Gisela und Josef Wegner begingen am Mittwoch das Foto: Kuhn

Gisela und Josef Wegner feierten am Mittwoch Eiserne Hochzeit. Die beiden Untertürkheimer sind noch immer in etlichen Vereinen, wie der Cannstatter Volksfestverein aktiv.

Untertürkheim - Was sie vor 65 Jahren aus finanziellen Gründen nicht machen konnten, hätten Gisela und Josef Wegner gerne am Mittwoch nachgeholt: Ausgiebig mit der Familie und dem großen Freundeskreis ihre Eiserne Hochzeit feiern. Wegen der Corona-Bestimmungen statteten die engsten Verwandten am Mittwoch nur Kurzbesuche im Garten ab. „Corona trifft uns hart. Jahrgangs- und Vereinstreffen sowie Familienfeste sind bereits ausgefallen. Dabei feiern wir so gerne“, sagt Gisela Wegner mit herzlichen Lachen. Die Beiden sind mehr als 50 Jahre Mitglied im Bayernverein Edelweiß Untertürkheim und seit Jahrzehnten im Cannstatter Volksfestverein aktiv. Selbst mit 87 Jahren lief Josef Wegner vergangenes Jahr noch im Umzug mit, seine fünf Jahre jüngere Frau bekam einen Ehrenplatz in der Kutsche. Auch am – in normalen Zeiten – monatlichen Stammtisch des Läbbererclubs haben die Wegners einen Stammplatz. Der Besucher merkt schnell. Die beiden Jubilare lieben die Geselligkeit, ihre Augen leuchten und erzählen lachend ein Erlebnis nach dem anderen. Sie waren Nachbarkinder im Untertürkheimer Wohngebiet Wallmer. Gisela und ihre Familie war aus Breslau, Josef Wegners Familie aus Oberschlesien geflüchtet. Um die Faschingszeit 1953 feierte die 16-jährige Gisela mit ihren „Handball-Mädels“ im VfB-Clubheim. Ihr späterer Mann hatte den Auftrag, sie mit dem Auto eines Freundes abzuholen. „In der Gaststätte Wallmer haben wir im Reigen der Familie weitergefeiert und getanzt. Dabei haben wir uns ineinander verguckt“, erzählt Gisela Wegner. Zwei Jahre später wollten sie heiraten. Der Termin drängte, da Giselas Wegners Opa schwer krank war, die Hochzeit aber noch erleben wollte. Der 30. Dezember war der früheste Termin. „Der Opa verstarb aber einen Tag zuvor“, erzählt Gisela Wegner. Nicht nur deswegen sei das Hochzeitsfest ärmlich ausgefallen. „Wir mussten sparen, hatten entbehrungsreiche erste Ehejahre zu überstehen, nachdem ich früh meine erste Tochter bekam und meine Mutter kurz danach auch noch starb“, erzählt die 83-Jährige. Das Ehepaar lebte mit drei Töchtern lange in einer knapp 50 Quadratmeter großen Wohnung im Wallmer. Oft saßen Giselas jüngere Schwester, Arbeitskollegen und Freunde ebenfalls im Wohnzimmer. „Wir hatten immer eine volle Wohnung“, sagt das Paar, das seine Gäste gerne auch kulinarisch verwöhnte.

Josef Wegner hatte dabei seine Arbeitsstätte immer im Blick. „Er hat den Daimler-Stern eintätowiert und fiebert heute noch mit Daimler mit“, sagt seiner Tochter Andrea Mathiasch. 38 Jahre arbeitete er in der Pkw-Entwicklungs- und -Versuchsabteilung der Mercedes-Benz AG. Deswegen ist es auch keine Frage, welches Auto der heute 88-Jährige fährt: „Einen E-Klasse-Diesel und zwar jedes Jahr das aktuellste Modell“, sagt er. Er nutze zwar nicht jeden Knopf, sei aber für alle Neuerungen aufgeschlossen. Seit 23 Jahren lebt das Paar mit der Familie einer Tochter am Ortsrand von Fellbach und empfing dort im Garten auch einzeln die Gäste. „Die große Feier wird aber nachgeholt – mit den drei Töchtern, sechs Enkeln, drei Urenkeln und vielen Freunden“, hoffen sie.

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