Gans im Glück: Die wärmenden Hände des Beamten sind bei der Kälte schon viel wert. Foto: Facebook Polizei Stuttgart

Polizei hat unterkühlten Vogel im Schlossgarten eingesammelt und zum Tiernotdienst gebracht.

Stuttgart - Dass es zurzeit schnatterkalt ist, müssen auch die Nilgänse im unteren Schlossgarten am eigenen Leib erfahren. Besonders bitter ist es für den Nachwuchs, schließlich haben die Küken noch kein Federkleid, nur ein bisschen Flaum. Einem kleinen Vogel haben Polizisten der Motorradstaffel am Dienstag das Leben gerettet.

Die Beamten waren aufgrund von Fahndungsmaßnahmen im unteren Schlossgarten unterwegs, als sie plötzlich von Passanten angesprochen wurden. Sie teilten ihnen mit, dass auf einer Wiese mehrere Gänseküken liegen würden, die kurz vor dem Erfrieren seien. Als die Polizisten sich den Tieren näherten, waren zwei der drei Küken bereits tot. „Das dritte Tier wurde von den Kollegen behutsam aufgenommen und sofort aufgewärmt“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. „Wenige Minuten später konnte die junge Gans dem Tiernotdienst übergeben werden.“

Wildtiere in Ruhe lassen

Auf der Facebook-Seite der Stuttgarter Polizei findet die Rettungsaktion des Kükens großen Anklang, einige Nutzer kritisierten jedoch auch, dass die Spaziergänger nicht selbst geholfen hätten. „Bei Wildtieren empfiehlt die Polizei, den Tiernotdienst oder einen Revierförster zu kontaktieren und sich dort weitere Informationen über eine mögliche Ersthilfe einzuholen“, so der Sprecher weiter. „Da im besagten Fall bereits zwei der drei Küken erfroren waren, mussten die Kollegen aber handeln.“

Der kleine Vogel wurde noch am Dienstag ins Tierheim Stuttgart nach Botnang gebracht, dort hat sich Sprecherin Petra Veil um ihn gekümmert, ihn am Abend sogar mit nach Hause genommen. „Nilgänse leben im Verbund, sind alleine total unglücklich.“ Regelmäßig habe sich das Tier bemerkbar gemacht und „viel gerufen“, so Veil. „Das hat mich die Nacht gekostet, aber das ist nicht so schlimm.“ Pepe oder Pepita – noch ist das Geschlecht des wenige Tage alten Jungtiers nicht zu erkennen – sei „total goldig“. Um das stark unterkühlte Küken aufzupäppeln, hat sie es zunächst in einer Box auf eine Wärmflasche gesetzt und zusätzlich mit Infrarotlicht bestrahlt. Außerdem reichte die Tierheimsprecherin dem außergewöhnlichen Gast geschredderte Insekten und klein geschnittenen Salat – alles schön aufgeweicht versteht sich.

Nicht zu sehr an Menschen gewöhnen

Energie, die das Küken zum Wachsen braucht, aber durch die Kälte geraubt wurde. „Das Tier hat sich schnell erholt“, sagt Interimgänsemutter Veil, für die die Betreuung bereits am Mittwoch wieder vorbei war. „Ich habe die Nilgans in eine Auffangstation gebracht, dort kümmert sich ein Experte um sie, bis sie groß und stark ist.“ Auch wenn Nilgänse ihre Zuneigung nach dem Auswildern schnell wieder ablegen würden, dürfe man sie nicht zu sehr an Menschen gewöhnen. „Das ist eine Gratwanderung“, sagt Veil, die jedoch optimistisch ist, dass es bei diesem Vogel klappt. Sobald das Tier selbstständig leben könne, dürfe es zurück in die Natur. „Allerdings nicht mehr in den Stuttgarter Schlossgarten, sondern in den ländlichen Raum.“

In den kommenden Tagen sinken die Temperaturen deutlich unter die Null-Grad-Marke. Sowohl für Mensch als Tiere kann Lebensgefahr bestehen. Wer eine hilflose Person antrifft, kann sich nachts beim Kältebus unter der Telefonnummer 219 54 776 melden oder im Notfall auch direkt die 110 oder 112 wählen. Der städtische Tiernotdienst ist unter der 216 91900 zu erreichen.

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