Eine spezielle Leitlinie weist vor dem F.3 Sehbehinderten den Weg. Foto: Hauptmann Quelle: Unbekannt

Fellbach (red) - Es muss nicht immer gleich ein großer, kostspieliger Umbau sein. Schon kleine Schritte können dazu beitragen, Barrieren abzubauen und den öffentlichen Raum behindertengerecht zu gestalten. Und wer könnte sich da besser einbringen als die Betroffenen selbst?

Die Arbeitsgruppe Barrierefreies Fellbach besteht aus „Experten in eigener Sache“. Seit zwei Jahren setzen sie sich dafür ein, Hürden in der Kappelbergstadt abzubauen, und bringen ihr Wissen bei Planungsprozessen und Bauvorhaben mit ein. Nun stellten sich die Mitglieder der AG im Bauausschuss des Gemeinderats vor und präsentierten ihre Arbeit.

Es gibt viele verschiedene Formen von Behinderungen, die auf dem Weg zur Barrierefreiheit bedacht werden müssen, erklärte Arne Jöns, der auch im Sehbehindertenverband engagiert ist. Neben der Körperbehinderung unterscheide man Sinnesbehinderung, Lernbehinderung, geistige Behinderung und seelische Behinderung. Der Fellbacher Aktionsplan Inklusion berücksichtigt diese Unterschiede und hat zum Ziel, allen Menschen mit Behinderung die volle Teilhabe und unabhängige Lebensführung zu ermöglichen. Das umfasst einen gleichberechtigten Zugang zu Gebäuden und Orten, Verkehrsmitteln, Dienstleistungen, Informationen und Freizeitangeboten - und zwar ohne besondere Erschwernis und möglichst ohne fremde Hilfe, wie Rollstuhlfahrer Simon Maier dem Gremium erläuterte. Im öffentlichen Raum hat sich in Fellbach in letzter Zeit bereits viel getan, betonte Tiefbauamtsleiter Thomas Stengel. Viele Bushaltestellen wurden umgebaut, vor dem F.3 wurden Markierungen für Sehbehinderte angebracht und vor dem Rathaus wurde ein Teil des „maroden Pflasters“ bereits testweise durch Betonsteine ersetzt.

Karl-Heinz Häußermann berichtete von den Bemühungen der AG im Hinblick auf Mobilität und ÖPNV. Im Zuge des barrierefreien Ausbaus von Bushaltestellen führten die Mitglieder Begehungen durch und machten Verbesserungsvorschläge. Außerdem gab es Gespräche mit den in Fellbach tätigen Busunternehmen und eine öffentlichkeitswirksame Aktion beim Maikäferfest - schließlich gibt es auch Barrieren in den Köpfen, die abgebaut werden müssen. „Wir wollen für die Belange von Menschen mit Behinderung sensibilisieren“, so der Stadtseniorenrat.

Was die Zugänglichkeit von öffentlichen Gebäuden betrifft, hat die AG Barrierefreies Fellbach bereits einiges geleistet. „Wir haben im Rathaus, in der Schwabenlandhalle, in der Alten Kelter und dem Großen Haus in Schmiden Ortsbegehungen durchgeführt, um den Stand der Dinge zu erfassen“, führte Ulrich Strobel aus. Er wünscht sich, dass in Zukunft die Belange von Menschen mit Handicap bei allen Bauvorhaben berücksichtigt werden. So setzt er sich als Schwerhöriger besonders für die Ausstattung öffentlicher Gebäude mit Höranlagen ein.

Einen Überblick über die Erreichbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Gebäuden gibt seit Anfang Dezember der Online-Wegweiser „Hürdenlos“, in dem bereits viele öffentliche Gebäude wie Schulen, Ämter und Behörden, aber auch Apotheken aus Fellbach erfasst sind. „Ziel des Projektes ist es, möglichst viele Informationen zur Verfügung zu stellen, damit Menschen mit Behinderung im Vorfeld entscheiden können, ob und wie sie mit den Gegebenheiten vor Ort zurechtkommen“, erklärte Bruno Pfeifer, der sich nach einem Schlaganfall zurück ins Leben gekämpft hat.

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