Neue Geschäfte, weniger Leerstand, mehr Frequenz. Seit einem Jahr sorgt Center-Manager Serge Micarelli im Leo-Center für Aufbruchsstimmung.
Nach dem Mittagessen beim neuen Italiener im Leo-Center trägt Serge Micarelli sein Geschirr selbst zurück an den Tresen. „Solche kleine Gesten sind mir wichtig“, sagt er, der vor einem Jahr nach Leonberg kam, um als Manager wieder frischen Wind in das Einkaufszentrum zu bringen. Vor allem durch Corona sei es in ein etwas zu ruhiges Fahrwasser geraten. „Als ich kam, war die Stimmung ziemlich weit unten“, erinnert sich Micarelli.
Eine Aufgabe, die der gerade noch 64-Jährige (er feiert am 13. November seinen Geburtstag) täglich am liebsten angeht, ist das persönliche Gespräch sowohl mit den Mietern als auch immer wieder mit den Kunden. „Ich komme selbst aus dem Handel und sehe auch mal, was in einem Geschäft besser gemacht werden kann, wenn es gerade nicht ganz so rund läuft.“ Es sei dann ein Gespräch auf Augenhöhe, ohne erhobenen Zeigefinger.
Leere Karstadt-Fläche im Leo-Center wird saniert
Seit zwölf Monaten ist Serge Micarelli für die Leonberger Shopping-Mall verantwortlich. Und er kann für sich eine erste Erfolgsbilanz ziehen. „Seit November 2024 wurden neun neue Shops eröffnet“, so der Manager. 84 Läden zählt das Leo-Center insgesamt. Als er im vergangenen Jahr seine Aufgabe übernahm, habe er 23 Leerstände vorgefunden. Darunter die markanteste Fläche des ehemaligen Warenhauses Karstadt, das seine Tore in Leonberg nach mehr als 50 Jahren schließen musste. Die freien Flächen im Center hat Micarelli bislang auf 14 verringern können. „Aktuell habe ich vier feste Zusagen, dann wären es bald nur noch zehn“.
Ein Höhepunkt 2025 sei die Eröffnung des Mode-Händlers New Yorker im September gewesen. Von ihm erhofft sich der Manager eine steigende Frequenz im Center, vor allem von jungen Kundinnen und Kunden. „Laut New Yorker ist das die beste Eröffnung im Südwesten gewesen“, sagt Micarelli. Ebenfalls im Obergeschoss ist mit Pizzeria Ristorante Romeo ein italienisches Gastronomen-Ehepaar eingezogen. Ein paar Meter weiter bietet Danila’s Chocobar süße Spezialitäten an. Ein Stockwerk tiefer hat Eiscafé Zoe die Fläche von Stefanello übernommen.
Müller kommt im nächsten Jahr
Ein Riesenschritt sei der Vertragsabschluss mit dem Handelskonzern Müller, der auf etwa 2800 Quadratmeter der ehemaligen Karstadt-Fläche im Obergeschoss einziehen wird. „Momentan wird die Fläche leer geräumt, Technik und Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht“, verrät der Center-Manager. Die Rolltreppe kommt raus, ein Boden wird eingezogen. So können die Flächen separat vermietet werden. Im zweiten oder dritten Quartal 2026 soll die Fläche an Müller übergeben werden, nach weiteren zehn bis zwölf Wochen ist die Eröffnung vorgesehen. „Rechtzeitig zu Weihnachten im nächsten Jahr, vielleicht auch schon früher“.
Auch auf der ehemaligen Karstadt-Fläche im Erdgeschoss könnte bald Bewegung reinkommen. „Hier sind wir in sehr fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem großen und kompetenten Anbieter aus der jungen Mode. Nicht zu jung, aber wir decken damit eine sehr großen Nachfragebedarf ab“, sagt Micarelli. Einen Namen darf er noch nicht nennen.
Regelmäßig führt das Center Kundenumfragen durch. „Die letzte hat ergeben, dass mehr Gastronomie erwünscht ist“, sagt Serge Micarelli. Und tatsächlich sei er bereits mit einem potenziellen Döner-Anbieter in Verhandlung. „Döner und Burger kommen vor allem bei Jugendlichen gut an, wir wollen die Kundschaft aus der Eltinger Straße ins Center holen, deshalb brauchen wir beste Qualität“. Doch auch mit Kündigungen von langjährigen Mietern musste sich der Center-Manager im vergangenen Jahr beschäftigen. Beispielsweise zog die Kreissparkasse in ein Gebäude außerhalb des Centers in der Römerstraße ein. „Damit müssen wir auch umgehen, wir haben mit Erfolg darum gekämpft, dass wenigsten die Geldautomaten im Center bleiben.“
Eine weitere große Herausforderung sei es gewesen, wieder einheitliche Öffnungszeiten im Leo-Center, das fast ein Viertel des Gesamtumsatzes in Leonberg mache, einzuführen. „Bei den Gesprächen musste ich nicht mit dem Vertrag drohen, sondern ich habe es mit überzeugenden Argumenten hingekriegt“, sagt Micarelli. Nun hätten bis auf zwei Geschäfte alle wieder durchgehend bis 20 Uhr geöffnet. „Vereinzelt kann es noch wegen personellen Engpässen zu temporären Anpassungen kommen.“
Serge Micarelli macht die Arbeit im Leo-Center großen Spaß. Und bis zum Jahr 2028 („so lange möchte ich auf jeden Fall noch arbeiten“) hat er sich das Ziel „Vollvermietung“ gesetzt. Und weil er gerne mit Zahlen umgeht, weiß er natürlich auch, dass aktuell 13 Prozent der Kaufkraft am Standort Leonberg aufgrund von Abwanderung an den Wettbewerb verloren geht. „Das müssen wir gemeinsam stoppen“, sagt Micarelli.