Wyatt Schingoethe am Puck. Der neue Rebels-Stürmer hat seine Torjägerqualitäten bereits unter Beweis gestellt. Foto: Alexander Pelz

Vier Spiele hat Schingoethe für die Rebels bestritten, aber in der Oberliga bereits ein Ausrufezeichen gesetzt. Der 23-Jährige will sich für höherklassige Clubs interessant machen.

Die Verantwortlichen des Eishockey-Oberligisten Stuttgart Rebels scheinen ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Zumindest hat es den Anschein, wenn man auf die Tabelle der Oberliga Süd schaut. In den vergangenen beiden Spielzeiten noch Schlusslicht, stehen die Kufencracks von der Waldau nach 16 Spieltagen auf dem neunten Platz in der 14 Mannschaften starken Liga. Mit ein Verdienst von Wyatt Schingoethe. Der 23-jährige US-Amerikaner ist zwar erst seit vier Wochen ein „Rebell“, hat aber in der Liga bereits einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Seine Bilanz: vier Spiele, sechs Tore, insgesamt neun Scorerpunkte. Die lange Suche der Rebels nach einem Goalgetter hat wohl ein Ende gefunden.

Und der 1,79 Meter große und 91 Kilogramm schwere Schingoethe liebt es, Tore zu schießen. „Ja, ich bin schon torhungrig, suche den direkten Weg zum Gehäuse“, sagt er. Was aber nicht heißen soll, dass er ein „Ego-Shooter“ ist. Der Mannschaftserfolg stehe stets im Vordergrund. Er ärgere sich viel mehr über eine Niederlage als über ein Spiel ohne eigenen Treffer.

Der Kontakt zu dem in Chicago geborenen Schingoethe kam über das große Netzwerk von Matt Pistilli, dem Sportlichen Leiter der Rebels, zustande. Dieser bekam einen Tipp, schaute sich daraufhin Videos des Stürmers von Partien in der NCAA Division an, wo der Center für die Western Michigan University in den Finalspielen zwei wichtige Tore erzielte und für den Titelgewinn mitverantwortlich war. Pistillis Einschätzung: Ein Spieler, der in der Offensive stark sei, aber den defensiven Weg ebenfalls kenne und vor allem in wichtigen Momenten seine beste Leistung abrufen könne. Schingoethe selbst sieht seine Stärken in „den schnellen Beinen und einer guten Hand“, sagt er. Zudem habe er die Fähigkeit, ein Spiel zu lesen, bestimmte Situationen vorauszusehen.

Wie wohl viele Eishockey-begeisterte Kinder in den Vereinigten Staaten und Kanada träumte auch Wyatt Schingoethe von einem Vertrag in der NHL, der besten Liga der Welt. Im sogenannten NHL-Entry-Draft im Jahr 2020 wurde er in der siebten Runde an Position 195 von den Toronto Maple Leafs ausgewählt. Freilich, die Verantwortlichen konnte er letztlich nicht überzeugen, ihm einen Vertrag zu geben. Enttäuscht sei er schon gewesen, gibt Schingoethe zu, doch von seinem Ziel, Profi zu werden, ließ er sich nicht abbringen. Deshalb sieht er die Station Stuttgart als Chance, sich in Deutschland einen Namen zu machen. „Ich habe mit den Rebels einen Verein mit Perspektive, einem guten Umfeld und einem guten Staff gefunden. Zudem hat die junge Mannschaft viel Potenzial, da ist noch einiges zu erwarten“, hat der neue Goalgetter bereits erkannt. „Aber klar, ich möchte die Möglichkeit nutzen, um mich für höherklassige Aufgaben zu empfehlen.“

Nun also Oberliga Eishockey in Deutschland anstatt NCAA Division in den USA. Welche Liga hat mehr Qualität? Das könne er so nicht beantworten. Fakt sei aber: Das Spiel in Übersee sei schneller, intensiver und körperbetonter. Sicherlich auch wegen der kleineren Eisflächen. Apropos Eisflächen. Die für Europa üblichen größeren Spielfelder bereiten Neuankömmlingen aus Übersee häufig Probleme, benötigen sie doch eine gewisse Eingewöhnungszeit. Nicht so bei Schingoethe, der auch schon auf den wenigen, größeren Spielflächen – auch mit dem aktuellen Rebels-Kapitän Dane Montgomery – in seinem Heimatland gespielt hat. „Für mich bedeutet das keine Umstellung, ich liebe mehr Platz auf dem Eis.“

Im Sommer hat Schingoethe seinen Universitätsabschluss im Fach Management gemacht. Zusammen mit seiner Freundin Isabella ist er nach Stuttgart gezogen, wohnt aktuell im Stuttgarter Osten. Viel Zeit, die Landeshauptstadt zu erkunden, hatte er noch nicht. Aber den Fernsehturm schon, das sei ein absolutes Pflichtprogramm und toll gewesen, sagt er. Vorfreude herrscht bei ihm und seiner Freundin bereits auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt. „Wie mir erzählt wurde, soll der ja echt schön sein.“

Bleibt noch die Frage nach seinem Vornamen. Haben seine Eltern diesen in Anlehnung an den treffsicheren legendären Sheriff Wyatt Earp ausgewählt? Schingoethe lacht: Keineswegs, aber darauf werde er immer wieder angesprochen. „Das ist seit meiner Kindheit ein Running-Gag“.