent innerhalb eines Monats wieder auf knapp unter 100 Prozent befüllt. Laut einer Sprecherin von Terranets BW wird der Speicher in Sandhausen von dem Unternehmen zur Stabilisierung des eigenen Gasnetzes eingesetzt, das sich hauptsächlich über Baden-Württemberg und Hessen erstreckt.

Diese und viele weitere Daten zur Energie in Deutschland zeigen wir regelmäßig aktualisiert in diesem Beitrag.