Viele Schulen und Kitas in Baden-Württemberg werden von großen Caterern beliefert. Häufig steht dann viel Fleisch auf dem Speiseplan. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ernährungsexperten weisen immer wieder auf die Bedeutung von gutem Essen für Kinder hin. Doch überprüfbare Qualitätsstandards fehlen im Land – und Eltern sehen Verbesserungsbedarf.

Stuttgart - Bei der Verpflegung von Kindern an Kitas und Schulen gibt es im Südwesten aus Sicht des Landeselternbeirats sowie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) Baden-Württemberg noch viel zu verbessern. „Es ist Standard, dass Caterer Firmen und Seniorenheime beliefern und nebenher Schulen oder Kitas“, sagt Peter Grimm von der DGE. Die Vergabe an Aufträgen durch die Träger der Einrichtungen – etwa die Kommunen – geschehe primär nach finanziellen Gesichtspunkten. „Dann gelten die Regeln der Ausschreibung: Es muss ein kostengünstiger Anbieter gewählt werden“, bestätigt eine Sprecherin des Gemeindetags Baden-Württemberg.

Verpflichtende Qualitätsstandards der DGE, wie sie etwa auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) für Kitas und Schulen in den Ländern flächendeckend fordert, gelten im Südwesten nicht. „Nach solchen Standards zertifizierte Anbieter gibt es im Land nur sehr wenige“, sagt der Hohenheimer Ernährungswissenschaftler Grimm. Die Qualitätsstandards betreffen etwa die Herkunft oder Zubereitung der Produkte sowie Angaben dazu, wie häufig bestimmte Lebensmittel wie Fleisch angeboten werden. Ein qualitativ besseres und nachhaltigeres Essen müsse nicht unbedingt auch höhere Preise bedeuten, sagt Grimm.

Selbst gekocht wird in den Einrichtungen selten

„Weil viele Caterer auch Firmen beliefern, steht dann sehr oft Fleisch auf dem Speiseplan – und das brauchen Kinder gar nicht“, sagt Susanne Petermann-Mayer vom Landeselternbeirat. Zudem sei das von großen Caterern angelieferte Essen häufig nicht kindgerecht und enthalte Komponenten, die Kinder nicht so gerne essen. Selbst gekocht werde in den Einrichtungen im Land eher selten, bestätigt die Sprecherin des Gemeindetags. „Da kann man lange reden, dass gesunde und nachhaltige Ernährung für Kinder wichtig ist. Das kommt wegen der Strukturen nicht an“, so Petermann-Mayer. Sie wünscht sich daher, dass sich Schulen, Kitas und Träger regelmäßig mit allen Beteiligten zusammensetzen und mithilfe von Beratern- und Beraterinnen an den Konzepten feilen.

Letztlich entscheide auch der Preis über die Qualität des Essens, sagt der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Michael Mittelstaedt: „Wenn wir als Gesellschaft über die Qualität von Schulessen sprechen, dann sollten wir auch im Auge haben, dass es finanziell auch oder eben gerade für finanziell sehr schlecht ausgestattete Kinder und Jugendliche erreichbar sein muss.“

Nachfrage nach Beratungsangeboten steigt

Vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) in Stuttgart heißt es, man biete über das Landeszentrum für Ernährung Beratung und Informationen an. Aufgrund der Nachfrage gehe man davon aus, „dass das Bewusstsein für eine nachhaltige, gesundheitsförderliche und genussvolle Ernährung in Baden-Württemberg in den letzten Jahren zugenommen hat“, so ein Sprecher des Ministeriums. Ein grundsätzliches Problem sei es aber, dass die Zuständigkeit für die Verpflegung nicht bei den Schulen selbst liebe, sondern bei den Trägern. Die ausschreibenden Kommunen seien dann dafür verantwortlich, Qualitätsaspekte klar und deutlich in der Ausschreibung für die Gemeinschaftsverpflegung zu verankern.

Vom Gemeindetag heißt es dazu: Die Auswahl der Verpflegung an Schulen und Kitas hänge nicht nur vom Willen der Träger ab, sondern etwa auch von den hohen Anforderungen der Lebensmittelhygiene und der Verfügbarkeit geeigneter Anbieter.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: