Dennis Keifer und sein Sohn Milo sind beim Eltern-Kind-Training begeistert bei der Sache. Foto: /Sebastian Steegmüller

Der FSV Waldebene Ost bietet in Corona-Zeiten ein Eltern-Kind-Training an. Auch Mütter und Brüder sind beim Coachen dabei.

Stuttgart-Ost - Für gewöhnlich erstrahlen in den Abendstunden die Flutlichtanlagen des SV Gablenberg, der Spvgg Ost und des 1. FV Stuttgart 1896 auf der Waldebene Ost mit voller Kraft. Während der corona-bedingten Fußball-Zwangspause bleiben die Lampen aus, auf den drei Sportanlagen inmitten des Waldes herrscht gespenstische Dunkelheit – aber nicht generell. Seit vergangener Woche geht auf der Waldebene an zwei Tagen wieder das Licht an. Genauer auf den Sportplätzen des FV 1896 und des SV Gablenberg. Zudem rollt der Ball wieder. Um einen dicht gedrängten Ansturm beziehungsweise ein Kommen und Gehen zahlreicher Kicker und Mannschaften handelt es sich indes nicht. Vielmehr sind auf beiden Plätzen innerhalb einer Stunde insgesamt 16 Duos plus vier Aufsichtspersonen anzutreffen – der FSV Waldebene Ost (die Nachwuchsfußballer von Gablenberg, Ost und dem FV 1896 sind seit 2019 unter diesem Namen verschmolzen) bietet Kinderfußball oder besser gesagt ein Eltern-Kind-Training an. Will heißen: Ein Elternteil trainiert sein Kind. Und dies zu Corona-Zeiten? „Ganz genau“, sagt Thomas Christ, der sportliche Leiter des FSV Waldebene Ost, „natürlich unter Einhaltung der Verordnungen. Wir haben nach fünfwöchiger Schließung die Sportanlagen wieder geöffnet, damit sich die Kleinsten motorisch und fußballerisch weiterentwickeln und Spaß haben können“. Fußball sei laut der Coronaverordnungen unter anderem möglich, wenn Individualtraining vorherrsche, nur maximal zwei Haushalte zusammenträfen, genügend Platz zur Verfügung stünde, die Sanitär- und Umkleideräume geschlossen blieben und ein Hygiene- und Wegekonzept bestehe, bei dem die Durchmischung von Personen ausgeschlossen sei. „All diesen Auflagen sind wir nachgekommen, beschränken uns sogar auf einen Haushalt und haben das Konzept vom Amt für Sport und Bewegung absegnen lassen“, so Christ.

Besagtes ausgeklügeltes Konzept mit Verhaltensregeln und Übungen ist auf rund zehn Seiten im Internet abrufbar. Unter anderem auch ein Plan, auf dem nach der Anmeldung genau registriert ist, welches Eltern-Kind-Duo auf welchem Parkplatz halten darf und welchen Weg es auf die Platzhälfte zu benutzen hat. So sind pro Parkplatz und Eingang auf dem halben Sportplatz gerade mal vier Pärchen anwesend. Bei der Premiere am vergangenen Freitag habe das erstaunlich gut geklappt, die Laufwege, natürlich mit Maske, hätten so gut wie alle gepasst, so Christ.

Das Trainingspaar orientiert sich nach Betreten des Platzes direkt zu seinen Stationen – insgesamt sind es für jede „Trainingsgruppe“ vier. Diese sind beschriftet und kurz erklärt, was und wie zu üben ist, sollte man sich vorab im Internet nicht über die Übungsformen informiert haben. Schwerpunkt: Die Bewegung mit Ball fördern, Zielgenauigkeit, Fintieren und eine Spielform auf zwei Tore. Das Konzept beinhaltet auch Tipps für die Trainer – unter anderem dass sie die Übung vormachen, erst vom Leichten zum Schweren übergehen, Ziele setzen, Spaß haben und korrigieren sollen. „Teilweise haben die Väter, es waren auch zwei Mütter und ein Bruder als Coach dabei, keine Erfahrung mit Fußball-Training. Deshalb haben wir die Tipps angeboten.“

Dennis Keifer hat sich die Ratschläge zwar auch durchgelesen, braucht sie eigentlich aber nicht. Das Gablenberger Urgestein – selbst Trainer und die Konstante der aktiven Mannschaft – hat das spezielle Eltern-Kind-Training als willkommene Abwechslung genutzt und ist mit seinem siebenjährigen Sohn Milo dabei. „Wir haben zuletzt nur auf der Wendefläche vor dem Haus auf Asphalt gespielt, da ist solch ein Training mal wieder eine tolle Sache“, so Keifer. Und Milo? Findet es ebenfalls „spitze“ und ist vom neuen Kunstrasen des FV 1896 angetan. „Da kann man auch super Grätschen und wieder einmal Stollenschuhe anziehen“, strahlt Milo.

Bis der Teil-Lockdown beendet ist, wollen die FSV-Verantwortlichen das Eltern-Kind-Training – „es hat die Bewährungsprobe bestanden und ist sozusagen auch schon ausgebucht“, so Christ – zweimal die Woche durchziehen. Sofern es das Wetter zulasse und die Inzidenzzahl nicht über 200 steige. Sollte Letzteres eintreten, dann entfällt das Trainingsangebot generell.

So weit ist es noch nicht, und so wird immer mal wieder das Flutlicht die gespenstische Dunkelheit auf der Waldebene erhellen.

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