Der Neuseeländer Steve Harley schlägt gerne für den Cannstatter Tennisclub auf. Foto: Streib - Streib

Der Neuseeländer Steve Harley hat in dieser Saison mit den Tennis-Herren-55 des Cannstatter Tennisclubs den Titel geholt.

Bad Cannstatt Steve Harley sitzt in Tennisklamotten im Vereinsheim des Cannstatter Tennisclubs. Vor ihm steht sein aufgeklappter Laptop. „Ich muss auch mal arbeiten“, lacht der 60-jährige Neuseeländer, der für eine Firma aus seinem Heimatland in Deutschland tätig ist. Wirklich zum Arbeiten kommt er an diesem Nachmittag nicht. Vielmehr wird er von vielen CTC-Mitgliedern herzlich begrüßt und tauscht mit jedem ein paar Sätze aus. Apropos Sätze: Davon hat er in dieser Saison viele geholt – bei den in der Regionalliga-Südwest spielenden Herren 55 des Cannstatter Tennisclubs. An Position sechs gewann er alle fünf Einzel, gab dabei keinen Satz ab und gönnte dreimal seinen Gegenübern nicht einmal ein einziges Spiel. Im Doppel gewann er vier der fünf Spiele. Somit hatte er großen Anteil am verlustpunktfreien Titel der Cannstatter und dem Aufstieg in die 1. Regionalliga. „Das war auch gar nicht so schwierig. Ich bin ja, weil ich hier noch nicht so lange spiele, gerade mal Leistungsklasse 15. In der nächsten Runde werde ich höher eingestuft“, so Harley.

Im Vorjahr kam Harley beruflich nach Stuttgart und verabredete sich auf „ein paar Bälle mit John O’Malley, den ich schon aus Neuseeland und seit über 35 Jahren kenne“. Dann ging er wieder in seine Heimat zurück und kam im Februar dieses Jahres wieder nach Bad Cannstatt. Seit dieser Saison spielt er für die Herren 55 des CTC.

Zusammen mit Landsmann O’Malley, der Trainerlegende des CTC, war Harley „vor ewigen Zeiten“ gemeinsam Coach in Aalen. Dort verbesserte er unter anderem die Fähigkeiten des jungen Carl-Uwe „Charly“ Steeb, der später mit dem deutschen Team und Boris Becker den Davis-Cup gewann. „Ich habe noch Kontakt zu den Jungs von damals.“

Mit dem Davis-Cup hat der hervorragend Deutsch sprechende „Neu-Cannstatter“ auch eine Vergangenheit. „Ich stand so mit 18 Jahren im neuseeländischen Aufgebot. Aber nur als Ersatzmann, habe leider kein Spiel bestritten.“ In seinen jungen Jahren versuchte sich Harley auch für knapp zwei Jahre als Tennis-Profi. Jedoch ohne großen Erfolg, wie er selbst sagt. „Ich bin zwar viel herumgereist. Das war toll. Jedoch fehlten mir die Disziplin und auch der Trainer, damit ich längerfristig mit Tennis hätte Geld verdienen können.“ In der Weltrangliste sei er kurzfristig so zwischen Rang 500 bis 700 geführt worden. „Wohl eher Richtung 700“, schiebt er lachend nach. Auf Turnieren ist er immer noch gerne vertreten, wurde beispielsweise in diesem Jahr Bezirksmeister. Bei den kürzlich zu Ende gegangenen ITF-World-Team-Championship in Ulm trat er für sein Heimatland in der Kategorie Herren 60 an. Sieben von acht Spielen hat er dabei gewonnen, letztlich belegte das neuseeländische Team den achten Platz unter 23 Mannschaften. Gespielt wurde dort natürlich nicht auf seinem geliebten Rasenplatz, wie es in Neuseeland üblich ist, sondern auf Sand. „Ich habe mich an den roten Untergrund seit langem gewöhnt, nur komischerweise immer mal wieder Probleme mit dem Rutschen.“

Ob der Mann aus Neuseeland auch in der nächsten Saison für den Cannstatter Tennisclub zum Schläger greifen wird, hängt von den Behörden ab. „Meine Aufenthaltsgenehmigung läuft Ende Oktober ab. Ich hoffe, sie wird verlängert, denn ich fühle mich hier richtig wohl.“ Er habe sich auch bewusst für Baden-Württemberg beziehungsweise Stuttgart und Bad Cannstatt als Arbeitsort entschieden. „Es hat sich bis in meine Heimat herumgesprochen, dass es im Schwabenland schön und vor allem das Essen lecker ist. Linsen mit Spätzle und Maultaschen mag ich besonders“, sagt Harley, der gerade mal 400 Meter entfernt von der Tennisanlage im Oberen Kurpark wohnt.

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